Das mit den Leinenbeuteln funktioniert nicht mehr. Nachdem die Jutetasche zuletzt stilsichere Gepäcklösung für urbane Trendsetter war, ist damit jetzt Schluss. Neu an den Start geht stattdessen ab sofort: der Turnbeutel. Zumindest spricht einiges dafür. Zum einen sind in jüngster Vergangenheit einfach zu viele gebrochen ironisch-distanzierte Hipster-Charakterisierungen mit dem Hinweis auf die omnipräsente Tragetasche erschienen. Und das selbst in dezidiert uncoolen Publikationen. Im gleichen Atemzug wurden gerne auch kreativszenige Gentrifizierungstreiber mit den oftmals individuell bedruckten Beuteln in Verbindung gebracht. Kurz: Der Leinenbeutel hat sich mit den falschen Leuten eingelassen.

Für Trendsetter ein klarer Trennungsgrund. Zum anderen gibt es praktischere Alternativen. Gerade jetzt zum Herbst. Unvorhersehbare Regenschauer durchnässen Baumwolltragetaschen im Nu. Der Todesstoß für Moleskine-Block und Lomo-Kamera, die man darin gut verstaut wähnte. Besser dran ist da, wer sein Hab und Gut in kompaktes Nylon hüllt. Hier perlt nicht nur leichter Niesel ab. Durch die zwei Kordeln lässt sich die Tasche auch ganz locker schultern. Das ist bequem und macht sich auch deutlich besser in der gestreckten Sitzposition auf dem liebevoll restaurierten Peugeot-Rennrad vom Flohmarkt.

Ein weiterer Grund pro Turnbeutel: Er passt perfekt zum Sneaker. Der aktuelle Aufsteiger-Schuh schlechthin, ob als Neon-Runner oder limitierte Retro-Version, leuchtet in den Metropolen derzeit stärker als die tiefstehende Herbstsonne. Mit dem Sport-Sack bekommt er einen idealen Partner, der die neue Lust auf Active-Looks befriedigt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass klassische Sportartikler wie Adidas und Nike das Feld anführen, wenn es um die Breite des Angebots der Trend-Tüten geht. Allerdings bedienen sie den Markt bisher eher mit basiclastigen Hat-es-schon-immer-gegeben-Produkten als mit neuen Highlight-Styles. Logo-Print auf Uni-Fonds sind die aktuelle Standard-Rezeptur. Dass hier deutlich mehr geht, beweist zum Beispiel ein Blick in den Dawanda-Shop des Labels Wamasa. Macher Roman Krug bietet hier selbstbedruckte Neon-Nylonbeutel an. Mal mit plakativen Wordings, mal mit dezentem Logo-Schriftzug.

Einen Hinweis darauf, dass hier ein Vorreiter in Sachen Fashion-Accessoires am Werk ist und kein Turnbeutel-Nostalgiker mit Hang zu frohen Farben zeigte sich erst kürzlich in Paris. Dort fand die Stoffmesse Première Vision statt. Eine Veranstaltung, die traditionell gelobt wird und bekannt ist für ihre aufwendigen und inspirierenden Trend-Installationen. Kenner konnte sie dieses Mal mit einem weiteren Detail überraschen: Die Messeunterlagen – Hallenplan, Ausstellerverzeichnis, Flyer und so weiter – die andernorts gerne in sperrigen Papptüten unters Volk gebracht werden, gab es dieses Mal in federleichtes Nylon des japanischen Anbieters Komatsu gehüllt. Mit flächig-wolkiger Bronze-Beschichtung und Schriftzug-Print in sattem Lila. Und vor allem: zusammengenäht in Form eines Turnbeutels.