Schuld sind die Handtücher. Dicke, flauschige Handtücher, in deren Ecken fein säuberlich und meist geschwungen die Namen eingestickt sind. Die Namen der frisch Geborenen, der Geburtstagskinder, der Konfirmanden, der Bräute und Bräutigame. Ein schönes Geschenk – von Oma und Opa. Mit Stickereien schwingt seit jeher dieser Staub mit. An ihnen haftet Biederkeit. Wie an Perlenketten, Brokat und Broschen. Nun wurde aber bieder cool, und damit peu à peu die Perlenketten, Bubi-Kragen, Cord, Samt-Pantoffeln, Broschen...

Und jetzt also Stick. Im neuen Umfeld und mit unkonventionellen Motiven zeigt sich Stick ganz modern. Und als potenzieller Nachfolger für Pailletten und Schmuck-Steine. Das haben die internationalen Designerschauen gezeigt. Den Startschuss gab wohl Miuccia Prada, die bereits in ihrer Frühjahr/Sommer-Kollektion 2013 mit Asia-Einflüssen spielte und zeitgemäße Stickereien in Kombination mit origamiartig applizierten Blüten zeigte: flach, fast geometrisch, abgeräumt. Sinnlich, aber urban.

Andere folgten. Nicht zuletzt, weil sie auch den Trend zur Handwerklichkeit erkannten. Dries van Noten lieferte zum Herbst/Winter 2013 eine weitere moderne Deko-Variante: ornamentale Stickereien, die gar nicht besonders groß und wie zufällig auf einem ansonsten cleanen Wollmantel oder strengen Hemdbluse sitzen.

Dekorativ, aber dezent und cool. Der neue Stick-Trend hat nichts mit den Slogans, Stickereien und Badges gemein, mit denen die Hersteller in der HAKA sportive Lifestyle-Welten entstehen lassen. Die modebewusste Frau ist ganz weit weg von Camp David. Sie trägt eine glänzende College-Jacke mit Drachen- oder Scorpion-Stickerei zum Pencil-Skirt. Einen Boyfriend-Blazer mit bestickten Ärmeln zur Destroyed-Jeans. Eine Folklore-Bluse zur Camouflage-Jacke. Der unkonventionelle Umgang befreit Stick von seinem Image aus der Handtuch-Story. Schnelle, preiswerte Anbieter wie Asos passen den Trend kommerziell an. Sie stellen Stickereien als Druck dar. Ein schönes Geschenk - von der coolen Teenie-Freundin.