Donnerstag, 30. Mai, in Shanghai wird die Winter 2013 Kollektion von Hugo Boss auf einer Fashion Show präsentiert. Mit dabei rund 1000 geladene Gäste. Doch nicht nur sie verfolgen die Show live. Auch unzählige Fashionistas, Moderedakteure und Interessierte auf der ganzen Welt sitzen an den Bildschirmen. Die Show kommt per Livestream nachhause oder ins Büro. Angereichert mit Interviews, Kurzfilmen und einem Shanghai-Reiseführer soll sie Lust auf Hugo Boss machen.


Seit die Digitalisierung unaufhaltsam voranschreitet und langsam allen klar sein müsste, dass das Internet „jetzt nicht mehr weg geht“, wie es Zukunftsforscher Gunter Dueck kürzlich auf dem TW-Forum formuliert hat, müssen sich die Labels immer wieder Neues einfallen lassen. Neben Onlineshop und Facebook-Seite setzen immer mehr Modefirmen auf digitale Kampagnen und Live-Übertragungen. Das englische Label Burberry gilt als Vorreiter. Hat es doch als erstes Luxus-Label 2009 die Fashion Show per Livestream gezeigt und damit den Burberry-Hype ordentlich angeheizt, dem Traditionshaus ein jüngeres, frischeres Image verpasst. Die Reichweite war enorm. So zeigten beispielsweise Vogue, Grazia und CNN die Show auf ihrer Website. Theoretisch hätten so bis zu 100 Millionen Nutzer erreicht werden können.

Doch ein Livestream alleine reicht heute nicht mehr aus, um verwöhnte Internetnutzer an die Bildschirme oder Smartphones zu locken. Deswegen stricken Labels wie Burberry, aber auch Hugo Boss oder Armani ganze Kampagnen um Events wie beispielsweise eine Fashion Show oder eine Store-Eröffnung. Schon seit dem 22. April fährt Hugo Boss die Kampagne zur Fashion Show in Shanghai, zusammen mit der Burda Creative Group und der Zeitschrift Elle als Kooperationspartner. Für das deutsche Label ist es die bisher größte reine Online-Kampagne. Und Boss-Interessierten wird auf der Homepage einiges geboten. Making Of-Filme und Interviews, Shanghai Places to be oder Kurzfilme – ein Vorbeisurfen auf der Boss Homepage soll sich lohnen.



Zudem können zwei exklusive Styles der Show für Damen und Herren direkt online bestellt werden, limitiert auf jeweils 100 Stück. Und damit auch reger Zulauf auf der Homepage herrscht, wird die Aktion seit Wochen auf Twitter, Facebook, Google Plus und anderen Wegen promotet.
Drykorn macht aktuell ebenfalls mit einer digitalen Kampagne auf sich aufmerksam. Schon länger muss sich das Label immer wieder für seinen Slogan rechtfertigen. Dieser lautet "For beautiful people". Dass Drykorn aber nicht nur für Size Zero-Models, sondern auch für Ottonormalverbraucher gemacht ist, dass wollen sie jetzt mit einer neuen Digitalkampagne beweisen. Auf der Seite forbeautifulpeople.tv zeigen sie Filme ganz unterschiedlicher Menschen und deren Leidenschaften. Dabei ist immer wichtig, was diese Menschen als besonders schön empfinden. Das kann ein Hobby sein, die Familie oder auch der Beruf als Berufung. Die Menschen sind nicht perfekt, so der Ansatz von Drykorn, doch trotz Ecken und Kanten sind sie schön dadurch, dass sie eine Leidenschaft mit Herz verfolgen.



Auch Armani will seine Position im Markt stärken und neue Kunden auf sich aufmerksam machen. Am 5. Juni eröffnet in Rom ein neuer Armani-Store. Wahrscheinlich würden nur wenige Armani-Fans die Reise nach Rom auf sich nehmen, um bei dieser Eröffnung dabei zu sein. Doch Armani hat vorgesorgt.
Seit dem 30. Mai hat das italienische Luxus-Label eine Website online, auf der sich alles um den neuen Laden dreht. Ein Countdown zeigt die verbleibenden Stunden bis zum Startschuss an. Es gibt Interviews und Hintergrundwissen, bevor alles am Mittwoch per Livestream übertragen wird. Die Store-Eröffnung wird zum Event, das mit der ganzen Welt geteilt werden soll. Twitter, Facebook und Instagram sei Dank. Mangelnde Frequenz – im Internet ist dieses Problem noch nicht angekommen. Hier müssen sich die Firmen eher Sorgen machen, ob die Server groß genug sind, um alle User glücklich zu machen.