Pssst. Mal gaaanz tief einatmen – und die Luft langsam wieder herauslassen. Das macht ruhig. Kurze Pause. Um einen Moment nachzudenken. Über Schwarz in der Mode. Über Sittsamkeit und Sicherheit.



Denn nachzudenken gilt es sehr wohl. Für viele Kreative stellt sich ganz aktuell und sehr konkret die Frage: Wie weitermachen? Sind doch die Leitlinien und Zeichen, an Hand derer sie Kollektionen für die nächsten Saisons andenken könnten, zutiefst unterschiedlich.

Da haben wir einerseits diesen gigantischen Farbrausch, der den hiesigen Markt erfasst hat. Farbe funktioniert offensichtlich. Für Männer wie für Frauen, für Schuhe und Accessoires, für gehobene Ansprüche wie in preissensiblen Sortimenten. Manchmal kann es fast schmerzen, wie brachial den Konsumenten grüne, gelbe, pinkfarbene Modeteile vor die Füße geworfen werden. Doch ungeachtet dessen – die Kraft dieses Modetrends darf nicht kleingeredet werden. Es ist ein Glück für die Branche, mal wieder mit solch einem prägnanten Thema aufwarten zu können. Insofern sollten alle miteinander versuchen, die Klaviatur von Gewürztönen über frostige Pastelle bis zu Bonbonfarben mit Fingerspitzengefühl und Know-how möglichst differenziert und langanhaltend zu bespielen. Das ist das eine.

Das andere ist die Strenge. Die Ruhe. Ein spröder Look – von Dior über Lanvin bis Yves Saint Laurent. Und sehr viel Schwarz, von den Designern jüngst vorgestellt. Wenn auch nicht relevant für eine breite Klientel, so dürfen diese Signale nicht unterschätzt werden. Empfinden sensible Branchenkenner und Modekonsumenten doch auf Anhieb, wie wohltuend solche stillen Looks jetzt wirken können inmitten der tagtäglichen Multicolour-Weichspülerei. Statt pinkfarbener Seidentops mit Rüschen eine hochgeschlossene Popeline-Bluse in hartem Weiß zum priesterlichen Wollmantel aus schwarzem Doubleface. Das hat Charakter… Zumindest zurzeit, kraft der Andersartigkeit. Denn alle in der Mode wissen: Nichts ist für die Ewigkeit. Der Wunsch, sich abzusetzen, formuliert sich bereits dieser Tage in modisch-progressiven Kreisen. Mit Chino, Blüten-Top und Blazer lässt sich hier kein Blumentopf mehr gewinnen.

Schwarz war schon immer das Instrument, um sich abzusetzen. Ist Schwarz doch traditionell die Farbe der Elite. Doch eines zieht sich bis heute durch: Wenn es um Kleidung mit Stil, mit Würde, mit Anspruch geht, tritt stets Schwarz auf. In Begleitung von Weiß.

Was also läge jetzt näher, wo es gilt, einen ersten Pflock einzuschlagen auf der fröhlichen Blumenwiese von Grün bis Gelb? Was könnte signifikanter sein, um eine provokante Gegenposition gegenüber dem Laissez-faire der knallbunten Baumwolle und bedruckten Seide zu formulieren?