Minus 2%, minus 11%, minus 8%, der TW-Testclub skizziert ein schlechtes Geschäft mit Masche in diesem Herbst/Winter. „Es ist zu warm für Strick“, klagte das Gros der Händler im September und Oktober. Die Bedarfskunden bleiben weg. In diesen Monaten, die eigentlich zu den Hauptverkaufsmonaten für Strick zählen, melden die Mitglieder im TW-Testclub, dem größten Panel im deutschen Textileinzelhandel, dicke Minuszahlen. Und auch Hachmeister+Partner ermittelt für das aufgelaufene Jahr bis November ein Umsatzminus von 4,8% gegenüber dem Vorjahr.

Dear Cashmere
Dear Cashmere


Alles Haarige und Dicke ist liegengeblieben. Grobstrickjacken, rustikale Norweger und Strickmäntel hängen wie Blei. Normale Pullis stapeln sich auf den Tischen. Mit Masche hat der Handel diese Saison kein Geld verdient. Umso unsicherer sind die Händler, wie sie in die nächste Orderrunde gehen sollen. Sicher werden sie ihre Limite zurückfahren.

Einige haben bereits konkrete Pläne ausgearbeitet: „Ich werde nur neue, leichte, modische, eher sportive und bezahlbare Einzelteile ordern und mehr Farbe als für diesen Herbst“, sagt Holger Enick von Fink Fashion in Fulda. „Weniger Grobstrick, mehr Farbe, neue Strukturen“, hat sich Senta Reith von Reflections in Ingolstadt vorgenommen. „Weniger Basics, weniger Cashmere und Merino, dafür mehr fließende Longshirts“, will Melanie Koch-Kullmann vom Modehaus Schneider in Fulda einkaufen. Und Christian Krekeler von Klingemann in Höxter sucht nach modischen, nicht zu dicken Pullovern. Mehr Mode ist ohnehin für viele ein Ausweg aus der Misere. „Ponchos und Capes könnten wichtig werden“, sagt beispielsweise Melitta Büchner-Schöpf, Modehaus Schöpf in Karlsruhe. Andere, wie Holger Enick, ergänzen mit Sofortware: „Pronto Moda bis 150 Euro haben wir in dieser Saison sehr gut verkauft. So können wir perfekt auf Markt, Wetter, Bedarf und Trends reagieren.“

Die Industrie reagiert derweil mit kleineren Programmen, mit spitzeren Themen und besonderen Basics. „Das Basic-Geschäft muss man neu gewichten. Draußen läuft Mode. Dafür geben die Frauen Geld aus“, sagt Margitte Schweden von Margittes. Viele Anbieter haben an der Wareneinsteuerung gedreht: mehr Übergangsware, leichtere Qualitäten und weniger Wolle zum frühen Liefertermin. „Ready-to-wear. Das bedeutet viel Feinstrick, fließende und dünne Materialien“, sagt Alexandra Lenz von Luisa Cerano. Dass das funktioniert, hat sich ja in diesem Winter gezeigt.