Das Highlight des Ikea Art Event 2019 ist unter anderem ein von Off-White-Kreativkopf Virgil Abloh entworfener Teppich: Auf den Bodenschmücker wird schon jetzt ein Run erwartet. Ikea bedient sich deshalb eines Verkaufskniffs, den man vor allem aus der Sneakerbranche kennt: Dem Erwerben einer Kaufoption. Die TextilWirtschaft hat mit Heiko Lanzke, Co-Gründer des auf Sneaker spezialisierten Online-Marktplatzes Klekt, über das aufsehenerregende Produkt und das Rezept für einen Hype gesprochen.

Kooperation mit Virgil Abloh

Ikea verkauft Teppiche nach dem Sneaker-Prinzip

Ikea Art Event x Virgil Abloh


TextilWirtschaft: Der Abloh-Teppich kann bei Ikea nur per Kaufoption erworben werden. Eine Praxis, die man eigentlich eher aus der Sneakerbranche kennt. Wie finden Sie das?
Heiko Lanzke: Der Kaufoption-Mechanismus ist im Sneaker- und Streetwear-Segment ein etabliertes Konzept, um der erhöhten Nachfrage weitestgehend fair nachzukommen. Der Mechanismus erhöht das Interesse an dem Produkt, wodurch die Nachfrage zusätzlich befeuert wird. Allerdings wird dieses Marketing-Tool mittlerweile schon fast inflationär genutzt, um Produkte attraktiver wirken zu lassen und eine Kaufabsicht bei potenziellen Kunden künstlich zu pushen. In meinen Augen ist es ein smarter Move von Ikea. Neben der Tatsache, eine Kollaboration mit einem der angesagtesten Designer eingegangen zu sein, sorgt sicherlich auch die Kaufoption-Verlosung für einen Aufmerksamkeitsschub. Der könnte einen positiven Strahlungseffekt auf andere Ikea-Produkte hinsichtlich Wertigkeit und Exklusivität mit sich bringen.

Wäre der Teppich auch ein Produkt, das Sie gerne resellen würden?
Es gab bereits Ende 2018 die Gelegenheit, einige hundert Exemplare des Abloh x Ikea Carpets sowohl in Japan als auch in Paris zu kaufen. Der Artikel an sich ist aufgrund des allgemeinen Virgil-Abloh-Hypes und der Limitierung sowie der damit einhergehenden hohen Nachfrage ein typisches Resell-Produkt. Die Teppiche werden seit dem Pop-Up-Release im vergangenen Jahr auf Klekt angeboten und gehandelt.

Mit Hilfe eines von Designer Virgil Abloh entworfenen Teppichs testet Ikea jetzt eine neue Verkaufsstrategie
Ikea
Mit Hilfe eines von Designer Virgil Abloh entworfenen Teppichs testet Ikea jetzt eine neue Verkaufsstrategie
Gibt es ein Rezept, durch das ein Produkt zum Hype-Produkt wird?
Es gibt kein wirkliches Hype-Rezept. Aber es existieren Grundzutaten, die oft zum Einsatz kommen: Künstliche Verknappung, die in der Konsumenten-Wahrnehmung hohe Exklusivität erzeugt. Die Zusammenarbeit beziehungsweise Kollaboration mit angesagten Künstlern und Designern, Influencern oder Testimonials, ist die zweite Zutat, mit der Marken ein Image-Branding erzielen können. Zusätzlich werden gerne Pre-Launches genutzt, um vor dem tatsächlichen Release Aufmerksamkeit zu schaffen.

Kennen Sie ähnliche Aktionen außerhalb der Sneakerbranche?
Künstliche Verknappungen und Kaufoptionen findet man häufig in Segmenten, die dem Luxusmarkt zu zuordnen sind. Der Luxusuhren-Markt ist ein Beispiel, in dem zum Teil ähnliche Marketing-Mechanismen erkennbar sind.

Designer Virgil Abloh bei der vergangenen Show für Louis Vuitton. Jetzt hat er einen Teppich für Ikea kreiert
Martin Veit
Designer Virgil Abloh bei der vergangenen Show für Louis Vuitton. Jetzt hat er einen Teppich für Ikea kreiert
Haben Sie auf Klekt schon einmal etwas anderes als Sneaker oder Bekleidung angeboten?
Generell werden auf Klekt Produkte angeboten, die aufgrund der hohen Nachfrage beziehungsweise des Hypes im ersten Markt ausverkauft sind. Der Fokus liegt auf Sneakers und Streetwear, allerdings kann man hier auch Schnittmengen mit anderen Produktkategorien verzeichnen. Wir verkaufen immer mehr verschiedene Produkte, die neuinterpretiert und meist als Kollaborations-Artikel auf den Markt gebracht werden. Neben Virgil Abloh x Ikea Teppichen findet man beispielsweise Meissen x Supreme Porzellan oder Uniqlo x Kaws Plüschtiere auf Klekt.
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