Erstmal eine Gauloises. Tief inhalieren und genießen. Nicht so viel nachdenken über das, was man anhat. Vertrauen auf gute Basics, denn in der Kombination liegt die Power, die aus Frankreich kommt. „Guter Stil ist einfach die Art, wie man etwas zusammenstellt“, bringt es Ami Paris-Designer Alexandre Mattiussi auf den Punkt. Schlichter Mantel in wertigem, griffigem Stoff, dazu Jeans, Sweat-Shirt und Sneaker. So unaufgeregt kommen viele Ami-Looks daher.

Französisches Flair statt sartorialer Exzesse. Aus Frankreich drängt eine Sportswear in die Sortimente, die im Top Genre der Menswear immer größeren Einfluss nimmt. Neben Ami Paris sind es Labels wie A.P.C. sowie Officine Générale, die Casualwear zwischen urban und easy zelebrieren. Nichts ist übertrieben, alles soll nachvollziehbar sein. A.P.C.-Chef Jean Touitou hasst Männer, die sich zu sehr mit Mode beschäftigen und für ihn dann eher aussehen wie Clowns. „Die Eleganz und das Wissen um Mode muss bei Männern unsichtbar sein, das macht sie sexy", beschreibt es Touitou und fasst so den Stil französischer Sportswear zusammen.

Facettenreich ist der sportive Impuls aus Frankreich überdies. Die sommerliche, farbenfrohe Seite des französischen Casual-Chic zeigt Cuisse de Grenouille. Eine Welt rund um den Gentlemen Surfer. Beachwear neu verpackt und auf Sports- und Casualwear getrimmt. Nie zu jugendlich, nie zu sportiv. Zu sehen unter anderem unweit des bekannten Pariser Concept Stores Merci, wo sich die Vielfalt der neuen französischen Einflüsse auf kleinem Umkreis präsentiert. Wo Melinda Gloss zeigt, wie entspannte, wertige Menswear aussehen kann. Wo neben den Stores von Ami Paris und A.P.C. auch Sandro Sportswear cleaner und schnörkelloser in die Schaufenster stellt. Mehr Contemporary, dunkler, aber dennoch ganz verständlich.

Die neuen Franzosen setzen ganz generell aufs Unkomplizierte und Praktische. Klare Formen. Alles zurückhaltend. Immer mit der Spur Avantgarde, die sich nicht über Farbe, sondern vor allem über den Schnitt und die Prints zeigt, die auf Sweat- und T-Shirts teilweise extrem verrückt sind und die nötigen Akzente setzen, die sagen: Seht genau hin, die Kollektion ist modern und nicht nur Basic.

Der USP der Einzelteile kommt vielmehr über den Stoff und über Preislagen, die zwischen breitem Markt und Top-Liga rangieren. Für die Beletage der Menswear taugen die lässigen Franzosen deshalb nicht nur als Überbringer eines neuen Stils der Sportswear, sondern auch als Frequenzbringer für die junge Klientel und als eine überaus nachvollziehbare Einstiegspreislage. Im Gegensatz zu den großen Brands steht das Label nie im Vordergrund. Den Franzosen kommt es auf gute, verständliche Einzelteile an und wie die Männer sie kombinieren. Der Mann soll wirken, nicht die Klamotte.

In der TW 42 vom 15. Oktober 2015 finden Sie zudem einen ausführlichen Bericht über den Wandel der amerikanischen Sportswear. Die digitale Ausgabe steht bereits am 14. Oktober 2015 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.