Der Handel im Topgenre der Männermode geht in die Analyse. Die Suche nach neuen, aufregenden Namen und Themen hat begonnen. Die HAKA-Redaktion der TextilWirtschaft hat internationale Top-Händler aus der Beletage der Männermode befragt zu den Tendenzen für 2012. Welche Themen werden gesetzt, welche Farben dominieren und überraschen und welche Labels sind richtungsweisend?


Beppe Angiolini, Sugar, Arezzo
Beppe Angiolini, Sugar, Arezzo
„Die Menschen wollen Produkte, auf die Verlass ist und die von Dauer sind. Der Mann tendiert wieder stärker zur Klassik, aber zur zeitgemäßen, mit leichten Waschungen und dezenter Used-Optik. Schöne Stoffe und klare Formen geben den Ton an.
Bei den Farben erwarte ich keine Revolution, es wird um einfache, ausgefeilte Farben gehen: Naturtöne, Grau, Blau, Abstecher ins Militärische. Bei Strick- und Cashmere-Teilen können lebhaftere Kontrapunkte gesetzt werden, das werden dann aber nur kurze Ausflüge sein.”


Claudine Barnabé, Lespionne, Paris
Claudine Barnabé, Lespionne, Paris
„Ich setze auf edle Sportivität, Leder und Formalwear. Bei den Farben werden Schwarz, Grau, Taupe und Navy kommen, dazu ein paar kräftige Töne wie sattes Rot, Azurblau und Petrol. Die Top-Labels für Herbst 2012 sind bei uns Dolce&Gabbana, Givenchy, Dior und dazu Yves Saint Laurent, Carven und Alexander Wang als Newcomer, um das untere Preissegment zu stärken.”


Gebhardt Sagmeister, Sagmeister, Bregenz
Gebhardt Sagmeister, Sagmeister, Bregenz
„Wir erwarten eine deutliche Beruhigung bei funktioneller Sportswear, bei Nylon und Dauenjacken. Der Mantel im eleganten und angezogenen Stil hat große Chancen. Der Trend zu mehr Chic ist spürbar. Eventuell profitiert dann auch der zweireihige oder dreiteilige Anzug.
Dem Trend zu mehr Eleganz folgend, werden wir mehr warme, gedeckte Töne anbieten: Camel, Braun, Oliv und ein Dunkelblau, das schon fast in Richtung Pflaume geht. Auch dunkle, warme Rottöne können wir uns vorstellen.  
Favoriten im jungen Bereich sind Prada, D'Squared, Dolce&Gabbana. Wichtig sind nach wie vor: Burberry, Brunello Cucinelli, Etro, Zzegna, Tagliatore, und die Schuhe von Santoni.”


Olivier Axer, Série Noire, Lille
Olivier Axer, Série Noire, Lille
„Wir setzen auf den schrägen Dandy-Stil à la Thom Browne. Ein tolles Sakko, ein Vintage-Hemd, Jeans, alles etwas lässig, aber nicht trashy. Nach einem Meer von neutralen Tönen sehe ich dabei deutlich mehr Farbe. Rick Owens, Dior, Dries van Noten und Lavin werden von uns favorisiert. Aber auch das japanische Label Attachment und kleinere italienische Label, um unsere Einstiegspreislagen auszubauen.”

 
Tiberio Pellegrinelli, Adani, Modena
Tiberio Pellegrinelli, Adani, Modena
„Ich sehe eine intelligente Sportswear im Aufwind, die Freizeit und Urbanität verbindet. Hochgebirgsmode in der Stadt wird zur Regel, der Einsatz innovativer Materialien wird vom Kunden gewürdigt und im Sinne maximaler Behaglichkeit in allen Lebenssituationen nachgefragt.
Ich setze dabei auf Rost- und Cognactöne genauso wie auf mildes, von Azurblau durchsetztes Grau. Ausgefeilte Kontrastfarben, etwa in Absinth-Gelb, werden als Auflockerung zum Einsatz kommen, aber ohne Übertreibungen.
Bei den Konfektionären setzen wir auf Lardini, bei der Outerwear auf Herno. Die mehrschichtigen Looks von Up To Be treffen den Nerv der Zeit, ebenso wie die farbigen Montgomerys von Italian Closed.” 


Wolfgang König, Loden-Frey, München
Wolfgang König, Loden-Frey, München
„Der Look wird angezogener. Die Mode wird situations- und anlassbezogener. Man erkennt wieder, ob ein Mann aus dem Büro kommt oder von einer Expedition. Alles Übertriebene wird weggelassen. Spannung wird durch Liebe zum Detail und zur Verarbeitung erzeugt. 
Bei den Farben setze ich auf Blau-Nuancen bis hin zu Petrol. Beerentöne, gebrannte Orangetöne bis Maisgelb und Grün, von Olive bis Salbei. 
Bei den Labels stehen Ermenegildo Zegna, Brioni, Etro, Caruso und Tom Ford für einen klaren Trend zum Angezogenen. Bei der Sportswear sind Moncler, Burberry, Loro Piana und Brunello Cucinelli richtungsweisend.”