Bügeleisen hervorkramen. Für Drückeberger brechen harte Zeiten an. Der Kragen muss geplättet werden, die Manschette klare Kante zeigen, und auch die Front der Bluse sollte möglichst so glatt wie ein Babypopo sein. Feiner, reiner Baumwoll-Popeline zählt zu den Neu-Entdeckungen vor allem junger Designer. In knallhartem Weiß. Das ist eine echte Innovation. Denn welcher Modemacher, der für sich in Anspruch nimmt, auf der Höhe der Zeit zu agieren, hat sich in den vergangenen Saisons ernsthaft und systematisch mit der Hemdbluse beschäftigt? Sie war nicht einfach ein schnödes No-go, sondern viel schwerwiegender: weit entfernt von jeglicher Vorstellung.

Klar, Tops. Alles drehte sich jahrelang um Tops in tausenderlei Varianten. Um Tuniken und Shirts. Um unglaublich innovative Oberteile mit Stickereien, Schmucksteinen, raffinierten Naht- und Schnittdetails. Und gerade jetzt, wo die modischen Minimalisten von Jil Sander bis Céline und Prada ihre Kleider plötzlich mit aufsehenerregend großformatigen Bildern und Graffitis herausputzen, wo man sich in Massen von Plissee-Falten verlieren kann und es schillert und flimmert und Schmucksteine pfundweise auf Sweats und Blousons gesetzt werden – da tritt mit stiller Selbstverständlichkeit Weiß auf. Gestärkt. Die Bluse mit Steh- oder Hemdkragen und Manschette. Hunderte davon gingen in den jüngsten Wochen über die Laufstege. Von Acne bis Tod’s, von Angelos Bratis bis Palmer Harding, von Iceberg bis Scognamiglio. Meistens pur, immer ohne Stretch: So braucht niemand den Fleckenteufel fürchten, denn diese Hemden halten auch mal eine Kochwäsche aus. Die Waschmittelindustrie wird’s freuen.

Hinzu kommen viele Hemd-Versionen: Als Krankenschwester-Kurzkittel mit weitem Halbarm, aus dem die dünnen, langen Ärmchen der Models verloren herausgucken. Als mönchische Plastronbluse im Materialmix von Pikee mit Tüll. Hochgeknöpft, versteht sich. Als federleichte Reverskragen-Jacke, mit breitem Gürtel auf Taille gebracht. Mädchenhaft mit Bubikragen. Als Kleid-Ersatz mit glockig-schwingendem Rockteil untendran. Und so weiter.

Was zurzeit jedenfalls in Sachen weißer Bluse an Ideen sichtbar wird, reicht für etliche Sommer im Markt. Und könnte womöglich auch mal solche Frauen ansprechen, die bislang bestens mit T-Shirt durchs Leben kamen. Wäre da nur nicht – das Bügeln.