Über 1000 Kollektionen, darunter jede Menge neue Labels sowie etablierte Namen und Big Brands. Hunderte Einkäufer auf der Suche nach den stärksten Produkten, Looks und Trends. Pitti Uomo bildet nicht nur den Kick-Off in die Orderrunde, sondern ist auch Gradmesser für Stimmungen und Tendenzen in der Männermode.

Die 93. Ausgabe der Messe (9. bis 12. Januar) hat klare Signale gesetzt. Vor allem vier  Tendenzen waren auf den Ständen der Aussteller offensichtlich - und wurden von den Einkäufern unter die Lupe genommen.

Cord

Closed
Es lebe die Ware. Nach Saison voller Gespräche über Stretch-Denims unterschiedlichster Ausprägung ist ein guter Bekannter zurück. Cord ist das Highlight-Material der Stunde. Player der Premium-Formalwear wie Lardini und ZZegna setzen ihn genauso ein wie Casual-Brands von Closed bis Lyle&Scott.

„Wir forcieren das Thema ganz klar zum Herbst und haben auch schon gutes Feedback bekommen”, sagt Closed-Macher Gordon Giers. Fast jeder, der in Florenz auf den Messestand der Hamburger kommt, greift in die breit gerippte Ware. Die Hamburger sehen vor allem bei Hosen Potenzial, haben aber auch Overshirts daraus gefertigt.
Lyle&Scott
Lyle&Scott wiederum setzt auf weiße Dad's Caps und Trucker-Jackets in Rosa. Wichtig ist: Cord darf nicht zu gediegen und altbacken wirken. Wichtige Faktoren sind dabei Farbwahl, Haptik und Silhouette. Weitere Hosen gelten als progressiver. Softes Handfeel ist gesetzt. Farblich geht es nicht um die Klassiker wie Maisgelb, Tomatenrot und Tannengrün, sondern um ein Spannungfeld aus hochmodischem wie ausgewaschenem Rosa, Offwhite, Camel und Dunkelbraun sowie Schwarz, Anthra und Dunkelblau und Military-Green.

Karos und Co.

Brunello Cucinelli
Retro-Muster kommen mit Macht. Große Karos sowie kleine Pepitas und auch Pinstripes bringen eine neue Wertigkeit in die Menswear, bilden einen starken Kontrast zu Omnipräsenz von Techno-, Sports- und Streetwear-Einflüssen. „Wir müssen diese Themen mutig zeigen, um die Kunden immer wieder aufs Neue zu überraschen”, sagt Wolfgang König von Reischmann. „Potenzial sehe ich vor allem bei Einzelteilen wie soften Sakkos, entspannten Hosen und etwas längeren Mänteln, weniger im karierten Anzug.”
Grenfell
Insbesondere die Luxus-Liga ist durchwoben von diesen neuen, alten Mustern. Die Kollektion von Brunello Cucinelli genauso wie von Grenfell. Der Hosenspezialist Myth's stellt Oldschool-Styles genauso in den Vordergrund wie die Fabric-Freaks von The Gigi, die volumige Hosen und unkonstruierte Sakkos neu darstellen. Das progressive Label Drykorn hat dem Blackwatch-Karo eine ganze Reihe an Jackets und Mänteln auf der Messe gewidmet. „Darauf haben wir spontan oft sehr gutes Feedback bekommen”, sagt Menswear-Macher Fred Götz.

Weitere Schnitte

Vincenzo Grillo
Die Zeiten von Skinny sind passé. Also nicht zu 100 Prozent, wenn es ums Kommerzielle geht. Aber der Schritt hin zu einer neuen Silhouette wurde in Florenz entscheidend gezeigt. Und die Resonanz ist tendenziell positiv. Und oft abhängig von den Produktgruppen, insbesondere Hosen in neuen Formen gelten als vielversprechend. „Die Innovation kommt vor allem über die Silhouette”, sagt Lars Braun von Braun in Hamburg. „Smarte, etwas weitere Typen, die einen sehr modernen Look erzeugen, haben Potenzial - tapered, mit etwas mehr Weite, da ist richtig viel möglich.”
Brooks Brothers
Auch Brooks Brothers - die Marke feierte mit einer Fashion Show den 200. Firmengeburtstag - ließ junge Typen in lockeren, wenn auch nicht weiten Hosen defilieren. Nicht zuletzt die Messebesucher, auch immer ein wenig Hinweisgeber darauf, was später in abgeschwächter Form für die Masse relevant wird, haben dem Oversized-Trend beim Posieren vor dem Hauptgebäude Tribut gezollt.

Farbe in der Outerwear

ZZegna
Allen Retro- und Tuch-Trends zum Trotz bleibt Sport ein Mega-Trend. Funktionales hat vor allem in der Outewear ihren Platz. ZZegna zeigte in einer äußerst aufwendigen Installation, wie weit man das Thema drehen kann. Mit übergroßen Daunenparkas, gesteppten Hosen und Integral-Daunenmützen. Nicht nur die Silhouette war ein Statement, auch der starke Farbeinsatz. Waldgrün und Violet auf der einen Seite, Knallgelb auf der anderen. Vor allem in Streetwear-Kollektionen ist zudem Weiß stark vertreten. Und das nicht nur bei Socken und Sweatshirts, sondern auch bei Windbreakern und Parkas.
Aence
Pitti Uomo hatte dem Segment aus Sport und Fashion in Partnerschaft mit dem Weber Reda unter dem Namen Athlovers erstmals einen eigenen Bereich gewidmet und junge Labels hier vereint. Im Eingangbereich wehten leuchtende Techno-Stoffe. Rundherum präsentierten sich die Kollektionen.

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Auf der 92. Ausgabe der Pitti Uomo / Foto: Officine Fotografiche
93. Ausgabe der Männermode-Messe

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