Während der Handel sich in einem wahren Farbrausch befindet, grummelt es bereits an anderer Stelle. In der Mode ist es schon immer so gewesen. Zu jedem Trend gibt es einen Gegentrend: Black ist back. Internationale Designer wie Prada, Gucci, Dior, Yves Saint Laurent und Valentino – alle haben ihre Schauen mit einem klaren Statement für Schwarz eröffnet. Es ist eine eindeutige Botschaft. Wird sie Wirkung haben?

Derek Lam, Foto: Veit
Derek Lam, Foto: Veit


Das hat sie bereits. Schaut man in die Moderedaktionen, schaut man sich die Branchenleute rund um die Messen an, die Models, die von Schau zu Schau eilen, sieht man Schwarz. Viel Schwarz. Auch Zara hat die Fenster kürzlich in Schwarz/Weiß umdekoriert.

Viele Trendbewusste haben das Thema Farbe schon satt. Zu schnell war es überall. Die Schaufenster und Flächen sind voll mit Buntstift-Farben, Pastellen und Neon. Jeden Tag flattern Newsletter ins Postfach: Volle Farbe voraus. Faszination Farbe. Bunt, bunt, bunt sind alle meine Kleider… Bis an den Kiosk um die Eck ist die rote Chino bereits vorgedrungen. Offenbar haben Handel und Medien diese Idee überreizt. Doch die Modebranche ist nicht Boulevard, voll von Fashionistas. Jeder weiß: Wenn der erste Hype vorbei ist, dann beginnt man erst richtig Geld zu verdienen. So wird es mit Farbe sein. Die Geschäfte laufen ja bestens. (Lesen Sie dazu auch das große Farb-Spezial in TW 14)

Das tun sie mitunter auch, weil im September 2010 Raf Simons seine Mädchen für Jil Sander in kräftigen Farben und Neontönen über den Laufsteg schickte. Hier fing sie an. Die Farbwelle, die ein Jahr später auch die Mitte des Marktes voll erfasst hat. Warum sollte das jetzt anders sein? Warum sollte das Signal einer starken Farbberuhigung den Markt nicht mit der gleichen Durchschlagskraft erreichen? Die ersten Streetlooks mit Schwarz/Weiß-Outfits sind geschossen, die ersten Schaufenster umdekoriert. Vielleicht wird es länger dauern. Vielleicht wird es nicht nur Schwarz sein. Oder Weiß. Aber Farbe wird an Bedeutung verlieren, auch wenn sich das für manche jetzt nach Schwarzmalerei anhört.