Sie denken, Sie wissen alles über Python? Auch, dass es neuerdings echte Schlangenhaut bei der Kosmetikerin gibt? Für Mani- und Pediküre. Das klingt nicht nur abscheulich, sondern ist auch so was von Eighties! Wie Python per se. Irgendwie haftet der Schlange ein Altweiberschmücker-Image an, genauso wie dem Leo-Muster: dekorativ mit Hang zur Dekadenz. Aber die Masse liebt sie. Alle Jahre wieder werden tierische Prints aufs Neue propagiert. Auf irgendeiner Schau oder in irgendeinem Lookbook. Fast blind kann man sich auf Roberto Cavalli oder Versace verlassen, für die Tierprints niemals out sind. Es soll Frauen geben, die Python allover tragen.

Wahrscheinlich war das bisher das Problem. Zu viel, zu laut, zu billig – und an den falschen Frauen. Um es mit den harten Worten von Luther zu sagen: Perlen vor die Säue. Denn Python als Deko-Desaster abzutun, wäre dann doch viel zu kurz gegriffen. Spätestens, als Prada in der vergangenen Winter-Kampagne farbige Schlangenleder-Clutches und 60er Jahre-Stiefel aus gepatchtem Python in den Mittelpunkt stellte, war es um die ersten Fashionistas geschehen.

Prada
Prada


Dann machte Zara spitze Pumps und feste Taschen aus geprägtem Schlangenleder, in Naturfarben, sehr sophisticated, sehr reduziert. Und stellte sie zu hautengen Lederröhren, Bleistifthosen, präzise geschnittenen Blazern. Scharf, aber elegant, ein neuer Urban Rock-Look. In diesem Umfeld stellt sich Python ganz anders dar. Plötzlich ist es auch ein Spielelement für sehr trendbewusste Frauen.

Das Feuer heizen jetzt beschichtete Röhren und Bikerstyles mit nass schimmernder Reptilprägung an. Denn da beißen auch Frauen an, die es sonst eher clean mögen. Hauptsache, man erdet den Look mit einem schlichten Sweatshirt in Graumelange oder einem schwarzen Angora-Pulli. Zum Hochsommer werden etliche Anbieter transparente Blusen mit Schlangen-Druck bereitstellen. Dazu eine weiße Röhre oder schmale Cargo-Hose. Was sonst könnte zugleich Luxus und Sportivität vermitteln? Mehr noch, was sonst könnte eine neue Komponente für wildes Muster-Mixen sein: Python zu Karo. Python zu Hahnentritt, dazu noch Ranken… Blume zu Blume, das ist ja Einsteiger-Niveau.

Das Image der falschen Schlange ist wieder repariert, die Vorurteile scheinen überwunden. Der Handel freut sich ob des dekorativen Trends. Denn Dekoration hat sich immer wieder als verkaufsfördernd erwiesen. Und so ist leider auch zu befürchten, dass die schmückende Schlangenhaut bald auf spitz gepfeilten Krallen zu sehen sein wird. Wenigstens sind Sie darauf vorbereitet.