Nach meiner Meinung zu Dandy-Schnürern für Frauen darf man mich eigentlich gar nicht erst fragen. Ich mag sie nicht. Sie muten mir schlicht und ergreifend zu maskulin an. Vielleicht macht es die Kombination aus völlig flach plus Schnürsenkel, die in mir diese Antipathie entstehen lässt. Denn mal abgesehen davon, dass mir auch Ballerinas nicht in den Schuhschrank kommen, kann die praktisch nicht vorhandene Absatzhöhe nicht das bloße Knock-out-Kriterium sein. Denn gegen flache Schuhe per se habe ich nichts.

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Selbst als vor einigen Jahren der Hype um die Red Wing Boots aufebbte und sich auch jede nur halbwegs trendy gestylte Frau zwischen Bread & Butter und GDS in den kernigen, ja, derben Stiefeln zeigte, fand ich das irgendwie ansprechend und deutlich attraktiver als diese Dandy-Variante, wie sie Oscar Wilde geliebt hätte. Eben. Und der war zwar, wie man weiß, homosexuell, aber ein Mann. Wieso sollte ich als Frau also gerne einen Schuh anziehen, der eigentlich an Männerfüße gehört? Weil gerade Boyfriend-Styling angesagt ist? Ganz ehrlich: Zur Chino mit schulterbetontem Blazer muss ich nicht noch männlich anmutendes Schuhwerk tragen, dazu gefällt mir der Plateaupumps um Lichtjahre besser. Und wenn ich morgens in meinem Schrank zu einem Kleid greife, dann entscheide ich mich in dem Moment ganz bewusst gegen die Hose. Weil mir nach Kleid, nach etwas explizit Weiblichem ist. Woher sollte bei dieser Auswahl dann plötzlich das Bedürfnis kommen, dem Ganzen schlussendlich doch noch einen maskulinen Twist zu geben?

Der Rest der Welt sieht das irgendwie anders. Denn beim Gros der modeaffinen Frauen hat sich der Dandy-Schnürer mittlerweile als echtes Basic etabliert. Mal schlicht in Velours. Mal in Budapester-Optik. Nun wird es aber wieder schicker. Das ist spätestens mit den Schauen klar geworden. Schluss mit der Boyfriend-Arie, die nichts mehr als Unisex-Uniformierung mit sich brachte. Lieber Seidenbluse, Seidenrock oder Seidenkleid. Feminine Fifties-Silhouetten und sexy Sixties-Röcke. Da versteht es sich von selbst, dass die Basics auf kurz oder lang leider in der Kommode bleiben müssen. Und der Dandy-Schnürer – als Footwear-Basic – im Schuhschrank. Sicher, er wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Zumindest aber dürfte seine Ära mit Einzug der neuen Galanterie bereits angezählt sein. Schade für ihn. Gut für mich.