Langsam greift er sich seine Gauloises. Von drinnen wummern die Bässe. Mit einem gezielten Stoß tippt er das Softpack auf den Handballen, greift sich die filterlose Kippe, steckt sie sich an und zieht. Dann nimmt er einen Schluck. Kein Wodka-Red Bull und schon gar kein Caipirinha. Irgendetwas Schnörkelloses. Der würfelförmige Tumbler ist höchstens zwei Finger breit gefüllt. Er genießt. Seine Zigarette, sein Getränk, den Abend.

Um ihn herum wird gelabert und gekichert. Wasserstoffblonde Mädchen mit asymmetrisch geschnittenen Frisuren starren auf ihre Smartphones. Die Bad Boys der Stadt analysieren kaugummikauend den Fußball-Samstag.
Überall sinnloses Gekreische und Getippe. Ab und an riskieren fast alle einen Blick. Ihre Pupillen scannen sein Outfit wie das iPhone den QR-Code. Sie sehen sein knackenges Sakko, sein blütenweißes, weit aufgeknöpftes Hemd. Sehen seine silbernen Manschettenknöpfe. Die Bügelfalten seiner Hose stehen stramm. Die schwarzen Loafer glänzen. Der Tumbler, das Softpack. Bei den Mädels wird er zum Gesprächsthema, und die Jungs sind sich jetzt sicher. Der Typ muss ein Arsch sein. Das Gute daran: Noch nie war es so schön, einer zu sein. Blanker Neid strömt ihm entgegen. Noch nie lag die Sache so klar auf der Hand.

Es ist die Klassik, die cool und lässig daherkommt. Runtergenudelt und schluffig-schlampig sind ausgereizt. Was jeder schon längst kapiert hat, ist extrem unspannend. Schwarze Jeans, deren Bund in den Kniekehlen hängt. Versiffte, weiße Sohlen von ausgelatschten Sneakern. Kapuzen von viel zu dicken grauen Hoodies, die sich über schwarze Baseball-Jacken quetschen.

Noch nie waren die vermeintlich lässigen Outfits so einfallslos und so wenig facettenreich und die klassischen so wirklich lässig, so überraschend, so cool und so sexy. Die Chino hat den Anfang gemacht, denn auf den Dreh mit der schlanken Flatfront sind auch die meisten Provinz-Kasper schon gekommen.

Langsam reift auch bei ihnen die Erkenntnis, dass es besser aussieht, wenn die Hände beim Grooven an der Tanzfläche wie ganz nebenbei in französischen Taschen verschwinden, anstatt sie in viel zu enge Swingpockets zu zwängen, in denen auch noch Haustürschlüssel und Taschentücher verstaut sind.
Sie kapieren nach und nach, dass es gut aussieht, wenn man Getränke in Gläsern, statt Flaschen bestellt. Dass Frisuren auch aus dem Gesicht heraus gegelt werden können.

Sicher ist: Mit Hoodie, Sneaker und Co wird’s künftig nicht leichter, auf der Piste was zu reißen. Nachlässig lässig kann jeder. Und was jeder kann, törnt ab. Hemd bügeln, Schuhe putzen, Sakko lüften, so sieht demnächst das samstägliche Warm-up aus. Dann legen die Mädels am Abend auch gerne mal länger ihr Smartphone zur Seite.