Schals mit Sternen haben wir rauf und runter verkauft“, so Sandra Caspers von Shirley Mae in Hamburg. „Die Modelle von Becksöndergaard aus Wolle und Seide für 70 Euro sind unsere Dauerbrenner“, sagt Linda Müller von Maingold in Würzburg. Das war im November 2011. Das ist heute auch noch so. Sternchen-Schals und -Tücher haben sich auf einem hohen Niveau eingependelt. Immer neue Farben und Kombinationen mit weiteren Icons wie kleinen Peace-Zeichen haben das Thema über Saisons am Kochen gehalten. Nichtsdestotrotz suchten und suchen Kreative und Händler ständig nach zugfähigen Nachfolge-Themen. Da gab es Kätzchen und Eulen, geometrische Prints. Die Durchschlag-Kraft von Sternen hatten sie aber allesamt nicht.

Jetzt kommen neue Impulse von den internationalen Designerschauen. Prada, Jil Sander, Céline, sie alle propagieren Art-Prints. Bei Prada: Plakative Wandbilder, die in Form von Frauenporträts auf Mäntel und Kleider gezeichnet sind. Bei Jil Sander: für Sander ungewöhnlich expressive Drucke, die vom italienischen Maler und Grafiker Alighiero Boetti inspiriert sind. Bei Céline: kunstinspirierte Graffiti-artige Pinselstriche auf Oversized-Sweats. Kunst, immer modern interpretiert, findet sich auf verschiedene Weise als eines der stärksten Signale der internationalen Schauen.

Laufende Kunstwerke. Street-Art. Immer wieder gab es Inspirationen aus dieser Richtung, allerdings nie in derart geballter Form. Wie wichtig ist die Idee für das Geschäft mit Accessoires? Und wie setzt man sie um – so dass sie sich breit verkaufen lässt? Bei Codello werden Kunst-Drucke zum Herbst/Winter 2014 angetestet: „Wir fanden in dieser Hinsicht bereits die Collagen-Drucke der aktuelle Givenchy-Kollektion inspirierend oder auch die barocken Gemälde-Prints bei Zara Home“, sagt Creative Director Katharina Jacob. „Das können wir uns gut für unsere modisch spitzen Kollektionen vorstellen. Im Patch mit dem Erfolgsthema Fell, das macht es gewohnter, und damit verständlicher.“ Großflächige Konterfeis, wie vor allem Prada sie gezeigt hat, schätzt Jacob dagegen als sehr schwierig für den breiten Markt ein: „Große Gesichter schmeicheln nicht, sie verschrecken.“

Bei Passigatti, einem der größten Schals- und Tücher-Anbieter, wird es in der Hauptkollektion zum Herbst/Winter 2014 starke Bezüge zu Kunst geben. Unter "Funky Soul" zeigt das Unternehmen Prints mit Pinselstrichen, Farbkleksen und auslaufenden Farbverläufen, alles in kräftigen Tönen. „Manche Motive könnten glatt als Gemälde in einem modernen Wohnzimmer hängen", heißt es vom Passigatti-Designteam. „Wir haben das Kunstthema in die Hauptkollektion genommen, das zeigt, wie kommerziell wir es einschätzen."