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TextilWirtschaft 28 vom 13.07.2006 Seite 056

Business Handel

Modeparty statt Stammtisch

Nach fünf Jahren erlöst Green House in Deutschland 6 Mill. Euro mit dänischer Mode im Direktvertrieb


Susanne ist Hausfrau. Sie wohnt in Erbach, einer Kleinstadt im Odenwald. Auf dem Land zu leben, das gefällt ihr. Aber manchmal nervt es auch. Zum Beispiel wenn Susanne shoppen gehen möchte. Die wenigen Geschäfte in Erbach kennt sie in- und auswendig. Und bis Mannheim, Darmstadt oder Heidelberg ist sie eine Stunde lang unterwegs.

Von Hausfrauen für Hausfrauen. Genau hier setzt das Konzept des dänischen Direktvertriebunternehmens Green House in Ikast an. Green House ist Mode von Hausfrauen für Hausfrauen. DOB, HAKA, Schuhe und die Schmuckkollektion Magic Moon werden auf Heimpartys von Freundin zu Freundin verkauft. "In einer Großstadt ist das modische Angebot groß genug. Da können die Kundinnen bummeln gehen. Aber auf dem Land, da ist nichts los", sagt Svend Ulrik Nielsen (57).

Gemeinsam mit seiner Frau Charlotte Nielsen (47) hat er 2001 die Green House of Scandinavia Textil- und Handelsvertrieb GmbH in Erbach gegründet. In fünf Jahren ist in Deutschland ein Netz aus 450 Green House-Vertreterinnen entstanden. Im Jahr 2005 lagen die Erlöse bei rund 6 Mill. Euro.

Der Umsatz des Mutterkonzerns in Dänemark liegt bei 25 Mill. Euro (siehe Box). Das spornt an. Anzeigen im Kundenmagazin der Deutschen Bahn und in Zeitschriften wie Brigitte, Freundin und Myself sollen die Hausfrauen neugierig machen. Die Zahl der Beraterinnen soll in den kommenden vier Jahren auf 1000 ansteigen.

Dass der Direktvertrieb mit Textilien ein Wachstumsmarkt ist, bestätigt eine Marktanalyse der Prognos AG im Auftrag des Bundesverbandes Direktvertrieb Deutschland eV, Berlin. Während der Textileinzelhandel seit 13 Jahren rückläufige Umsätze erwirtschaftet, ist der Direktvertriebsumsatz mit Textilien von 1994 bis 2004 um 13% auf 17 Mill. Euro gestiegen.

Das Konzept. Eine neue Beraterin erhält in der ersten Stufe zum Saisonstart eine Kollektion im Wert von 2600 Euro netto sowie ein Paket mit Werbematerial wie Flyer, Kataloge, Plakate und Postkarten. Erst nach Abschluss der Saison muss der Betrag an Green House gezahlt werden. Auf ihren Partys verkauft die Beraterin die Mode von Green House mit einem Aufschlag von 33%. Teile, die nicht verkauft werden, können Neulinge nach Dänemark zurücksenden.

Entscheidet sich die Beraterin weiterzumachen, erhält sie einen neuen Vertrag. Restanten muss sie nun behalten, dafür wird ihr in der zweiten Stufe ein Nachlass von 600 Euro eingeräumt. So gibt es eine zehnstufige Nachlass-Staffelung. Dadurch erhöht sich die Kalkulation von Saison zu Saison. Maximal kann ein Verdienstaufschlag von 67% erreicht werden.

Zunächst versucht die Vertreterin ihre Kollektion abzuverkaufen. Sobald sich erste Bestseller herauskristallisieren, kann nachbestellt werden. Die Auslieferung erfolgt innerhalb von zwei und vier Tagen. Teile, die während der Saison nicht verkauft werden, gehen in den zeitlich begrenzten Schlussverkauf. Es gibt jährlich zwei Haupt- und zwei Zwischenkollektionen. Eine Hauptkollektion umfasst 96 DOB-Styles sowie zwölf für Herren. Sie setzen sich zusammen aus Must-haves und klassischen Artikeln. Charlotte Nielsen beschreibt Green House als "bezahlbare Designermode". Die EK-Preise liegen bei 20 bis 30 Euro für ein Top, rund 50 Euro für einen Rock und 50 bis 70 Euro für eine Jeans.

Die 450 Beraterinnen werden von 29 Gebietsleiterinnen betreut. Sie werden zweimal jährlich über die neuen Kollektionen informiert. Auf ihren Präsentationstouren bereisen Svend und Charlotte Nielsen zwölf Städte. Zu den letzten Veranstaltungen sind rund 600 Besucher gekommen. "Die Nachfrage ist enorm. Green House ist eine tolle Möglichkeit, sich etwas dazu zu verdienen und dabei mit Freundinnen Spaß zu haben. Wenn die Männer zum Stammtisch gehen, feiern die Frauen eine Modeparty."

Jana Kern
Direktvertrieb aus Dänemark

1993 haben Kent Bonde und Designerin Christin Gorridsen die Green House of Scandinavia A/S im dänischen Ikast gegründet. Green House arbeitete von Anfang an im Direktvertrieb und ist schnell gewachsen: Das Unternehmen ist mittlerweile in zwölf Ländern vertreten. International zählt das Unternehmen 85 Mitarbeiter, davon arbeiten rund 60 in Ikast. Dort werden jährlich zwei Kollektionen und zwei Zwischenprogramme entwickelt. Das Sortiment umfasst DOB, HAKA, Schmuck und Schuhe. Green House wird auf Heimpartys von Hausfrau zu Hausfrau vertrieben, bis Ende des Jahres sollen es 17000 Vertreterinnen sein. Im Jahr 2005 haben die Dänen einen Umsatz von 25 Mill. Euro erzielt. Anfang des Jahres hat die Investorengruppe Odin 85% der Anteile übernommen, die restlichen 15% halten Kent Bonde und Christin Gorridsen sowie der Vorstandsvorsitzende Hans-Henrik Olsen. Vor fünf Jahren ist Green House in Deutschland gestartet und erlöste hier 2005 rund 6 Mill. Euro. jk


Bildunterschriften

60 Mitarbeiter arbeiten in der Zentrale von Green House im dänischen Ikast. Zuhause im Wohnzimmer veranstalten die Beraterinnen Modepartys für ihre Freundinnen.

Autor

  • Kern, Jana

Länder

  • Bundesrepublik Deutschland
  • Dänemark

Unternehmen/Institution

  • Green House Of Scandinavia A
  • Green House of Scandinavia-Textil- und Handelsvertrieb GmbH

Schlagworte

  • Bekleidung-allgemein
  • Branchenanalyse-Absatzdaten
  • Vertrieb-Direktvertrieb

Illustration

  • 2 Fotos
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