Jedes zehnte Hemd, das wir verkaufen, ist ein Druck-Hemd", sagt Hennig Gerbaulet von Eterna. Die kleinen Pünktchen, Paisleys und geometrischen Formen sind aus den Kollektionen nicht mehr wegzudenken. Und Drucke sind keineswegs ein Trend nur für Fashion-Victims. Über subtile Minimals meistern sie die Gratwanderung zwischen bürotauglich und modern aufs Feinste. So erweitern die neuen Prints die Bandbreite der kommerziellen Hemden um weitere Facetten – zur Freude des Handels, der die Drucke nicht nur über Highlights in seinen Journalen und Prospekten bewirbt, sondern auch in großen Stückzahlen verkauft, sogar an weniger modeaffine Männer.

Allen voran die butterweichen Stoffe der Italiener zieren kleinste Motive und Abfolgen, die fast schon als uninah zu bezeichnen sind. Danolis, Truzzi, Vincenzo di Ruggiero sowie Orian und Mastai Ferretti spielen mit einer Vielzahl an smarten blau-weiß Varianten, die dem klassischen Streifen mehr als nur Konkurrenz machen. Aber auch in sehr kommerziellen Preislagen laufen minimale Prints Karos und Streifen nach und nach den Rang ab. Olymp und Eterna verkaufen bedruckte Hemden zu immer größeren Anteilen. „Hemden mit kleinen Minimals kommen sehr gut an“, sagt Tim Stenger von Stenger in Bad Kreuznach. Alexander Reichmann von Alexander Herrenmoden mit sechs Filialen am Niederrhein stimmt ihm zu: „Solche Dessins finden die Männer abwechslungsreich und neu.“

Vertikale wie Zara zeigen besonders jetzt zum Frühjahr mutige Allover-Prints und inszenieren auf der Fläche sommerliche Paisley-Motive. Weitere Beispiele sind Cos in Kooperation mit der britischen Top Genre-Online-Plattform Mr Porter sowie der preisaggressive Filialist Primark. Sie lancieren viele progressive Hemden-Modelle mit schwarz-weißen und streng geometrischen Motiven, die auch ehemals altbackene Kurzarm-Shirts in neues Licht rücken. Überhaupt sind es die architektonischen Prints, die das Hemd auf eine neue, viel modernere Ebene hieven. Zum schwarzen Slim fit-Anzug und zur entspannten Joggpants sind solche Hemden die angezogenere, schickere Alternative zum lässigen T-Shirt. Und sie stehen zudem für höhere Bons als die Basic-Wirkware.

Zu welch hohen Bons auffällige Prints taugen, machen die Designer-Labels vor. Für absolute Must-have-Shirts werden schnell weit über 300 Euro fällig. Prada zeigt seit Jahren, wie aus markanten Print-Shirts echte Icon-Produkte werden, und Givenchys zähnefletschenden Rottweiler auf schwarzem Hemdengrund lassen sich Männer, die auf Teile mit hohem Wiedererkennungswert Wert legen, gut und gerne 500 Euro kosten.

Der starke Push bei Print ist aber insbesondere den kleinen Pünktchen und Minimals zu verdanken, die dem Schnelldreher Business-Hemd eine Frischzellenkur verpassen. „Hier gibt es auch in den kommenden Saisons noch viel Potenzial“, sagt Carmen Danner, verantwortlich für die Hemden bei Joop!. Hier steigen die Umsätze vor allem in der Stammabteilung, wo die Verkäufer über die modernen Muster zusätzliche Verkaufsargumente haben. Denn sicher ist: Viele Männer haben noch kein Druck-Hemd im Schrank.