Es glänzt, leuchtet und schimmert. Die Modezeitschriften sind voll mit Metallic-Themen. Auf den internationalen Designer-Schauen konnte man bereits viele glitzernde Looks sehen. Und auch auf der Straße sieht man schon die eine oder andere junge Dame mit goldbeschichteter Leinenshorts oder glänzendem Metallic-Top. Metallics sind also in aller Munde. Höchste Zeit für einen Reality-Check. Wo bekommen modische Kundinnen Metallics her?

Im Steinweg beim Modefilialisten Bailly Diehl geht die Suche nach dem vielbesprochenen Thema „Metallics" los. Doch schnell wird klar: Statt schimmernden Produkten dominieren hier Oberteile, Röcke, Hosen und Kleider in knalligen und pastelligen Farben auf der Fläche. „Wenn wir Teile mit metallischem Glanz verkauft haben, dann waren das leichte Pullover mit Lurex. Davon ist wirklich schon viel weggegangen. Oder Strickjäckchen mit Gold- und Silberglanz von Hartford und Bellerose", sagt Christina Ullrich von Bailly Diehl. Ich suche aber die neuen Metallics, großflächig, glatt, glänzend. Da, eine silber beschichtete Jeans von Dexteé für 269 Euro. Und beim Verlassen des Ladens blinkt es auch: An der Wand baumeln zwei große glänzende Portemonnaies von Fab in Silber und Gold mit pink und grünen Sternenaufnähern. Wir nähern uns.

Neuer Laden, neues Glück. Aber auch beim gegenüberliegenden Nachbarn Robert Ley kein überbordendes Metallic-Sortiment. Filialleiterin Vivian Rauschert weiß auch warum: „Für uns ist das momentan noch kein Thema. Wenn, dann spielen wir das über beschichtete Jeans von Closed und über Strick mit Lurex für den Herbst." Die Suche geht weiter. Aber auch bei den nachfolgenden Multi-Label-Geschäften in die ich mich begebe ob Face, A/X oder Brauneis – Metallic? Nein. Pastell, Neon und knallige Bonbonfarben? Ja.



Das gleiche Spiel bei AppelrathCüpper, Kaufhof und Karstadt. Vor lauter Korall, Türkis, Rot, Grün und Gelb weiß ich gar nicht mehr, wo ich zuerst hinschauen soll, und bin überfordert von soviel Farbe. Aber ein Metallic-Schimmer kann ich auch hier in den Sortimenten nicht entdecken. Ein Farb-, aber kein Metallic-Spektakel erwartet mich in der Boutique-Abteilung im Untergeschoss bei P&C. Übereinander gestapelt liegen da Chinos in Bordeaux, Senf, Mint, Lachs, Orange, Rosé – genauso farbenfroh zeigen sich Kleider, Röcke, Shirts und Hängerchen. Auf die Frage, wo ich denn vielleicht eine glänzende Jeans finden könnte, überlegt die junge Verkäuferin kurz und antwortet: „Bei Zara." Soviel Ehrlichkeit muss belohnt werden. Auf dem Weg zu Zara noch ein Abstecher zur Konkurrenz. Vielleicht schimmert es ja bei Mango auf der Fläche? Nach zehn Minuten stelle ich fest, es schimmert nicht. Dann eben doch zu Zara. Im Erdgeschoss viele helle Nude-Töne, Weiß, Rosé. Im Obergeschoss das gewohnte Farbbild. Aber die neuen Metallics in Farbe, zarte Rosé-, Mint- oder Blautöne in Glanz-Versionen, die es schon lange bei Asos und Topshop gibt, sehe ich auch hier nicht. Die goldfarbene Lederjacke aus der aktuellen Kollektion scheint schon vergriffen zu sein.

Der Hoffnungsschimmer stirbt zuletzt. Irgendwo muss sich der Metallic-Trend doch zeigen. Nächste Station Esprit. Hier muss ich fündig werden. Denn klickt man im Esprit-Onlineshop auf den Button „Inspirationen" steht da dick und fett: Metallic & Glitter. Darunter werden ein Dutzend glitzernde und glänzende Kleider, Shorts und Röcke präsentiert. Und endlich. Alle Teile aus dem Online-Shop finde ich auf der Fläche wieder: den Plissee-Maxirock aus metallisch glänzender Poly-Ware für 59,95 Euro, das Jersey-Oberteil mit angenähtem Leinen-Minirock in Glanz-Optik für 69,95 Euro, das Hängerchen mit glänzend dekorierter Front für 65,95 Euro und die goldglänzende Leinenshorts für 59,95 Euro. „Die Produkte mit Metallic-Schimmer kommen sehr gut bei unseren Kunden an", erfahre ich von einer Verkäuferin.

Glanz euphorisiert mache ich mich auf den Weg ins Shopping-Center MyZeil und erhalte prompt einen Dämpfer. Bei dem niederländischen Young Fashion-Filialisten The Sting weit und breit keine Glanz-Spur. Bei Promod hängen die beschichteten Jeans sogar schon am Sale-Ständer. Auch bei S.Oliver entdecke ich silber und gold beschichtete Oberteile gleich am Eingang auf dem Warentisch. Reduziert. Mich beschleicht die Frage: Wurden die Metallic-Artikel nicht gut genug präsentiert? Überlagert Farbe das Sortiment so stark, dass kein Platz mehr für Metallics da ist? Oder weiß der Kunde mit dem Produkt noch nichts anzufangen? Letzte Station ist H&M. Und schon am Eingang schimmert es mir entgegen. Aquablaue, gold- und silberfabene Plisseé-Hängerchen, Metallic-Cloqués, Glanz-Blumenkleider, gesteppte Shorts, Organza-Röcke, goldglänzende Blouson-Jacken mit passender Glanz-Hose – hier geht jedem Metallic-Fan das Herz auf.

Zeit für ein Fazit. Metallics sind angekommen. So richtig allerdings nur in den Köpfen von Moderedakteuren, Stylisten und Designern. Bisher haben nur einige Vertikale das Thema aufgegriffen. Andere sind vorsichtiger. Noch. Das kann aber auch daran liegen, dass es nicht genug Glanz in den Kollektionen der Anbieter gab, die man für den Sommer ordern konnte. Das könnte sich jetzt ändern. Nicht nur Designer wie Raf Simons für Jil Sander oder Hussein Chaleyon haben für Herbst Metallics gezeigt, auch Labels wie Closed und 1921 präsentieren beschichtete Jeans. Sollte der Metallic-Trend im Winter so richtig Fahrt aufnehmen, dann werden im Sommer 2013 mit großer Sicherheit die Metallics in Farbe relevant werden. Bleibt abzuwarten, ob der Metallic-Funke dann auch auf den Kunden überspringt.