Gastbeitrag von ANWR-Vorstandssprecher Frank Schuffelen

"Traut euch!"

ANWR Group
Frank Schuffelen, Sprecher des Vorstands der ANWR-Group: "Nun ist es an der Zeit, dass der Einzelhandel Solidarität erfährt. Als erstes ist die Politik gefordert. Um vitale und lebenswerte Innenstädte langfristig zu erhalten und zu gestalten, reichen Überbrückungshilfen und Kredite nicht aus. Der Einzelhandel braucht feste Zusagen von der Politik für Konzepte und Pläne, die zukunftsträchtig sind."
Frank Schuffelen, Sprecher des Vorstands der ANWR-Group: "Nun ist es an der Zeit, dass der Einzelhandel Solidarität erfährt. Als erstes ist die Politik gefordert. Um vitale und lebenswerte Innenstädte langfristig zu erhalten und zu gestalten, reichen Überbrückungshilfen und Kredite nicht aus. Der Einzelhandel braucht feste Zusagen von der Politik für Konzepte und Pläne, die zukunftsträchtig sind."

Das Ende der Pandemie scheint in Sicht. Für ANWR-Vorstandssprecher Frank Schuffelen Anlass, einen Appell an die Branche zu richten, sich aktiv den Herausforderungen zu stellen, die aktuelle Aufbruchstimmung zu nutzen. Ein Gastbeitrag.

Monatelang waren die Geschäfte geschlossen und haben Händler gelitten. Jetzt ist die Zeit, gemeinsam aufzustehen. Denn ein „weiter so“ kann es nicht geben. Politik und Händler müssen jetzt die Weichen stellen für eine Zukunft mit wirtschaftlich gesundem Handel und vitalen Innenstädten.

Roman Herzog hat das wiedervereinigte Deutschland mit seiner "Ruck"- Rede in schwierigen Zeiten motiviert, sich zu verändern und aus der Krise zu lernen. 1997 war das und tatsächlich, es ging ein Ruck durch Deutschland, einer, der nicht immer leicht, aber doch notwendig war. Einen solchen Ruck braucht nun auch der Einzelhandel in Deutschland und deshalb setze ich mich dafür ein, dass wir den #AufbruchHandel starten und das wir das jetzt tun.


Warum genau jetzt? Die vielen Monate, in denen der stationäre Einzelhandel seine Geschäfte schließen musste, die Kräfte und Nerven gekostet haben, sind bald vorbei. Seit ein paar Tagen steigt die Hoffnung, dass alle Geschäfte wieder öffnen dürfen, die Hoffnung, dass die Kunden wieder in die Einkaufsstraßen zurückkehren und wieder Lust haben, zu bummeln, zu shoppen, sich beraten zu lassen von den vielen großartigen Händlern vor Ort. Dieses Momentum müssen wir nutzen und gemeinsam den #Aufbruch in ein neues Zeitalter des Handels einläuten – ein vernetztes, ein gemeinsames, ein vitales.

Wie ist die Lage zurzeit? Der Einzelhandel hat massive Einbußen hingenommen und zum Schutz der Gesellschaft die eigene Geschäftsgrundlage geopfert. Jetzt stehen viele Betriebe mit aufgezehrtem Eigenkapital da. Die meisten Rücklagen sind verbraucht. Und das in einem ohnehin schon harten Wettbewerbsumfeld mit Onlineplayern als Konkurrenz, für die der Lockdown ein Umsatzgarant war.

Nun ist es an der Zeit, dass der Einzelhandel Solidarität erfährt. Als erstes ist die Politik gefordert. Um vitale und lebenswerte Innenstädte langfristig zu erhalten und zu gestalten, reichen Überbrückungshilfen und Kredite nicht aus. Der Einzelhandel braucht feste Zusagen von der Politik für Konzepte und Pläne, die zukunftsträchtig sind. Darüber hinaus brauchen die Händler auch einen Rahmen, der ihnen einen fairen Wettbewerb erlaubt. Dazu gehören auch Steuergesetze, die den stationären Einzelhändler und den Online-Händler gleichstellen. Denn während viele Händler, zu Recht den Gemeinden etwas von ihrem Erfolg abgeben, sieht das bei den großen Online-Konzernen oft anders aus. Dafür braucht es künftig eine einheitliche Stoßrichtung.


Noch wichtiger als die Unterstützung der Politik ist die Solidarität der Gesellschaft. Jeder entscheidet, ob seine oder ihre Einkaufsstraßen lebendig bleibt, ob der Laden um die Ecke überleben wird. In der Pandemie haben vielen Menschen die Vorzüge erkannt. Vor Ort bekommen sie nicht nur Ware, sondern Austausch, individuelle Beratung und Erlebnisse, einfach Persönlichkeit, die das Internet schlicht nicht bieten kann. Mit der Öffnung hat nun jeder selbst die Chance, seinen Beitrag für vitale Einkaufsstraßen zu leisten.
„Nur wer stationär und digital gut aufgestellt ist wird den Aufbruch schaffen.“
ANWR-Vorstandssprecher Frank Schuffelen
Nicht nur die anderen, sondern der Einzelhandel selbst muss auch anpacken und gestalten. Er muss die Krise hinter sich lassen, aber ohne zu vergessen, dass der Lockdown viele seiner Schwächen offenbart hat. Viele Händlerkollegen haben die Zeit aktiv genutzt, um digitale Formate, Absatzwege und Kundenzugänge aufzubauen. Wenn jetzt die Geschäfte wieder aufmachen, gilt es nicht in alte Muster zu verfallen, sondern die digitalen Kanäle weiterzuführen, auszubauen und sie mit dem stationären Kanal zu verbinden. Das gilt umso mehr für die, die in den vergangenen Monaten nichts gemacht haben. Sie müssen handeln, bevor es zu spät ist.

Nur wer stationär und digital gut aufgestellt ist wird den Aufbruch schaffen. Dabei sind zwei Faktoren entscheidend. Zum einen brauchen Händler den Zugang zu digitalen Shops und Marktplätze. Zum anderen müssen sie endlich ihren Datenschatz heben. Wer seine Produktdaten richtig im Griff hat, kann Verfügbarkeit, Lieferfähigkeit und Produktdetails in Sekunden herausfinden und seinen Kunden mitteilen. Derjenige, der weiß, wann er welchen Artikel zu welchem Preis am besten platziert, hat im Wettbewerb die Nase vorn. Dabei ist ein modernes Handelscockpit, das den Händler bei diesen Fragen unterstützt, unerlässlich. Das funktioniert umso besser, desto mehr Daten wir untereinander teilen, auch wenn es vielleicht zu Anfang schwer fällt.

Für all diese Schritte braucht es Mut – und zwar solchen zur Veränderung. Jedem von der Krise getroffenen unternehmerischen Einzelhändler will ich hiermit zurufen: Traut euch! Traut euch, Neues zu probieren. Traut euch, die Weichen zu stellen. Traut euch, jetzt zu handeln.

"Wir müssen nicht immer alles selber machen"

Das führt mich auch zu einem Thema, dass mich noch stärker als die Digitalisierung beschäftigt hat: die Kooperation, die Gemeinschaft und das Miteinander, die Möglichkeit, sich auf andere verlassen zu können. Wir müssen nicht immer alle alles selber machen, sondern können auf starke Partner und ihre Instrumente bauen. Teilen wir beispielsweise Daten untereinander entsteht so nicht nur ein starker Rückhalt, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil, den wir nutzen sollten.

Wir können den #Aufbruch gemeinsam schaffen und so unsere Innenstädte nicht nur ein paar Monate, sondern über Jahre hinweg lebendig und vital halten. Nur wenn wir das schaffen, bietet sich den Kunden das optimale Shopping-Erlebnis und nicht weniger haben sie verdient. Lasst uns also alle gemeinsam den #AufbruchHandel wagen, lasst uns den Mut finden für die Veränderung, lass uns diesen Schritt in die Zukunft gehen!

Gemeinsam schaffen wir so den besten Einzelhandel aller Zeiten. #AufbruchHandel
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