Es war ein Abend im Jahr 1994. In einer Zeit, als kurz vor dem Wetter in der Tagesschau noch über Tennis berichtet wurde. Pete Sampras drosch die Filzkugel übers Netz, ein unbekannter Gegner retournierte und blieb erfolglos. Alles war wie immer. Doch als die Kamera sich auf Sampras zubewegte wurde schnell klar, dass nichts mehr war wie früher. Die Coolness von blondgesträhnten Surfern hielt Einzug in einen Sport, der nie cool war und nie cool sein wollte.

Doch jetzt gab es kein Zurück mehr: Pete Sampras hatte seinen Ausrüster gewechselt und für immer sein Sergio Tacchini-Höschen abgelegt. Da stand er nun mit übergroßen Zelthosen auf dem altehrwürdigen Centre Court. Seine katzenartigen Bewegungen wurden plötzlich verwischt von sackartigen Shorts und einem T-Shirt in Übergröße. Man will sich kaum vorstellen, wie es wohl ausgesehen hätte, wenn der grazile Stefan Edberg sich die Bälle zum zweiten Aufschlag mit seiner goldenen Ebel-Uhr am Armgelenk aus einer 20 cm tiefen Tasche gegriffen hätte.

Nach Jahren der Bermuda-Styles ist es wieder Zeit für kurze Hosen. Und zwar wirklich kurze Hosen. Nicht nur auf dem Tennisplatz machen die short Shorts eine bessere Figur. Sie sind – mit ihrer Form zwischen Speedo und Bermudas – der eleganteste Kompromiss auch im Freibad. Auf der Grillparty zur Zipperjacke oder zum hauchdünnen Cashmere-Pulli sind sie eine gute Wahl. Sie jedoch als einen gekonnten Bruch für ein klassisch angehauchtes Outfit zu missbrauchen, wäre töricht. Zu kurzen Hosen gilt striktes Blazerverbot. Welcher Mann will schon aussehen wie der witzige Typ, der auf dem lockeren Get together in Hugh Grant-Filmen immer die Grüppchenbildung stört?