TextilWirtschaft 53 vom 31.12.2009 Seite 020
Das Jahr Panorama 2009
PANORAMA DAS JAHR DER KRISE 2009
Dramatische Umsatzeinbrücheund eine nie dagewesene Pleitewelle dominierten die Schlagzeilen. Die Industrie leidet im Export. Die Geschäfte im deutschen Textileinzelhandel waren zwar besser als befürchtet. Doch schon die Aussicht auf eine womöglich bevorstehende Krise hat zu drastischen Verwerfungen am Markt geführt. Der Strukturwandel der Branche beschleunigt sich rasant. Beobachtungen von Jürgen Müller
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Schlussstrich: Für viele langjährige Krisenfälle bringt 2009 das Aus
Es ist die größte Pleite in der Geschichte der Bundesrepublik. Nachdem die Bundesregierung Staatshilfen für Arcandor ablehnt, bleibt Vorstandschef Eick nur noch der Gang zum Amtsgericht. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg übt schwere Kritik am früheren Management. Gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff ermittelt der Staatsanwalt. Karl-Gerhard Eick gerät unter Beschuss wegen seiner garantierten Vorstandsbezüge. Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz macht sich mit einem Bild-Interview zum Gespött. Finanzier Sal. Oppenheim schlittert am Rand der Pleite vorbei und verliert seine Selbstständigkeit an die Deutsche Bank. Derweil zerfällt der Konzern: Thomas Cook wird Mitte September abgegeben. Die Arcandor-Versandhandelssparte Primondo wird zerlegt. Der angekündigte Quelle-Verkauf scheitert, tausende Quelle-Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Karstadt schließt insgesamt 13 Häuser. 120 Filialen sollen fortgeführt werden, nach einem Käufer wird gesucht. Metro steht mit Kaufhof für die Übernahme von bis zu 60 Karstadt-Häusern bereit.
Die Zahl der Insolvenzen und Geschäftsaufgaben im Modehandel ist 2009 so hoch wie nie: Adessa, Pohland, Liberty, Woolworth und Kenvelo sind pleite. Die Filialisten bleiben nach harten Schnitten größtenteils am Markt. Für Hertie kommt hingegen das endgültige Ende, alle verbliebenen 54 Häuser schließen, 2600 Mitarbeiter erhalten die Kündigung. C & A verkündet das Aus für sein Discount-Format Avanti. Der Lörracher Versender Mode & Preis stellt den Betrieb ein.
Auch etliche lokale Fachhändler und Platzhirsche sind zahlungsunfähig: Krauss in Lahr mit sieben Kaufhäusern, Weber am Ufer in Gevelsberg mit vier Häusern, Kaufhaus Schneider in Rastatt mit drei Häusern - um nur einige zu nennen. Viele Fachhändler trennen sich von Filialen: Finke von Detmold, Joh von Büdingen und Claus in Neuwied, Walz von Göppingen, Jung von Ulm. Harter Schnitt auch bei Dieler in Gelsenkirchen: Zwölf Filialen werden dicht gemacht.
Auch die Bekleidungsindustrie ächzt unter dem wegbrechenden Export und der Orderzurückhaltung des deutschen Handels, Versäumnisse der Vergangenheit werden jetzt vom Markt bestraft. Die Liste der Pleiten ist lang: die Wäschemarke Schiesser, Damenhosenbieter Kutura, Blusenmacher Verse, KOB-Spezialist Oilily, Kleider-Spezialist La Rochelle, die Männermode-Anbieter Bäumler und Peine, die Casualwear-Marke Greystone, Hosen-Spezialist Rosner, der DOB-Outdoor-Produzent Trendline, die Luxusmarke Escada, das DOB-Label Nicowa, die Klassik-Anbieter Delmod und Hammer sowie der österreichische HAKA-Hersteller Licona. Viele Pleite-Unternehmen werden nach erfolgter Sanierung und unter neuen Eigentümern weiterbestehen, einige - wie Zaffiri, Delmod, Licona sowie Douceur - werden indes abgewickelt. Auch Carlo Colucci stellt den Betrieb ein, ebenso wie der Menswear-Spezialist Gebr. Weis. Toni Gard wird vom Markt genommen, die Secon-Gruppe stellt Anotherwoman ein, Brinkmann Odermark, Tommy Hilfiger K Karl Lagerfeld, Ben Sherman seine DOB.
Voll durchgeschlagen hat die Krise auf die Vorstufe: Die deutsche Textilindustrie, ohnehin im weltweiten Wettbewerb seit Jahren unter Existenz-Druck, hat einen weiteren Aderlass zu verzeichnen. Es trifft Kufner, Lauffenmühle, Penn Elastic, Trevira sowie Gaenselen & Völter. Der angekündigte Verkauf von Trevira kommt nicht zustande.
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Strauchelnde Helden: Auch Gewinner haben 2009 zu kämpfen
Etliche erfolgsverwöhnte Player in Industrie und Handel haben mit Umsatz- und Ertragseinbrüchen zu kämpfen. Esprit verzeichnet erstmals seit Jahren rückläufige Umsätze. CBR leidet unter dem Abgang von Großkunden wie Hertie und SinnLeffers. Expansive Filialisten wie H & M, Takko und Bijou Brigitte schrumpfen auf vergleichbarer Fläche. Bei Inditex bricht der Gewinn ein. Adidas und Puma sind den Verlusten nahe. Charles Vögele meldet rote Zahlen.
Der ungewohnte Gegenwind führt zu heftigen Reaktionen. Puma stellt seine Läden auf den Prüfstand. Die Mulliez-Gruppe macht sämtliche 200 Xanaka-Filialen zu Grain de Malice-Geschäften. Nike entlässt Mitarbeiter, ebenso wie Swarovski, Bestseller, Ikea und Ebay. Triumph schließt Werke in Asien mit insgesamt über 3500 Mitarbeitern. Die Metro AG startet ihr Sparprogramm Shape 2012 und will damit 15000 Stellen abbauen. Tchibo zieht sich aus Großbritannien zurück, Carrefour aus Russland, C & A aus Argentinien.
Insbesondere die Luxus-Industrie leidet. Bisherige Wachstumsmärkte wie Russland und die USA brechen ein. Der größte Luxuseinzelhändler der Welt, Neiman Marcus, verzeichnet 668 Mill. Dollar Verlust bei einem Umsatzminus von 21 %. Christian Lacroix und Yohji Yamamoto sind pleite, Veronique Branquinho und Emma Hope machen dicht. Tom Ford sucht Geldgeber. Der seit Frühjahr unter Insolvenzverwaltung stehenden Mailänder IT-Holding droht nach einem Umsatzeinbruch von 50 % und einem Verlust von 80 Mill. Euro das Aus. Zu dem Konzern gehören unter anderem Ferré und Malo sowie der Lizenzspezialist Ittiere. Chanel entlässt 200 Leute, Versace streicht 350 Stellen und schließt seine Läden in Japan. Entlassungen auch bei Ralph Lauren, Prada meldet Kurzarbeit an. La Perla und Dolce & Gabbana senken die Preise.
In der Krise rächen sich vielfach übertriebenes Marketing und eine zu breite Distribution, die zu einer Vermassung der Markenwahrnehmung und damit einem zumindest gefühlten Exklusivitätsverlust geführt haben und zudem nicht selten auf Kosten der Produktqualität gingen. Anders als viele Labels, die einfach nur teuer sind, florieren Marken wie Hermès und Louis Vuitton, deren Produkte zeitlos und deren Preise durch hohe handwerkliche Qualität und erstklassige Verarbeitung gerechtfertigt sind.
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Dealmaker: Die Strategen nutzen ihre Chance
Das Übernahmekarusell dreht sich mit großer Geschwindigkeit. Es sind mehr Unternehmen denn je auf dem Markt. Auch die Insolvenzen bieten Gelegenheiten. Die fantastischen Summen, die zuletzt für Unternehmen bezahlt wurden, sind aber passé. Die Zinsen sind zwar niedrig, die Banken gewähren aber kaum Kredite. Vielen Finanzinvestoren fehlt zudem das heute in höherem Maß gefragte Eigenkapital.
Deshalb kommen verstärkt strategische Investoren aus der Branche zum Zuge. Wolfgang Friedrichs und die Brüder Sinigaglia übernehmen Replay. Die Otto Group beteiligt sich mit 49 % an Kitaro und kauft Markenrechte und Adressdaten von Quelle sowie das Russland-Geschäft des insolventen Mitbewerbers. Schuhhersteller Ara übernimmt den Schuhfilialisten Salamander aus der EganaGoldpfeil-Insolvenzmasse und reicht die 51 deutschen Salamander-Geschäfte an den Schuhfilialisten Klauser weiter. Umlauf & Klein gibt seinen Anteil am DOB-Filialisten Aust an Apanage ab. Apanage übernimmt auch die Markenrechte an Zaffiri. Intersport beteiligt sich mit 50 % an der Schuh-Verbundgruppe SaBu. Globetrotter steigt beim Schweizer Outdoor-Ausrüster Transa ein. Puma übernimmt den schwedischen Corporate Merchandising-Spezialisten Branon. Levi's kauft seinen Schuh-Lizenznehmer DC. Freeman T. Porter geht an seinen französischen Lizenznehmer. Migros beteiligt sich mit 49 % an der Wohnaccessoires-Kette Das Depot. Bäumler geht an den britischen HAKA-Anbieter Berwin & Berwin sowie an seinen Agenten Jason Gerrard. Esprit übernimmt das China-Geschäft seines bisherigen Joint-venture-Partners.
Hans-Rudolph Wöhrl kauft die Mehrheit an Ludwig Beck. Gelco übernimmt den DOB-Filialisten Biba. Dr. Rehfeld kauft die insolvente Marke Greystone, Brinkmann Kaiser Design. Gerd Hohe verkauft Pampolina an einen Produzenten. Mart Burgheri kauft Nicowa. Gaydoul übernimmt den Strumpfhersteller Fogal, die Labelux-Gruppe kauft den Taschenanbieter Zagliani, Geox-Chef Polegato leistet sich den Sportartikelhersteller Diadora, die Icon Fashion Group beteiligt sich an Tillmann Lauterbach und Sisi Wasabi. Zegna übernimmt den Seidenstoffhersteller Tessitura di Novara. Schuhproduzent Gabor sichert sich die Rechte an der spanischen Schuhmarke Snipe, Ergee gehört jetzt Kik.
Finanzinvestoren kommen 2009 dagegen kaum zum Zuge. Maxeda verkauft Claudia Sträter an die Amsterdamer Investorengruppe 2Deal Ventures. Change Capital Partners übernehmen die Hallhuber-Filialen von Stefanel. Private Equity Fonds investieren in Spreadshirt und BuyVIP.
Auffallend häufig machen die "Heuschrecken" keine gute Figur: CFC übernimmt nach Delmod, Hirsch und Dinomoda 2009 auch noch Rosner. Im Herbst gehen die Mode-Beteiligungen der CFC in die Insolvenz. Auch Investor Steadfast muss die Peine-Gruppe in die Insolvenz schicken. Aurelius schreibt Pohland ab und übergibt das Filialunternehmen ans Management, das sogleich den Gang zum Amtsgericht antritt. Metro übergibt Adler an den Finanzinvestor Bluo, der umgehend das Management an die Luft setzt. Der Verkauf der Primera-Gruppe an Mutares kommt gar nicht erst zustande, stattdessen übernimmt Investor Endurance Capital die Escada-Tochter.
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Durchstarter: Die Filialisierung nimmt sprunghaft zu
Wer den Willen zur Expansion hat und die Fähigkeit dazu, sprich Kapital, für den ergeben sich 2009 viele Chancen. Durch die Insolvenzen großer Filialisten sind hunderte Standorte in guten Lagen verfügbar. Für expansive und preisaggressive Filialisten wie Kik, Takko, Jeans Fritz/Itz, New Yorker, Runners Point, MacGeiz, Bon Prix oder Ernsting's Family sind es goldene Zeiten. H & M, C & A und WE sind ebenfalls weiterhin mit hohem Tempo unterwegs. Auch vertikale Wholesaler wie S. Oliver, Tom Tailor oder Gerry Weber nutzen die Chance zum Roll-out ihrer Store-Konzepte.
Zeeman und NKD teilen knapp drei Dutzend Keilbach-Standorte unter sich auf. Deichmann wird Nachmieter in 13 Filialen des österreichischen Schuhdiscounters Turbo. Der Schuh-Filialist plant 2009 mit 300 Neueröffnungen die stärkste Expansion in der Unternehmensgeschichte. Fussl übernimmt 13 österreichische Adessa-Geschäfte. BCBG Mac Azria übernimmt alle zehn deutschen Donaldson-Läden. SinnLeffers-Standorte gehen an P & C Düsseldorf, TK Maxx, Wöhrl und Görgens. Woolworth-Häuser gehen u.a. an Schlecker und NKD. Hertie-Standorte werden auch von lokalen Anbietern wie Klingemann (Höxter) oder Leininger (Neuwied) übernommen. Hirmer übernimmt das Finke-Haus in Bremen, Kressner Beumer in Ahlen, Mensing die zwei Geschäfte von Wiese in Bottrop, Modepark Röther das Bochumer Karstadt-Haus.
Der relativ stabile Konsum lässt den deutschen Markt zudem im internationalen Vergleich attraktiv erscheinen. Nicht nur die deutsche Industrie, die ihre Wachstumsraten zuletzt in Osteuropa erzielt hat, bemüht sich wieder intensiver um ihre Stammkunden im Heimatmarkt. Auch ausländische Filialisten versuchen ihr Glück verstärkt in deutschen Fußgängerzonen und Einkaufszentren, wo die Verfügbarkeit von Standorten so gut ist wie lange nicht. Deutschland gilt als schwieriger, aber eben auch sehr potenter Markt.
Premiere feierten in diesem Jahr der irische Modediscounter Primark, die schwedischen Fashion-Formate Monki und Weekday, das US-Surf-Lifestyle-Konzept Hollister, die britischen Modefilialisten Next und All Saints, der holländische Babymode-Spezialist Noppies, die belgische Designerin Sarah Pacini sowie die Schuhfilialisten Navyboot aus der Schweiz, John Baker & Son aus Großbritannien und Premiata aus Italien. Das schwedische DOB-Label Kriss nimmt einen zweiten Anlauf in Deutschland, nachdem man in den 90er Jahren schon einmal gescheitert war. The Sting, TK Maxx, Accessorize und Desigual setzten ihre Expansion fort.
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Bremsspuren: Das Verkaufsflächenwachstum verlangsamt sich
2009 eröffnen erneut viele neue Einkaufszentren, insbesondere in Mittelstädten wie Schweinfurt (22500 m²), Bergisch-Gladbach (12500 m), Kehl (13000 m), Hattingen (11500 m), Dessau (12600 m), Witten (12500 m) und Roth (10000 m). In Offenbach (44000 m) und Basel (32000 m²) kommen Riesen-Flächen dazu. Besonders spektakuläre Eröffnungen sind MyZeil in Frankfurt (47000 m), Loop5 in Weiterstadt (56500 m), die Centrum-Galerie in Dresden (62000 m) sowie der im zweiten Bauabschnitt fertiggestellte Limbecker Platz in Essen (70000 m).
Zwar sind nach wie vor viele Einkaufszentren in Planung, die Dynamik des Verkaufsflächen-Wachstums dürfte jedoch nachlassen. Die Bremsspuren werden sich in den nächsten Jahren zeigen. Geplante Center, beispielsweise die Marieplatz Galerie in Schwerin und die genehmigte Erweiterung des Centro in Oberhausen werden verschoben. Die Betreibergesellschaft des A10-Centers in Wildau muss sogar Insolvenz anmelden. Projekte in Dorsten und Friedrichsdorf werden abgeblasen. Kapital ist wegen der Finanzkrise knapp. Teure Revitalisierungen im Bestand sowie Umbauten von Warenhäusern wie etwa in Wolfenbüttel (Hertie), in Mülheim (Kaufhof) oder Kassel (Hertie) binden Kapital und Aufmerksamkeit der Center-Betreiber.
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Zusammen Zara? Die Industrie sucht mit Hochdruck den direkten Weg zum Kunden.
Das Wegbrechen vieler traditioneller Wholesale-Kunden im Multilabel-Handel und der Zwang zur Profilierung verstärkt den Zug der Industrie in die Vertikalisierung. Es gibt kaum einen Lieferanten, der heute noch nicht über eigene Läden und/oder Partner-Stores verfügt. Hinzu kommt der zunehmende Online-Direktvertrieb (Seite 31).
Store-Premieren feiern in diesem Jahr die Miro Radici-Töchter Steilmann und Stones, der Menswear-Spezialist Digel und die DOB-Marke Frank Walder, die Strick-Anbieter Caro e und Gollé Haug, die Lifestyle-Labels Arqueonautas und Polo Sylt, Pioneer Jeans sowie die Kindermode-Marke Pampolina. Monari, Cinque, Bültel mit Calamar und Adidas mit Originals eröffneten erste Partner-Stores. Ausländische Anbieter wie Columbia Sportswear, Superdry, North Face, Guess, Brioni sowie das Schweizer Taschenlabel Queen & Cult starteten die deutsche Retail-Expansion. Bench und Desigual waren nicht nur im Wholesale gefragt, sondern auch häufige Gesprächspartner von Vermietern. Timberland und Seidensticker experimentieren mit "Multibrand-Stores", in denen mehrere konzerneigene Marken angeboten werden. Das von KOB-Spezialist Kanz geführte Kids-Konzept Son's & Daughter's vereinigt Flächen verschiedener Anbieter unter einem Dach.
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Fels in der Brandung: Die Platzhirsche behaupten sich
Große, inhabergeführte Bekleidungshäuser haben ihre dominante lokale Marktpositon auffallend oft behauptet und vielfach sogar ausgebaut. Die Verbundgruppe Katag meldet für ihre Partner entgegen der Marktentwicklung zuletzt ein Umsatzplus. Weil das Geschäft besser läuft als erwartet, hat sich ein konsequentes Kostenmanagement nicht selten in verbesserten Erträgen niedergeschlagen.
Die Platzhirsche bleiben rührig und investieren auch 2009 wieder in ihre Häuser und neue Konzepte. Konen steckt 12 Mill. Euro in sein Luxemburger Haus Bram. In Minden eröffnet ein völlig runderneuerter Hagemeyer auf 17000 m². Dodenhof investiert im Vorfeld des 100-jährigen Jubiläums kräftig in die Erneuerung und den Ausbau seiner Häuser im Posthausen. In Stuttgart startet Yeanshalle auf 3000 m. Baltz erweitert in Bochum auf 11000 m. Manuel Rivera eröffnet auf Sylt einen Store nach dem anderen. Bruns aus Oldenburg filialisiert sein Übergrößen-Format. Platzhirsche wie Kaiser in Freiburg und Lantermann in Oberhausen-Sterkrade eröffnen zusätzliche Häuser an ihren Standorten.
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Not macht erfinderisch: Der Innovationsdruck steigt
Sei es zum Ausgleich rückläufiger Umsätze oder zur Ausschöpfung neuer Chancen: Handel und Industrie haben 2009 viele neue Aktivitäten angestoßen. So starten in diesem Jahr etliche neue Filial-Formate: Esprit expandiert mit Wäsche-Geschäften. Globetrotter eröffnet in Berlin einen Store speziell für Outdoor-begeisterte Kids. KOB-Spezialist Petit Bateau kommt mit einem ersten Laden für Erwachsene. Schuhhof geht mit Carl Stiller auf kleinere Flächen in A-Lagen. Sport 2000 launcht sein neues Format S2. Otto kommt mit MyTrend und repositioniert Tochter Schwab als Übergrößen-Spezialist (Sheego). TriStyle startet den Versender Louis Sayn.
Einzelhändler ergänzen ihre Sortimente um Kidswear (Cos), Wohntextilien (H & M), Babymode (Massimo Dutti) oder Mode für Mädchen (WE). Mango bringt eine Billiglinie in seine Läden, Tchibo eine Große Größen-Kollektion.
Lieferanten bauen ihr Produktspektrum aus: S. Oliver kommt mit Big Sizes. Tom Tailor launcht eine Shoe-Division. Eugen Klein startet mit Outdoor. Phillip Plein startet mit Schuhen und Taschen. O'Neill macht jetzt auch Kindermode, Boss Green startet mit Womenswear. Boglioli fertigt nun auch für Damen, Wunderkind für Herren. Stützstrumpf-Spezialist Medi positioniert sich modisch mit Wolfgang Joop.
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Nützlich: Neue Chancen durch neue Technologien
Die Deutschen werden größer und dicker. Das ist - verkürzt - das Ergebnis der in diesem Jahr abgeschlossenen Reihenmessung. Tatsächlich brachte die von Hohenstein und Human Solutions mittels Body Scan durchgeführte Massen-Vermessung höchst detaillierte und relevante Ergebnisse, die nun in neue Größenspiegel einfließen und die Passgenauigkeit von Bekleidung erhöhen, Kundenzufriedenheit steigen und Retouren minimieren sollen. Gleiches hat Hohenstein nun auch für Fuß- und Beinmaße durchgeführt.
Einen Durchbruch erlebt die RFID-Technologie. Gerry Weber gehört zu den Ersten im Modebusiness, die ihre Produkte mit RFID-Etiketten ausrüsten. Bislang wurde die Radio Frequenz Technologie allenfalls in der Transportlogistik genutzt. Clever kombiniert mit einer innovativen Warensicherungslösung wird der Modekonzern auch in der Filiallogistik Rationalisierungspotenziale heben können.
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Schöne neue WWWelt: Das Internet wird zum Wirtschaftswunderland
2009 werden erstmals mehr als 50 % des gesamten Versandhandelsumsatzes online erzielt. Katalog-Riesen wie Otto und Neckermann werden mehr und mehr zu Online-Retailern. Neben dem Universalversand eröffnet das Internet auch Raum für Spezial-Angebote wie den neuen Otto-Shop Yalook.
Gleichzeitig findet ein gigantischer Aufbruch des stationären Einzelhandels in den Distanzhandel statt. Immer mehr Fachhändler eröffnen Webshops. 2009 starten Bungalow (Stuttgart), Eickhoff (Düsseldorf), Apropos (Köln). Auch Ernsting's Family, Stoffhändler Alfatex, die Fachmarkt-Kette Baby One und das Münchner Sporthaus Schuster vertreiben neuerdings via Internet. Wöhrl übernimmt und relauncht den Online-Store Herrenkontor.de.
Parallel dazu forciert der Online-Boom den Direktvertrieb der Industrie: Hugo Boss, Bally, Ambiente, Patrizia Pepe, Michalsky, Lee, Brax, Comma, Jil Sander, Rena Lange, Kappa, Mustang, Lerros, Kenzo - alle diese und weitere Marken sind seit diesem Jahr online direkt beim Hersteller zu kaufen.
Das Schlagwort der Stunde ist Multichannel Retailing. Während viele stationäre Einzelhändler zusätzlich online gehen, expandieren Versender zunehmend mit eigenen Läden: Anbieter wie Lascana, Walbusch, Baby Walz oder Manufactum eröffnen munter Filialen. Streetwear-Versender Frontlineshop experimentiert mit einem temporären Pop-up-Store. Das Internet ermöglicht völlig neue Geschäftsmodelle. Mass Customization-Angebote wie Spreadshirt, Style Shake oder Tailorstore werden durch das Reichweitenmedium erst potenziell rentabel. Amazon verwirklicht die alte Warenhaus-Vision vom Alles unter einem Dach - wirklich Alles. Anbieter wie Ebay oder Yoox öffnen sich für Markenshops. Plattformen wie Smatch.com und Stylefruits kombinieren Suchmaschinen, Shops und Social Networks. Auch Facebook startet mit der Integration von Shop-Applikationen. Tokyo Girls Collection kombiniert erfolgreich Mobile Commerce mit Events. Otto vermarktet seine Restanten über seine Online-Großhandelsplattform Corso. Mit Brands-paradise startet ein neues Online-FOC. Eine wahre Goldgrube haben die Betreiber von Shopping Clubs für sich erschlossen. Die Wachstumsraten von Vente Privée, Brands 4 Friends und BuyVIP schlagen alles bisher Dagewesene.
Die neuen Technologien ermöglichen direkte Kommunikation in bisher nicht vorstellbarem Ausmaß. Der weltweite Social-Network-Marktführer Facebook meldet im Dezember 350 Millionen Teilnehmer. Etliche Unternehmen kommunizieren dort mit ihren Fans. Dolce & Gabbana zeigten ihre neueste Kollektion als erstes auf dem iPhone. Dior bringt eine Tasche auf den Markt, die ausschließlich mobil zu ordern ist. Immer mehr Modeunternehmen nutzen Handy-Progamme zur Kundenbindung. Darunter gibt es viele nette Spielereien aber auch Nützliches: Tools wie iBags, iShoes, Shop Style Mobile oder Smatch.com bieten beispielsweise Preisvergleichsprogramme fürs Handy an. The Label Finder zeigt den Weg zum nächsten Laden für gesuchte Marken an. Apps wie Stylight oder Fashion Agent ermöglichen die Suche nach ähnlichen Produkten auf Basis von selbst aufgenommenen Fotos.
Bildunterschriften
Als noch Hoffnung bestand: Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick inszeniert sich medienwirksam vor der Essener Belegschaft. Endgültiges Aus für die 54 Hertie-Häuser: 2600 Mitarbeiter erhalten die Kündigung. Tradition kann Stärke und Schwäche sein: Das Unternehmen Schiesser ist insolvent, die Marke wird aber Übernehmer finden. Esprit läuft nicht mehr rund: Es kam zum Zerwürfnis zwischen Esprit-Chef Heinz Krogner und seinem Kronprinzen Thomas Grote (links). Hugo Boss ist mit einem zweistelligen Umsatzminus in Europa konfrontiert. Für Vorstands-Chef Carl-Dietrich Lahrs bleibt 2010 herausfordernd. Echter Luxus gefragt: Marken wie Hermès (Foto) und Louis Vuitton florieren trotz Luxus-Krise. Auf Einkaufstour (im Uhrzeigersinn): Philippe Gaydoul (Fogal), Dr. Rainer Rehfeld (Greystone), Hans-Rudolph Wöhrl (Ludwig Beck). Heinrich Deichmann freut sich: Der Schuhfilialist gehört zu den Krisen-Gewinnern. Einmaliger Auftritt: H & Ms Fashion-Format Monki eröffnete den ersten Laden in Essen. Primark-Premiere: Dem Store in Bremen könnten schnell weitere Filialen des irischen Category Killers folgen. Mit Loop 5 wurde erstmals seit langem wieder ein Einkaufszentrum auf der Grünen Wiese eröffnet (oben). Das Einkaufszentrum MyZeil in Frankfurt (unten) ist eine der spektakulärsten Neueröffnungen 2009. Flagship in Würzburg: Der eigene Retail ist ein wichtiger Wachstumsbringer für S.Oliver. Das "KaDeWe von Minden": Hagemeyer investierte in die Runderneuerung seiner 17000 m². Mitten in der City: Yeanshalle klotzt in Stuttgart Abschied vom Universalversender: Otto macht aus Schwab den Große Größen-Anbieter Sheego. Marktlücke entdeckt: S. Oliver kommt mit einer Große Größen-Kollektion. Bling Bling bleibt: Philipp Plein startet mit Schuhen und Taschen. Outdoor für Kids: Globetrotter eröffnete einen Laden für abenteuerlustige Kinder. Größer und dicker: SizeGermany brachte nützliche Ergebnisse für die Modeindustrie. Durchbruch für RFID: Gerry Weber macht den Vorreiter. Shopping Clubs als Internet-Resterampe: Vente Privée-Gründer Jacques-Antoine Granjon ist mit einer genialen Idee reich geworden. Mode-Accessoire iPhone: Mehr als 100000 Apps verfügbar. Neuer Otto-Webshop Yalook: Hochwertige Marken rund um die Uhr. Tokyo Girl Collection: Neue Geschäftsidee aus Japan.
Autor
- Müller, Jürgen
Länder
- Bundesrepublik Deutschland
- Bundesrepublik Deutschland
- Welt (Internationales) W
- Welt (Internationales) W
Unternehmen/Institution
- Arcandor AG
Branche
- P5600 Bekleidungsartikel & Schuhe, Einzelhandel
Schlagworte
- Auslandsinvestition nach Land
- Bekleidung-Größentabelle
- Bekleidung-allgemein
- E-Commerce-allgemein
- Einzelhandel-Sortimentspolitik
- Einzelhandel-Verkaufsfläche
- Fachhandel-allgemein
- Internet-Web 2.0
- Konkurs
- Mergers & Acquisitions M & A
- Mobilfunk-Datenfunk
- Produktpolitik-allgemein
- Standort-Standortpolitik
- Systempartnerschaft und Vertikalisierung
- Technik-Radiofrequenztechnologie
- Unternehmen-Filialbetrieb
- Unternehmen-allgemein
- Vertrieb-Direktvertrieb
- Vertrieb-Einkaufszentrum
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- mehrere Fotos
