Es könnte ja nun mal langsam Schluss sein mit Crossdressing. Zumindest  das Wort ist endlos ausgelutscht – ebenso wie die Parole „Der Bruch macht’s“.  Doch mitnichten ist Schluss. Im Gegenteil: Wer dieser Tage einen ersten Blick auf die neuen Kollektionen für kommenden Herbst wirft, sieht so viel Bruch wie nie zuvor. Fast erscheinen die bisherigen Saisons bloß als Driving Range, als Übungsplatz für Crossdressing auf hohem Niveau. Am Anfang hat man das Sportive und das Feminine gemixt. Dann, deutlich radikaler, Athleisure mit Dekoration und Glamour. Jetzt kommt überdies, also bei modischen Vertikalen momentan und in Orderkollektionen bald,  ein weiteres Element hinzu: das Maskuline, das Klassische und Angezogene.

Dieser neuere Einfluss würde in Reinkultur allerdings für Mainstream-Kundinnen als neu kaum zu erkennen sein, weshalb allenfalls in sehr mutigen, sehr progressiven Kollektionen mal ein Glencheck-Anzug komplett mit ordentlicher Bluse oder stillem Rolli zu sehen ist. Auf breiter Linie hingegen wird das gute alte Karo immer verfremdet: sei es durch einen Lurex-Galonstreifen, Spitze am Saum oder prachtvoller Mohnblüten-Applikation. Die Black Denim-Jacke mit Volant-Ärmel, der schimmernde Plissee-Rock zur Bikerjacke, die übrigens schon wieder ein Revival erlebt, das Boho-Blütenkleid unterm karierten Uniform-Mantel, der aber einen pinkfarbenen Plüschkragen trägt – noch schräger, noch mutiger, noch extremer sind die Gegensätze, die dieserart zueinander finden. 

Schwer vorstellbar, dass überhaupt mehr möglich ist. Vielleicht ist dieses überbordende Crossdressing der Anfang vom Ende? Vielmehr Initialzündung für das allgemeine Bedürfnis nach Ruhe?

Eine ausführliche Analyse der Previews zum kommenden Herbst 2018 lesen Sie in der Ausgabe 50 der TextilWirtschaft ab Mittwoch, 13. Dezember, 18 Uhr, auf dem Smartphone oder Tablet für Android sowie iOS und ab Donnerstag, 14. Dezember, in der gedruckten Ausgabe.

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