Das Oktoberfest ist nicht nur eine Mordsgaudi, sondern kann auch ein Mords-Umsatzbringer sein. Die Umsätze mit Dirndl und Lederhose steigen zunehmend. Das Wiesn-Geschäft macht bei Krüger Dirndl aus Wernau nach eigenen Angaben rund 20% des Jahresumsatzes aus. Für Lodenfrey in München ist es ein „wichtiger Umsatzbringer“ im Juli, August und September. Aber nicht mehr nur die dafür typischen Einzelhändler in Bayern setzen auf das Geschäft mit Lederhose und Dirndl. Auch Kaufhäuser und Filialisten erweitern ihre vorhandenen Sortimente oder führen Trachtenmode ganze neu ein.

New Yorker beispielsweise bietet neben Dirndl und Blusen auch Jacken und Accessoires bis hin zu Unterwäsche an. Hallhuber sucht über einen Design-Wettbewerb das Wiesn-Dirndl 2013. „Der Trend ist ungebrochen, so dass die Themen Oktoberfest und Trachten für uns wichtiger sind denn je“, sagt Sabine Zollikofer, Einkaufsleiterin bei Galeria Kaufhof. Auch ein C&A-Sprecher bestätigt: „Der Trend zur Tracht hat in den vergangenen fünf Jahren gerade bei den jüngeren Kunden stark zugenommen.“ Zalando Premium hat Trachten seit 2011 im Sortiment. Nach „guten Erfahrungen“ wurde die aktuelle Kollektion ausgebaut. Künftig sei sogar ein Oktoberfest-Shop geplant, sagt Felix Zirkler, Head of Zalando Women.

Lodenfrey/Kaufhof/Lodenfrey
Lodenfrey/Kaufhof/Lodenfrey


Und auch die Industrie entdeckt dieses Zusatzgeschäft immer mehr für sich. Allude entwickelte erstmalig eine Capsule Collection für die Wiesn. Schmale Cardigans mit Kontrast-Paspeln, Jäckchen mit Zopf- und Perlenmuster und Trachtenknöpfen gibt es in sämtlichen Farben von Pastellen bis gedeckten Tönen. Bogner wirbt mit „Die Macht der Tracht“ für zwei Outfits aus Dirndl, Strickjacke und Trachtenhut. Komplettpreis im VK: 1857 Euro. Diverse Accessoire-Anbieter präsentieren Schuhe, Taschen, Hüte und Schmuck im Wiesn-Style. Und damit die Kleinen auch ein wenig zünftig daherkommen, bietet die Unterwäsche-Linie Sanetta Bodies und Zweiteiler bedruckt mit Lederhosen, Lebkuchenherzen und Dirndl an.

Mit der Vielfalt wächst auch das Modebewußtsein der Kundin. Lodenfrey, Trachtenalm und Stockerpoint wie auch C&A und Kaufhof bemerken einen Trend zu auffälligen Farben. Türkis, Orange, Lila, helles Grün oder Rosé ergänzen die Palette. Dem allgemeinen Tenor nach wird der Rock des Dirndls immer kürzer. Während Lodenfrey das schmalere Dirndl im Kommen sieht, beobachtet Beo Mode und Trachten aus Rosenheim eher den Trend hin zum Petticoat unter dem Dirndl. Aber eines ist und bleibt wohl wichtig, die Passform. Die Figur soll ins rechte Licht gerückt werden, die Bequemlichkeit aber nicht ausbleiben. Was Verarbeitung und Muster angeht, mag es der Kunde eher traditionell, Modernität kommt über Rocklänge und Farbe. Accessoires werden immer wichtiger. Und auch die Lederhose ist im Wandel. Frauen entdecken sie zunehmend für sich, ob klassisch oder in bunter Ausführung.