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Russland: Die Talsohle ist durchschritten
"Der russische Markt erholt sich wieder", resümiert Reinhard E. Döpfer vom Exportförderungsinstitut ITMM, Stuttgart. Viele der prophezeiten Schreckensszenarien seien ausgeblieben. So sei der Rubel nicht so stark abgewertet worden wie befürchtet, die extreme Arbeitslosenzahlen und starke Konsumzurückhaltung blieben aus. Auch die Inflation sei nicht so stark gewesen, und die Immobilienpreise fielen nicht ins Bodenlose. Döpfer, der noch vor einem halben Jahr prognostiziert hatte, 30% der Händler würden pleite gehen, sieht dies heute nicht bestätigt. "Rund 10% sind insolvent, weitere 10% gefährdeter Händler wurden aufgerüttelt und konnten sich retten." Keinen Gefallen getan hätten sich viele Luxus-Händler mit enormen Rabattschlachten. "Erstmals waren russische Verbraucher mit Preisnachlässen für Premium- und Luxus-Marken von bis zu 80% konfrontiert. Das kam nicht gut an, denn sie fühlten sich vom Händler betrogen. Und so manches Marken-Image ist nun angekratzt", so Döpfer. Das ITMM hat in einer Blitzumfrage 40 führende Modeanbieter zu ihren russischen Kunden und dem Russland-Geschäft befragt. Demnach haben 84% der Kunden ihre Aufträge korrekt bezahlt. Die Stornoquote lag bei 6,6%. Von September bis November verzeichnete die Hälfte der Händler weiter sinkende Umsätze. Bei rund jedem fünften stiegen sie jedoch wieder. Im Weihnachtsgeschäft verzeichneten 41% ein Pari, 27% ein Umsatzplus. Für die Orderrunden für Herbst/Winter 2010/11 erwarten nur noch 14% der befragten deutschen Modeanbieter Rückgänge. Die Hälfte rechnet mit einem Pari, mehr als jeder Dritte erwartet ein Orderplus bei den russischen Kunden. Das European Fashion and Textile Export Council (EFTEC) legte zudem die Exportzahlen von Bekleidung der EU nach Russland für Januar bis September 2009 vor. So lieferten die 27 Staaten Ware im Wert von rund 1,76 Mrd. Euro aus, ein massiver Rückgang um 28% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Jahr rechnet Döpfer mit einem Minus von 30%. Deutsche Anbieter exportierten in den neun Monaten Ware im Wert von rund 445 Mill. Euro, ein Minus von 25%. Dabei erzielte die HAKA ein Volumen von 139 Mill. Euro (minus 31%), die DOB 265 Mill. Euro (minus 22%) und die Wäsche 36 Mill. Euro (minus 20%). Die schlechten Exportzahlen werden durch ein großes Problem am Zoll noch gefördert, wie Döpfer weiter berichtet. Durch Schließung von Zollbehörden liegt Ware zum Teil bis zu zwei Monate fest, für Mode eine Katastrophe, so der Russland-Experte. "Neue Zollstellen und 3000 zusätzliche Zollmitarbeiter werden dringend benötigt. Doch die Regierung unternimmt nichts, sieht sie durch diese Situation doch Vorteile für die einheimische Industrie." Die Blitzumfrage hierzu ergab, dass fast ein Drittel der russischen Kunden zollbedingte Lieferverzögerungen von fünf bis über acht Wochen hinnehmen mussten.
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