Welche Gedanken macht sich ein Philosoph über die Gestaltung von Läden? Eine Antwort darauf gab es auf dem diesjährigen Internationalen Alpbacher Handels-Forum von Umdasch. Dort sprach zum Auftakt Peter Sloterdijk über „Die Inszenierung der Welt“ und formulierte dabei ganz konkrete Anforderungen an die moderne Ladengestaltung.


Sloterdijk beginnt mit einem Rückblick. Im 20. Jahrhundert habe die Zivilisation den Sieg über die Knappheit und den Mangel an Waren errungen. Heute lebten wir in einem Zeitalter der Massenprodukte, eigentlich sogar des Überangebots. „Es gibt mehr Pullover als Schrankfächer, um sie aufzubewahren“, sagte Sloterdijk. Das stürze die Menschen in ein Dilemma. Denn heute stünden sie vor einem ganz anderen Problem. „Man muss lernen, aus diesem Überangebot auszuwählen.“ Da man im eigentlichen Sinne nichts brauche,  gibt es eigentlich nur eine schwache Motivation, tatsächlich zu einer Entscheidung zu kommen und zu kaufen, sagt Sloterdijk. „Ultraschwache Kaufanreize müssen verstärkt werden.“ Diese Rolle könne auch die Gestaltung des Verkaufsraums übernehmen. Dabei ginge es aber weniger um die Inszenierung des Ladens. „Konsum- und Kunstwelt konvergieren zunehmend“, sagt Sloterdijk und greift so auch bei seinem Vortrag auf zwei Begriffe aus der Kunst zurück. Immersion und Installation. Der Begriff Immersion kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Eintauchen, er wird vor allem im Zusammenhang mit dem Abtauchen in die virtuelle Realität verwendet. In der Ladengestaltung heiße das laut Sloterdijk: „Sämtliche Sinne des Rezipienten müssen angesprochen werden. Es geht nicht so sehr um das Inszenieren, sondern darum, eine Umgebung zu installieren, die an die Stimmungen der Konsumenten anknüpft und sie umstimmt.“

Zum Schluss seines Vortrags blickt Sloterdijk noch einmal zurück. Der Archetypus des Einkaufens sei im 19. Jahrhundert in Form von Galerien geschaffen worden. Im Prinzip gehe alles auf den Crystal Palace zurück, der 1851 bei der ersten Weltausstellung in London eröffnete und von einem Architekten für Treibhäuser entworfen wurde. „Der moderne Mensch ist ein Umgebungskonsument. Die Menschen kaufen nicht nur die Ware, sondern erwerben beim Einkauf auch etwas von der Umgebung“, sagt Sloterdijk. Die ganze westliche Welt sei heute ein Netzwerk von Kristallpalästen. Flughäfen, Hotels und Einkaufspassagen, all das seien „Treibhäuser der Bedürfnisse“.