TextilWirtschaft 17 vom 25.04.2002 Seite 052
Business Handel
"Magnet für die Fashion-Szene"
Fünf Meter geht es mit der Rolltreppe in die Tiefe. Die Raumhöhe im Untergeschoss überrascht. "Dabei haben wir hier nichts geändert", sagt Ilona Prosenäk, als Geschäftsführerin bei Breuninger auch für das Subway zuständig. Wo einst ein Foto-Laden und ein Heimwerker-Geschäft Flächen mieteten und die Spielwaren-Abteilung war, hat Breuninger nun in zweimonatiger Bauzeit Platz für junge Mode geschaffen (Architekt: Virgile and Stone, London, Bauleitung: Kohler Mizgar Kohler, Stuttgart, Projektleitung: Kommer Projektmanagement, Mosbach, Beleuchtung: Licht und Raum, Tutzingen).
Sachliches Interieur mit knalligen Farben. Die Ausstattung ist nüchtern und gerade deshalb wirkungsvoll. Zement bildet den Fußbodenbelag. Neben Grau wird vor allem Orange, Rot und die klassische Subway-Hausfarbe Gelb eingesetzt. Von der Decke hängen rechteckige, milchige Plexiglassäulen bis über die Kleiderständer. Die Rolltreppe zur Breuninger-Information im Erdgeschoss schimmert nur leicht hinter einer Plexiglas-Wand in dunklem Orange. Eine große Leinwand ist über einer Bühne aus dunklem Holz befestigt. Rings um den fünf Meter hohen Mittelraum, an den sich Nischen mit 2,40m Deckenhöhe anschließen, sind Stoff-Transparente gespannt. Abstrakte Profile in gelben und grauen Farbtönen sind darauf zu sehen und Hinweise auf die Eröffnung. Gelb erleuchtete Schilder mit Piktogrammen von Männern und Frauen, die sich umziehen, markieren die beiden Kabinentrakte. Stützpfeiler, ebenfalls aus Zement, werden von Plastik-Gürteln in orange umspannt, die als Wegweiser dienen. Sie zeigen beispielsweise, wo die "Chillout-Ecke" zu finden ist. In der dämmerigen Ruhezone hinter der Kasse können die Kunden im Sofa entspannen. Eine eigene Lichtquelle gibt es nicht, "das wollen die jungen Leute nicht", so Achim Rövenich, seit sechs Wochen erster Geschäftsführer in Stuttgart und gemeinsam mit Ilona Prosenäk und Thomas Seybold für das Stammhaus verantwortlich.
Sortiment erweitert und vertieft. Die "jungen Leute" sollen das Subway zum "Magneten für die Fashion-Szene in Stuttgart machen". Warenangebot, Kommunikation und Werbung hat Breuninger auf diese Zielgruppe abgestimmt. Das Sortiment wurde um Retro-Artikel beispielsweise von Puma und Adidas ergänzt, zum Herbst folgt Sergio Tacchini. Bei den Schuhen wird zudem noch K-Swiss, Dunlop und auch Buffalo angeboten. Neu sind Sonnenbrillen, z. B. von Blue Bay. Ansonsten hat Breuninger das Sortiment vor allem vertieft. "Jetzt können wir die Marken besser präsentieren", so Ilona Prosenäk. "Mit den Namen auf den Ständern und an den Wänden kann jeder Kunde leicht das Gewünschte finden." Junge Frauen beispielsweise Marken wie Miss Sixty, Indian Rose, Vero Moda, Tessuto und Kookaï. Zum Jeans-Angebot zählen unter anderem Diesel, Pepe Jeans, Replay, G-Star, Jack&Jones, Blend of America und SBY. Den Übergang zu Marken, die in Shops präsentiert werden, darunter Levi's, S. Oliver und Tom Tailor, bilden unter anderem Only, EDC und DKNY. Weitere Shops gibt es von Tommy Hilfiger und Polo Jeans. An die Abteilung knüpfen auf der ehemaligen Subway-Fläche (2000 m²) im sogenannten Mittelbau, etwa ein Halbgeschoss höher und verbunden über Rolltreppen, unter anderem Shops von More & More, Esprit und Street One an (ca. 600 m²). Das soll die jungen Mütter ansprechen, die ab Mitte Mai auch für ihre Kinder in diesem Geschoss einkaufen können: Die KOB wird vom dritten Obergeschoss auf etwa 1000 m² ins Basement verlegt. Die restlichen 400 m² sind für Spielwaren bestimmt.
Treffpunkt für Kunden von morgen. Als Antwort auf den Bau-Boom in Stuttgart will Breuninger sein Engagement nicht verstanden wissen. Erst vor wenigen Wochen hatten Sport-Scheck und Peek & Cloppenburg eröffnet. Untermieter sind Mango (650 m²) und Zara mit 1400 m² - bereits mit zweitem Standort auf der Königstraße. Hinzu kommen ein Shop von Esprit (700 m²), die ebenfalls schon einige Meter weiter einen eigenen Store betreiben, und ein Shop der P&C-Eigenmarke Review. "Wir sind selbst erstaunt, aber wir haben durch P&C keine Umsatzeinbußen hinnehmen müssen", sagt Ilona Prosenäk. Und natürlich habe Breuninger "wie bei Investitionen üblich" die Marktdaten gesichtet. Ilona Prosenäk: "Mit unserer jungen Welt setzen wir auf die Käuferschichten von morgen." Sie sollen sich nicht nur im Subway einkleiden, sondern sich dort auch treffen, weil es angesagt ist. Mit Events und wechselnden Trendprodukten, wie dem russischen Kult-Fotoapparat Lomo, will das Unternehmen im Gespräch bleiben. Auf der Bühne sollen Bands spielen, DJs werden Platten auflegen. Exklusiv in Baden-Württemberg hat man als Mieter den CD-Laden 25 Records gewinnen können: auf 12m² werden jeweils 25 CDs "abseits von Charts und Mainstream" präsentiert. In Eigenregie betreibt Breuninger eine Kosmetik-Ecke mit B-Box-Produkten der niederländischen Kosmetiklinie von Bijenkorf neben einer Wand mit Mode-Schmuck. Eine Bar gibt es im Untergeschoss noch nicht.
"Das Subway hier in Stuttgart hat Weltstadt-Format", findet der erste Geschäftsführer Achim Rövenich. Entsprechend spektakulär sollte die Eröffnung sein. Gemeinsam mit Esprit wurde ein "Vertical Catwalk" organisiert, der gleich mehrfach an diesem Tag gezeigt wurde: Models "liefen", durch ein Seil gesichert, etwa 20 Meter an der Breuninger-Fassade herab. Die Musik dröhnte über den Marktplatz. Das rief Passanten und auch zwei Polizisten auf den Plan. Trotz behördlicher Genehmigung mussten die folgenden sechs Catwalks ohne Musik auskommen. Verständnisvoller war das Publikum am Samstag, da durfte die Musik aufgedreht werden. Bis Ende April reicht das Programm zur Eröffnung. Dabei kooperiert Breuninger mit verschiedenen Herstellern. Mit S.Oliver kann man an einer Sauerstoff-Bar tief Luft holen, mit Vero Moda bei "Happy Face Styling" ein Outfit gewinnen. Während einer Frisurenschau wird kostenlos geschminkt und frisiert. Ebenfalls um Styling geht es bei der Levi's-fit-Promo. Auch hier winkt ein Hauptgewinn. An zwei Tagen gibt es Live-Musik mit Djamis und Band sowie den Natural Born Hippies. Für das größte Aufsehen sorgte sicherlich die Aktion mit dem lokalen Rundfunksender bigFM: "Subway - das Ende für alte Klamotten." Ein Promotion-Team, verkleidet als Fashion-Polizei, führte im Laufe von drei Tagen 30 Passanten von der Straße in Plüsch-Handschellen ab. Im Subway erhielten sie ein neues Outfit (Wert: 250 Euro) - wenn sie denn bereit waren, sich von den "alten" Sachen zu trennen. Und die wurden dann aufgeknüpft. Vielleicht etwas provokant, aber dem Publikum gefiel es. Immerhin hat Breuninger nichts dem Zufall überlassen und die Aktion zuvor jungen Testpersonen zur Beurteilung vorgestellt.
Angela Kreutz
Subway bei Breuninger
Nach dem Stuttgarter Vorbild werden in den Breuningerländern zwei weitere, allerdings eigenständige Subway-Stores eingerichtet. Die Eröffnungen in Ludwigsburg und Sindelfingen auf jeweils 1300 m² Verkaufsfläche sind für den Herbst geplant. Uwe Hildebrand, Breuninger-Bereichsleiter Verkauf, schließt nicht aus, dass weitere Subways nach dem neuen Konzept gestaltet werden: "Denkbar ist das, wenn wir generell Umbaupläne für eines unserer Häuser haben." Subway-Flächen gibt es heute in Freiburg, Karlsruhe, Pforzheim, Erfurt, Reutligen und Ettlingen. Der erste Subway hat 1987 in Stuttgart eröffnet.
Insgesamt ist die Breuninger-Gruppe an 13 Standorten vertreten. Im Geschäftsjahr 2001 ging der Umsatz aufgrund der Umbauten in einigen Breuningerländern um 1,2 % auf 470,3 Mill. Euro zurück. Nach dem jetzt abgeschlossenen Umbau der Abteilung junge Mode im Stammhaus steht eine Erweiterung der Sport-Abteilung an, weil im dritten Obergeschoss mit dem Umzug der Kindermode 1000 m² frei wurden.
Bildunterschriften
Nach dem Umbau präsentiert sich das Untergeschoss bei Breuninger in Stuttgart jetzt großzügiger und freundlicher. Fotos: Maks Richter. Geschäftsführerin Ilona Prosenäk: "Jetzt können wir die Marken viel besser präsentieren." Geschäftsführer Achim Rövenich: Das Subway hier in Stuttgart hat Weltstadt-Format." Auch das Schuhsortiment wurde vertieft, beispielsweise mit Schuhen von K-Swiss, Dunlop und Buffalo. Mit Retro-Artikeln wurde das Angebot erweitert. Knallige Farben peppen das sachliche Interieur auf. Gelb erleuchtete Schilder markieren die Kabinentrakte.
Autor
- Kreutz, Angela
Land
- Bundesrepublik Deutschland
Unternehmen/Institution
- Breuninger GmbH & Co
- Breuninger GmbH & Co
Schlagworte
- Einzelhandel-Sortimentspolitik
- Immobilie-Umbau
Illustration
- mehrere Fotos
