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TextilWirtschaft 33 vom 14.08.2008 Seite 038

Business Handel

MEINUNG

GAG-Denker statt GAU-Denker


Wenn ein kleineres (oder größeres) Warenhaus nicht mehr funktioniert, geht der Betreiber raus, und ein neuer geht rein und versucht mit einem leicht veränderten Sortiment oder niedrigeren Preisen sein Glück. Und wenn es bei ihm nicht klappt, versucht es der nächste. Der Eigentümer der Fläche denkt über eine Reduzierung der Quadratmeterpreise nach und am Schluss steht der Ein-Euro-Laden neben irgendeiner Reste-Rampe, ergänzt durch ein Fastfood-Imbiss und einen Pizza-Bringdienst und die unentgeltliche Nutzung einer Teilfläche durch den nächstgelegenen Fotografen. Traurig eben.

Wenn Einkaufen an und für sich weder die Frequenz noch - in der Konsequenz - die Umsätze liefert, die für eine gedeihliche Nutzung von Objekten unverzichtbar sind, dann müssen die Einkaufsstätten ganz anders sein. Zum Beispiel: Sportgroßstätten mit Einkaufszentrum. Nicht Fußball-Stadion mit Pommes-Bude, sondern so etwas wie eine Köln Arena inklusive Arkaden-System. Mit besonderen Öffnungszeiten zu Hochfrequenzzeiten. Und am besten auch noch ein Theater. Events boomen.

Jetzt müssen wir das Beispiellose ausprobieren, das Undenkbare denken, das Unmögliche tun.

Wer sagt denn, dass altersgerechtes Wohnen - Thema demografischer Wandel - immer im Grünen stattfinden muss? Wer weiß denn so genau, dass Oma und Opa am liebsten allein auf einer Parkbank sitzen? Vielleicht wollen sie ja lieber zwischen einem Kino-Center und einer Shopping Mall wohnen - barrierefrei, mit direkter Telefon-Verbindung zum Gerontologen und allen anderen Ärzten. Vielleicht müssen wir statt einem Gärtnerei-SB-Markt ein Waldkaufhaus denken.

Wir brauchen in jedem Geschäft - auch wenn es "nur" eine Filiale ist - richtige Unternehmer. Solche, die sich das Haus, die Fläche, das Umfeld, die Käufer und die Nicht-Käufer, das Potenzial ansehen und die ihre Phantasie nicht einsetzen, um sich den größten anzunehmenden Unfall (GAU) auszudenken, sondern um über den größten anzunehmenden Gewinn (GAG) nachzudenken.

Der Shop im Museum - viel zu klein gedacht. Popcorn im Kino - Peanuts. Liefer-Service des Lebensmitteleinzelhändlers, Mode zu Hause oder im Büro anprobieren - alles gut und schön, aber eben zu klein. Das löst nichts aus, das entfesselt nicht.

Wir müssen die Pyramide auf den Kopf stellen. Sagen Sie nicht, dass sie dann wackelt oder kippt. Wenn wir sie - also die gesamte Konsum- und Handelslandschaft - so bestehen lassen, wie sie ist, dann können wir zusehen, wie sie zerbröckelt.

Unsere Neigung zu kleinen Schritten, selbst wenn sie in die richtige Richtung gehen, bringt uns nicht weiter. Evolution macht in der Weltentwicklung Sinn. Da kommt es auf ein paar hunderttausend Jahre nicht an. Aber wir brauchen den gewollten Wandel. Schnell. Neu. Revolutionär. Entweder, wir lassen es krachen oder es kracht von alleine.

Stefano Sorice

Bildunterschriften

Stefano Sorice ist Unternehmensberater in Düsseldorf.

Autor

  • Sorice, Stefano

Land

  • Bundesrepublik Deutschland

Schlagworte

  • Innovation
  • Standort-allgemein
  • Vertrieb-Warenhaus
  • Vertrieb-allgemein

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