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TextilWirtschaft 28 vom 08.07.2004 Seite 216

Leute

"The King of Fashion" wird 70

Giorgio Armani ist in der Mode eine Jahrhundert-Figur


Als Giorgio Armani vor 20 Jahren 50 wurde, da saßen wir im kleinen schwarzen Theater im Keller des Palastes an der Via Borgonuovo und wedelten mit Glühkerzen. Alles war sehr familiär und herzlich. Jetzt, einige Tage vor seinem 70. Geburtstag am 11. Juli, saßen wir während der Mailänder Männermodeschauen in jenem architektonischen Prachtbau an der Via Bergognone, den Tadao Ando vor drei Jahren gebaut hat. Ein Riesenhaus in poliertem Beton, total minimalistisch, sehr kühl. Der Ort der Schau ist so gigantisch, dass Armani nur noch per Video überlebensgroß auf der Leinwand erscheinen kann. Der große Meister entrückt uns.

Als einer der größten Modemacher des 20. Jahrhunderts hat Giorgio Armani das Ästhetik-Phänomen Mode, das sui generis auf Dekoration und verschwenderischen Umgang mit dem Material angelegt ist, mit Purismus und Askese versöhnt und so auf Dauerhaftigkeit angelegt. Wie kein anderer hat er damit den stärksten Ausdruck im Zeitgeist seiner Epoche gefunden.

Der am 11. Juli 1934 in Piacenza in der Nähe von Mailand in gutbürgerlichen Verhältnissen geborene und aufgewachsene Armani soll eigentlich Arzt werden, beginnt mit 19 Jahren ein Medizinstudium, bricht es aber nach zwei Jahren ab, beginnt im Warenhaus La Rinascente in Mailand und macht dort eine Karriere als Einkäufer für Herrenmode. 1965 verpflichtet ihn Nino Cerruti. Armani entwirft Luxusmode für die Masse und macht den Beruf des Stilisten populär. 1970 wagt er mit einem kleinen Atelier den ersten Schritt in die Selbständigkeit. 1975 gründet er mit seinem Lebenspartner Sergio Galeotti ein Unternehmen. 1985 stirbt Galeotti, und Armani wird Alleinherrscher eines Unternehmens, das im Jahre 2003 einen Umsatz von 1,25 Mrd. Euro bei einem Nettogewinn von 134 Mill. Euro erreicht. Mit der Mode macht das Unternehmen heute rund die Hälfte seiner Umsätze, rund 25% mit Parfum und Kosmetik, rund 25% mit Accessoires.

Im Atelier Armani arbeiten inzwischen zahlreiche Designer aus der ganzen Welt. Armani aber ist der Hüter eines unvergleichlichen Stils. Er ist zuständig für das Corporate Design. Er gilt als detailbesessen und als Asket. Er wirkt persönlich sehr bescheiden, trägt so gut wie nie einen Anzug, sondern immer dunkelblaue Hosen und dunkelblaue Polos. Im Jahr 2000, zu seinem 25-jährigen Firmenjubiläum, ehrte ihn das New Yorker Guggenheim-Museum mit einer Retrospektive als "King of Fashion", in Deutschland wurde diese Ausstellung 2003 in der Berliner Nationalgalerie gezeigt, zur Zeit läuft sie in Rom. In einem Interview mit der Mailänder Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore hat Armani in diesem Jahr zum ersten Mal öffentlich verkündet, dass er spätestens 2008 von der Kommandobrücke seines Unternehmens abtreten wolle, derzeit sei er auf der Suche nach einem Minderheitspartner.

In einem Interview mit dem Spiegel 2002 sagte er: "Das Geheimnis meines Erfolgs sehe ich darin, dass ich über all die Jahre Produkte schuf, die logisch waren, erfindungsreich, aber auch an den Bedürfnissen der Leute orientiert, für alle sozialen Schichten offen." An gleicher Stelle sagt er auch: "Ich habe immer versucht zu berücksichtigen, dass mein Werk keine Mission ist, keine Gottesgabe, sondern dass es vom Bedarf der Menschen lebt. Die Leute suchen Qualität, Qualität steht für Sicherheit, für Wahrheit. Gerade in unruhigen Zeiten." pp

Bildunterschriften

Die Modernität in Person: Giorgio Armani - hier auf einem offiziellen Empfang in Mailand - feiert am 11. Juli seinen 70. Geburtstag.

Autor

  • Polte, Peter Paul

Unternehmen/Institution

  • Giorgio Armani SpA
  • Giorgio Armani SpA

Person

  • Armani, Giorgio

Illustration

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