Sie haben so gar nichts mit den ernsten Dingen des Lebens gemein. Wenn wirklich Wichtiges ansteht, sind Tassel-Loafer nicht dabei. Kaufverträge werden im Business-Schnürer unterzeichnet. Im Full Brouge wird philosophiert. Im Jogging-Schuh wird der Körper an seine Grenzen getrieben. Das alles lässt den Tassel-Loafer kalt. Er steht für alles andere als Wettbewerb, Höchstleistung und Arbeit. Gerade deshalb hat er Potenzial. Versprüht er doch nur positive Gefühle. Viel lieber tummelt der Tassel-Loafer sich auf der Party an der Strandbar oder auf der Vernissage. Er weiß sich selbst einzuordnen und fühlt sich in seiner Lederhaut pudelwohl.

Zugegeben: Er ist selten zu sehen. Doch die Nische könnte wachsen. Die Voraussetzungen sind gegeben, denn die meisten Männer unter 50 haben noch keinen im Schuhregal. Diejenigen über 50 schlagen jetzt vielleicht gerne ein zweites Mal zu. Vielleicht aus Erinnerung an die guten alten Zeiten, als Fußballer noch Heinz oder Uli hießen und sämtliche Loafer (auch und vor allem mit weißen Tennissocken) auf deutschen Straßen vollauf akzeptiert waren. Vielleicht aber auch einfach nur aus Lust auf etwas anderes als Oxford, Derby, Penny und Co.

Die Lücke im Schuhschrank will gefüllt werden. Eine Lücke, die klar umrissen ist. Der Tassel-Liebhaber hat es gern etwas formeller als im Bootsschuh, aber mag es doch legerer als im Derby. Er mag Loafer, der Penny ist ihm aber zu gewöhnlich. Genau in dieser Nische fühlen sich die knuffigen Loafer mit den Quasten wohl. Die in den 50er Jahren von der US-Marke Alden lancierten Schuhe sind die Exzentriker unter den Slippern. Das Augenzwinkern wird ihnen förmlich auf das Blatt des Schuhs geschnürt.

Der zunehmende Erfolg auf kleinem Niveau scheint sich einzustellen. Besonders im Modehandel des Top-Genres, dort wo sich zeitgemäße Looks aus soften Sakkos und schmalen Chinos treffen, lässt sich der Tassel-Loafer spielend integrieren. Er profitiert von der Nähe zur Mode und vom Zusammenspiel zwischen Formellem und Casualwear ganz besonders. Bewegt er sich doch selbst zwischen den Welten. Er zeigt sich glatt und geflochten. Über Veloursleder präsentiert er sich oft auch in satten Farben wie dunklem Grün, Navy und Bordeaux. Die Ledersohlen sollten allerdings nie zu schläppchenartig daherkommen. Der Leisten darf etwas runder sein. Dann erscheint der Tassel-Loafer auch nicht zu artifiziell. Das kommt an.

Mit einem Blick auf die Verkaufszahlen kommt auch Giuseppe Santoni, der Luxus-Schuhmacher aus Italien, nicht mehr aus dem Staunen heraus. „Der Tassel-Loafer hat in Deutschland zurzeit Konjunktur“, sagt Santoni und freut sich. Die Loafer mit den Leder-Quasten verkaufen sich bestens. Der Zeitgeist spricht dafür. Besonders Prada hat das Schuhwerk über farbige Full Brouges und Brouge-Typen mit Haferl-Laschen in den Fokus gerückt. Der i-Punkt der Männerlooks ist immer häufiger der Schuh. Das spielt dem Tassel-Loafer gehörig in die Karten.