GDS. Jetzt kommt der Schuh dazu. Zu den Pattern-Pants, den neuen ausgestellten Röcken, dem Look der Saison: Pencil-Skirt plus geräumiger Pullover. So sensibel sich die richtige Farbeinteilung gestaltet, so einfach scheint die Marschrichtung bei den Schuhtypen. Ganz klar: Ankle-Boots und Stiefeletten setzen ihren Siegeszug fort. All die Modelle, die von Acnes Pistol-Boot inspiriert sind, all die Biker-Styles und lässigen Booties, die zu Krempelhosen, Röhren und Röcken passen.

Daneben baut sich ein alter Bekannter auf, der in den letzten Saisons – modisch gesehen und im wahrsten Sinne des Wortes – zu kurz gekommen ist: der Langschaft-Stiefel. „Stiefeletten bleiben, aber Stiefel liegen wieder voll im Trend. Da man sie bei allen Anbietern sieht, bleibt einem fast nichts anderes übrig, als sie wieder stärker zu ordern“, sagt Giovanni Li Pomi von Gianni Schuhmode in Köln. „Pura Lopez hat in jede Gruppe mindestens einen Langschaft gearbeitet, das zeigt, wie sehr sie auf das Thema setzt“, sagt Ingrid Höing, die für den Deutschland-Vertrieb verantwortlich zeichnet.

Einem Plädoyer pro Langschaft kommt gelegen, dass man jetzt wieder Hosen in Stiefel stecken darf. Zumindest sieht man es so wieder auf den internationalen Laufstegen und in den Trend-Metropolen. „Der Stiefel muss einen richtig hohen Absatz haben und übers Knie gehen, damit er auf keinen Fall plump oder spießig aussieht“, sagt Kerstin Görling vom Trendstore Hayashi in Frankfurt. Ein Segen, denn im Herbst 2013 bleibt die Dominanz der Skinny.

Dennoch: Damit das Thema Langschaft spannend bleibt, müssen neue Anreize geschaffen werden. Der Einkauf muss hohen Aufwand bei der Recherche betreiben: Was hat die Kundin wohlmöglich noch nicht im Schrank? Für die modische Spitze: Fransen. „Der Langschaft hat Potenzial, wenn er ein Highlight ist. Fransen können aus ihm so ein Highlight machen“, sagt Siegfried Bergmeister, der mit seiner Agentur Highline Schuhlabels wie French Connection, Ash und Jean-Michel Cazabat vertreibt. Dabei geht es durchaus um Modelle mit langen Fransen allover, die vor allem auch feminine Kollektionen, wie Pura Lopez propagieren. Bei Paco Gil kommt Erneuerung über Material-Mix: „Von Matt-Glanz-Effekten über Fell bis hin zu Schäften, die wir mit einem Stoff im Hahnentritt-Dessin überzogen haben. Hauptsache, es ist Bewegung drin“, sagt Carla Gil, die Enkelin des Firmengründers.

Bewegung kommt auch in die Silhouette: Neben den coolen, tubeförmigen 70er-Jahre-Modellen zeigen viele Anbieter schmale, taillierte Formen. Hier kommen auch wieder spitze Leisten ins Spiel – plus Plateau ergibt sich eine moderne Linie. Der Langschaft geht gar progressive Liaisons ein, um aus dem Hintertreffen zu geraten: So taucht in einigen Kollektionen die Creepers-Sohle als Unterbau auf. „Durchgängige Plateausohlen bleiben wichtig, beim Stiefel muss man sich noch daran gewöhnen. Das ist ein Thema für Informierte“, sagt Alicja Krum von der Vertriebsagentur Agents of, die Marken wie Paco Gil, Strenesse und Objects in Mirror im Portfolio haben.

Verständlicher sind Erneuerungen wie asymmetrische Schäfte, bezogene Keile, wolkige Leder, Steppungen, Zipper, Pelz-Verbrämungen und neue Farben wie Flaschengrün und Ochsenblut.
Nach drei Tagen GDS ist das Signal klar: Es geht wieder nach oben. Sogar vom Overknee ist wieder die Rede: „Overknees haben ihr verruchtes Image längst abgelegt. Mit Blockabsatz, aus Vintage-Leder, leicht geschoppt, so sprechen sie eine ganz neue Zielgruppe an“, sagt Sara Fermani von Alberto Fermani.