Genau 210m² in bester Lage in der Münchener Innenstadt für Wolle und Kurzwaren? Für Ludwig Beck hat sich diese Frage nie gestellt. Vielmehr baute das Traditionshaus im vergangenen Jahr seine Kurzwaren-Abteilung aus. Und liegt damit voll im Trend. Denn nachdem Handarbeiten lange Zeit tendenziell als uncool galt, erlebt es jetzt ein Revival.

Zwei Drittel der Frauen ab 14 Jahren zählen Handarbeiten laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Initiative Handarbeit aus diesem Frühjahr zu ihren Hobbys. Im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um acht Prozentpunkte. Am beliebtesten sind Nähen (43%) und Stricken (29%), gefolgt vom Häkeln (19%). Doch woher kommt die neue Lust am Do it Yourself? Mit dieser Frage hat sich Ines Imdahl, Geschäftsführerin des Trendforschungs-Instituts Rheingold Salon in Köln, intensiv beschäftigt.

Handarbeit galt lange Zeit fast schon als uncool. Heute steht es bei den Deutschen hoch im Kurs. Wie erklären Sie sich das?
Ines Imdahl: In einer Gesellschaft in der sich viele immer mehr als Getriebene fühlen, ist es schön, mal wieder Herr über die eigene Arbeit zu sein. Das kann beim Nähen, Stricken, aber auch beim Gärtnern oder Kochen sein. Im Prinzip geht es vor allem darum, einmal bei einer Sache bleiben und etwas zu Ende bringen zu können. Das gibt ein gutes Gefühl.

Handarbeiten als Entspannung?
Genau. Je gestresster wir sind, desto entlastender wirkt eine solche Tätigkeit. Allerdings kann sich der positive Effekt auch abnutzen.

Inwiefern?
Der Trend zum Selbermachen ist sehr stark. Dadurch, dass immer mehr Leute Schals stricken, Kinderkleider nähen oder Schultüten selbst basteln, steigt auch der Anspruch. Und der Zwang, mitzumachen. Wer heute sein Kind einschult, kann sich kaum mit einer gekauften Schultüte sehen lassen. Was am Anfang eine Entlastung wird, wird dann irgendwann zu einem Anspruch, dem man genügen muss.

Doch noch hält der Trend an?
In jedem Fall. Das sieht man auch daran, dass immer mehr Unternehmen ihn aufgreifen. Gerade in der Modebranche.

Wie wird das umgesetzt?
Beim Selbermachen geht es ja auch darum, etwas Eigenes zu haben, was sonst niemand hat. Durch die Individualisierung von Produkten wie sie etwa Sportschuhanbieter ihren Kunden durch die individuelle Zusammenstellung von Materialien und Farben ermöglichen, wird genau das erreicht.

Wird das Selbernähen der Branche weh tun?
Das wird der Modebranche nicht zu sehr weh tun, dazu sind wir viel zu gierig, immer etwas Neues zu bekommen.


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