Eigentlich waren die weißen Porzellanteller mit dem leicht verblassten Goldrand für den Müll bestimmt. Dass sie jetzt in der Designausstellung „Talents“ auf der Ambiente einen Platz gefunden haben, haben sie der jungen estnischen Designerin Raili Keiv und dem aktuellen Trend „Upcycling“ zu verdanken. Sie hat um die alten Teller herum ein Betonbett gegossen. Dadurch entstehen neue Servierplatten und Tabletts.

Prof. Hansjerg Maier-Aichen
Prof. Hansjerg Maier-Aichen
„Gerade angesichts der enormen Massenproduktion wird das Thema Wiederverwertbarkeit und Recycling immer wichtiger“, sagt Prof. Hansjerg Maier-Aichen von der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Recycling war gestern, jetzt gehe es darum, aus Müll nützliche und neue Dinge zu schaffen – das lässt sich auch auf Mode und Ladeneinrichtung übertragen. Vor allem die jungen Talente beschäftigen sich immer mehr mit dieser Problematik, sagt Maier-Aichen anlässlich eines Design-Rundgangs auf der Ambiente. Auf der Konsumgütermesse stellten knapp 5000 Aussteller aus der ganzen Welt ihre neuen Kreationen aus. Upcycling ist dabei in den unterschiedlichsten Formen zu sehen. Der Möbelhersteller Kare etwa zeigt eine Kommode aus alten hölzernen Druckplatten. Die Platten wurden zuvor in Indien für das Bedrucken von Stoffen eingesetzt. Das niederländische Desingstudio Wonderable hat Nippes-Figuren auf eine große weiße Vase geklebt und so ein ganz neues Designerstück geschaffen.

Raili Keiv/ Kare/ Wonderable
Raili Keiv/ Kare/ Wonderable


Doch es geht nicht nur um das Weiterverwenden alter Materialien, sondern auch um die Neubelebung alter Designs. „Traditionelle Formen werden durch andere Materialien oder Farben in etwas Neues verwandelt“, sagt Maier-Aichen. Ein Beispiel dafür ist das Geschirr der taiwanesischen Firma Jia. Schalen: Schüsseln und Tassen aus Terracotta und Holz, Porzellan und Bambus wirken frisch und gleichzeitig traditionell. Dabei greifen die Designer auf alte Handwerkskunst zurück, so Maier-Aichen. „Junge Designer fahren in den Schwarzwald, nicht um Kuckucksuhren zu kaufen, sondern um die Handwerkskunst, die dahinter steht, für neue Designs zu nutzen.“