Mit der Mode ist es ein bisschen wie mit der Pubertät. Während die Mädchen schon den älteren Jungs nachschielen und erste Pickel auf der Nase haben, spielen die Jungs noch mit ihren Autos und finden Mädchen albern und doof. So war es auch mit den Prints. Schon seit einigen Saisons sind Mädels und Frauen ganz verrückt nach bedruckten Röhren und gemusterten Shirts. Auf etlichen Flächen gehörte die geblümte Hose im letzten Sommer zu den Topsellern und auch in diesem Frühjahr sind die Drucke der Motor vieler Kollektionen. So wie mit der Pubertät war es aber auch bei Jungs und Mustern nur eine Frage der Zeit. Irgendwann würden auch sie soweit sein.

Auf dem Catwalk waren Drucke bei Männern schon länger Thema. Bereits in den Menswear-Schauen zum Sommer 2012 gab es genug Inspiration in Sachen Musterknaben: Blumen- und Krawatten-Muster-Explosionen bei Prada, satte Tomaten-Plantagen bei Dirk Bikkembergs, Palmenhaine bei Moschino, kaleidoskopartig verschachtelte 70er Jahre Tapeten bei Burberry Prorsum − auf Polos, Hemden, Jacken, kurzen Shorts.

Und jetzt scheinen Prints auch bei Max Mustermann angekommen zu sein. „Die Männer haben richtig Spaß an neuen Drucken. Und zwar nicht nur klein und grafisch, sondern sogar laut und blumig", beschreibt Hans-Heinrich Heinze, Geschäftsführer des Modehaus Heinze in Frankenberg die neue Druckleidenschaft. Auch Jeremy Langmead von Mr. Porter ist sich sicher: „Die Männer sind viel mutiger geworden als noch vor einigen Jahren.”

Die passenden Kollektionen bei den vertikalen Unternehmen stehen schon bereit: Topman, Zara und Asos haben neben Einsteigermodellen wie dem Krawattenmuster und dem Ethnoprint auch Knalligeres im Angebot. Shirts mit Leoprints, Hemden mit Rosendekor oder auch Hosen mit wilden Tropendrucken sind nur einige Beispiele. Und auch modisch richtungsweisende Kollektionen wie Hentsch Man, Drykorn und Scotch & Soda machen jetzt Druck.

Doch wer denkt, Prints seien nur was für Jungspunde, der irrt. Auch echte Kerle dürfen zugreifen. „Ich sehe Drucke nicht nur als ganz junges Thema. Es ist definitiv eine frische Alternative zum Karohemd“, so Daniel Schmitterer, Abteilungsleiter Einkauf/Verkauf Artikel, Engelhorn. Volkmar Tandler vom KaDeWe sieht das bedruckte Hemd als wichtige Inspiration für den Look des Frühjahrs: „Ein taillierter Casual-Jerseyblazer in Honeycomb-Struktur mit kleindessiniertem Ornamentic-Print-Hemd, superschmal geschnittene Cargo, darüber ein offenkantig geschnitten und verarbeiteter Kurz-Trench – das ist ein Key-Look des Frühjahrs.“

An den bunten Chinohosen und geschmückten Hemden, die als Farbtupfen auf den HAKA-Flächen eingesetzt werden, haben sich die Männer womöglich schon satt gesehen. Doch die vielen Drucke bergen großes Potenzial, in diesem Sommer ein Verkaufsrenner zu werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Männer nicht zu schnell erwachsen werden.