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TextilWirtschaft 19 vom 12.05.2005 Seite 030

Business Handel

Generation Hangout

TW-Serie Speciality Stores (Teil 4): Neue Filialkonzepte in den USA für Teenager


Im jungen, modischen Segment wird der Wettbewerb künftig immer härter", sagt Einzelhandelsberater Walter Loeb von Loeb Associates, New York. "Die Zahl der Konsumenten zwischen 15 und 25 geht kontinuierlich zurück, gleichzeitig werben immer mehr Unternehmen um die Gunst der modisch interessierten Teenager, die ihr Geld nicht nur für Mode sondern verstärkt auch für modische Elektronikgeräte, Sportartikel und Beauty-Produkte ausgeben." Die erfolgreichen Zukunftskonzepte sind laut Loeb modisch schnell und flexibel, extrem gut sortiert - und dennoch preiswert.

Forever 21: Jung und schnell. Einer der in den USA zur Zeit am meisten beachteten Young Fashion-Filialisten ist das bereits seit 1984 existierende, vertikal strukturierte Unternehmen Forever 21 aus Los Angeles, das derzeit kräftig expandiert und 2004 unter "XXI" ein zweites, großflächigeres Konzept lanciert hat. Die Mode bei Forever 21, dessen gleichnamige Läden im Schnitt rund 900m² groß sind, ist extrem aktuell und extrem preiswert. Bestickte T-Shirts sind schon für unter 10 Dollar zu haben, bedruckte Tellerröcke mit Perlen- und Pailletten-Dekor kosten um 39 Dollar, Jeans und leichte Sommerhosen sind für 29 bis 69 Dollar zu haben. Eine große Auswahl an modischen Accessoires und Wäsche ergänzt das Sortiment. Besonders gut kommt bei den jungen Kundinnen der derzeit sehr kalifornisch anmutende Look der Produkte an - kaum ein schwarzes Teil ist im Sortiment zu sehen, alles ist bunt, fröhlich und erinnert an den letzten Sommerurlaub.

Schon morgens um halb zehn stehen lange Schlangen an den Kassen. Auch die amerikanische Presse hat das Phänomen Forever 21 gewürdigt und das Unternehmen in den letzten Jahren mehrfach als eine der "drei besten Shopping-Brands für Teenager" ausgezeichnet.

Seinen Ursprung hat Forever 21 in einem 1984 in Los Angeles eröffneten Laden namens Fashion 21. Mit seinem innovativen Konzept konnte der aus Südkorea stammende Gründer Don Chang schnell expandieren und seit 1989 sind die Forever 21-Stores in erster Linie in Shoppingcentern ansässig. Aber auch in New York City ist Forever 21 bereits angekommen und führt in Manhattan zwei Filialen.

Mittlerweile führt Forever 21 mehr als 170 Stores in 25 US-Staaten und in Kanada. Jährlich werden rund 30 neue Läden eröffnet. Unter dem neuen Label XXI wurden in Städen wie Miami, Los Angeles und Chicago Flagship-Stores mit einer Fläche von je über 2400m² eröffnet, wo es neben Young Fashion auch Mode für eine etwas ältere Zielgruppe sowie Mode für Jungen und junge Männer gibt.

Wachstumsgrenzen für sein schnell wachsendes vertikales Konzept sieht Chang bisher nicht. "Ich will noch viele Jahre lang jährlich 30 bis 50 neue Läden eröffnen. Ich will neue Produktlinien entwickeln; und ich will mit neuen Konzepten experimentieren", erklärt der Selfmade-Man, der den ersten Laden von seinen privaten Ersparnissen gekauft hatte. Seiner Meinung nach ist Forever 21 erst dann richtig erfolgreich, wenn es "mindestens soviele Läden hat wie Gap" (derzeit rund 4000 Standorte).

Torrid: Jung und übergewichtig. Speziell an übergewichtige Teenager und junge Frauen zwischen 15 und 29 richtet sich der im April 2001 gegründete, hippe Mode-Filialist Torrid (soviel wie brennend heiß oder glühend), ein Ableger des sehr punkig anmutenden Filialisten Hot Topic aus City of Industry/Kalifornien. "Wir wollen übergewichtigen jungen Frauen helfen, sich schön und feminin zu fühlen", erklärt eine Sprecherin des Unternehmens, das seine Läden ausschließlich in Shoppingmalls betreibt.

Neben Bekleidung in den Größen 40 bis 54 gibt es in den rund 500m² großen Torrid-Stores auch Wäsche, Schuhe und Accessoires, wobei 50% des Angebots Eigenmarken und die andere Hälfte Modemarken wie Paris Blues, Dickies, LEI, Tripp und Hot Kiss sind. "Junge Frauen mit Größe 40 bis 54 können sich bei Torrid hochmodische, aufeinander abgestimmte Outfits zusammenstellen, wie es sie bisher meist nur in kleineren Größen gab", so die Sprecherin.

Das Konzept scheint gut anzukommen. Zwischen 2001 und 2005 ist die Zahl der Torrid-Stores in den USA auf über 76 gestiegen, wobei allein in diesem Jahr 45 weitere Läden eröffnet werden sollen. Einen Mangel an potenziellen Kundinnen braucht das Unternehmen nicht zu fürchten: 16% der amerikanischen Kids zwischen 12 und 19 sind nach Angaben der Foundation of Child Development, New York, übergewichtig. Der Anteil so genannter "Plus size Kidswear" in den USA ist nach Angaben der New Yorker NPD Group auf rund 12% des 3 Mrd. Dollar schweren US-Kindermodemarktes gestiegen.

Bei Torrid berichtet man von überwältigenden Reaktionen - so vergießen viele Mädchen in den Läden angeblich Freudentränen, weil sie endlich etwas schönes, passendes gefunden haben. Und für Kundinnen, die die Läden aus Scham meiden wollen, gebe es das Versandgeschäft unter www.torrid.com.

Gegründet wurde Torrid nachdem die Hot Topic-Stores Ende der 90er Jahre eine deutlich steigende Nachfrage nach Mode in Großen Größen verzeichnet hatten. Das Sortiment von Torrid unterscheidet sich deutlich von dem Punk/Grunge-Look, der bei Hot Topic dominiert. "Bei Torrid geht es um aktuelle Modetrends, um Farben und um fröhliche Outfits für die Schule und den Arbeitsplatz, die Freizeit und die Disco", sagt eine Sprecherin. Entsprechend umfangreich ist das Angebot an Jeanswear, farbenfrohen T-Shirts, sexy (Abend-)Kleidern und Accessoires. Die Preise liegen bei 30 bis 40 Dollar für Tops, Jeans und Bermudas; weit schwingende bestickte Röcke kosten zwischen 44 und 48 Dollar. Sommersandalen sind für rund 34 Dollar zu haben.

Hollister: Jung und flippig. Der amerikanische Bekleidungsfilialist Hollister gehört wie Ruehl (siehe TW Nr. 16) zu dem US-Filialisten Abercrombie&Fitch aus New Albany, Ohio. Während sich das Unternehmen mit Abercrombie&Fitch speziell an College-Kids zwischen 18 und 22 Jahren richtet und Ruehl die 23 bis 30-Jährigen anspricht, werden dem im Jahr 2000 lancierten Filialisten Hollister Co. die 14 bis 17-jährigen Highschool-Kids ins Visier genommen.

Entsprechend jung und flippig ist bei Hollister auch die Mode, die in erster Linie vom kalifornischen Lebensstil mit Beach und Surfing inspiriert ist. T-Shirts für Männer mit "Hawaii"-Druck sind für 15,50 Dollar zu haben, Jeans kosten je nach Waschung und Ausrüstung zwischen 40 und 90 Dollar, Hemden und Blusen liegen um 30 Dollar. Außerdem gibt es für Mädchen eine Auswahl an Wäscheteilen, Surfshorts, Bikinis und legeren Miniröcken aus Baumwolle und Jersey.

Große Surfboards im Kassenbereich betonen das kalifornisch-relaxte Thema. Legere Sessel, große Flachbildschirme mit Surf-Videos und coole Hintergrundmusik machen die Läden des Unternehmens zu beliebten "Hangouts" für ihre jungen Kunden. "Zurzeit sind die jüngeren Marken des Unternehmens, allen voran Hollister, die Wachstumsmotoren des Unternehmens", sagt Firmensprecher Tom Lennox. Abercrombie&Fitch habe mit 356 Läden in den USA bald die geplante Maximalzahl von rund 400 Läden erreicht, während für die rund 30% preiswertere Marke Hollister (256 Läden) langfristig 600 bis 800 Läden geplant sind.

Metropark: Jung und individuell. Brandneu und bisher nur in Kalifornien vertreten ist der auf junge Mode und Musik spezialisierte Filialist Metropark mit Sitz im kalifornischen City of Industry. Gründer ist Orv Madden, der 1989 bereits den hinter Torrid stehenden Filialisten Hot Topic gegründet hatte. Er hat das Unternehmen 2001 verlassen, um sich ganz auf sein neues Projekt Metropark zu konzentrieren. "Mit Metropark bieten wir unseren Kunden und Kundinnen ein ausgefallenes, verlockendes Sortiment, das ihre entspannte Lebensphilosophie und ihren individuellen Stil reflektiert", heißt es bei dem Unternehmen.

Zielgruppe von Metropark sind Individualisten, die sich für Mode, Musik und Kunst interessieren. Neben Bekleidung von Marken wie 7 for all mankind, James Jeans, Joe's Jeans, Howe, G-Star, Big Star, Energie und Triple Five Soul führt das Unternehmen auch eine Eigenmarke unter Metropark sowie eine große Auswahl an Accessoires, Schuhen, Badeprodukten, Kosmetika, Musikträgern, Büchern, Zeitschriften und ausgefallenen Geschenkideen. Bisher führt das Unternehmen fünf Läden in Glendale, Santa Clara, San Jose, Thousand Oaks und Riverside. Marktbeobachter erwarten schon bald eine deutliche Expansion.

ULRIKE HOWE

Bildunterschriften

Forever 21: Teenager bekommen hier Topmodisches für wenig Geld. Torrid: Übergewichtige junge Frauen finden in dem Hot Topic-Ableger trendige Outfits bis Größe 54. Hollister: Surfen, Sonne, Strand - das kalifornische Lebensgefühl für hippe Teenies in Mode ausgedrückt.

Autor

  • Howe, Ulrike

Land

  • USA

Unternehmen/Institution

  • Abercrombie & Fitch Co.
  • Forever 21, Inc.
  • Hollister Inc.
  • Hot Topic Inc.
  • Metropark
  • Torrid

Person

  • Madden, Orv

Marken

  • Torrid
  • XXI

Schlagworte

  • Bekleidung-Young Fashion
  • Jugend
  • Unternehmen-Filialbetrieb
  • Werbung-Zielgruppe

Illustration

  • mehrere Fotos
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