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Kommentar zur Corona-Krise

Rette sich, wer kann

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TW-Chefredakteur Michael Werner kommentiert
TW-Chefredakteur Michael Werner kommentiert

Seit gestern ist die Schließung der Läden offiziell. Der Markt ist quasi zugesperrt. Die Angst geht um im Modehandel. Was tun in dieser heiklen Lage?

Die Katag AG hat reagiert und ist mit einem Brandbrief an die Industrie in die Offensive gegangen: „Schickt den Händlern keine Ware mehr. Und auch keine Rechnung.“ Von heute an bis Ende April. Zugleich drängt der BTE darauf, die Herbst-Order neu zu verhandeln. Es geht ans Eingemachte. Vorstand Daniel Terberger ist überzeugt: „Wir müssen das jetzt tun, alle zusammen.“ Nur so ließe sich die drohende Zahlungsunfähigkeit im Wholesale vermeiden. Viele relevante Lieferanten zögen mit. 


Offenbar nicht alle. Wer soll das bezahlen? Darüber und über die Frage, was denn Solidarität in dieser Lage meint, kocht querbeet die Stimmung hoch.



Am Vormittag schickt uns „ein typischer Mittelständler, 600m2 Verkaufsfläche“, diese Mail: „Heute früh trifft uns fast der Schlag, als die Logistikdienstleister Sendungen für uns ausladen. Die Firmen ziehen April-Lieferungen vor und halten sich schön schadlos. Die einzigen Vernünftigen mit Lieferstopps sind, Stand jetzt, S.Oliver und Clinton. Der Rest denkt: Mir doch egal, Hauptsache, ich habe Gründe, Forderungen aufzubauen. Solidarität sieht anders aus, am liebsten würde ich die Annahme verweigern und mal auf die Reaktion warten. Ich bin schockiert.“

Wer die sind, die noch liefern, wird nicht erwähnt. Doch auch sie haben Argumente. Das Sankt-Florian-Prinzip, also Belastungen bei anderen abzuladen, führe zu nichts. Handel und Industrie müssten gemeinsam partnerschaftliche Lösungen suchen. Wie die aussehen könnten, da hat jeder, Krise hin und Krise her, seine eigenen Vorstellungen. Und natürlich Zwänge. Rette sich, wer kann.

Für Stefan Leewe, Inhaber der Marken Opus und Someday, kann es keine zwei Meinungen geben.  Leewe sagt, er habe sich in den vergangenen Tagen zur „krassesten Entscheidung“ in seiner Zeit als  Unternehmer „durchringen müssen“. Und entschieden, „dass wir das, was wir gemeinsam erwirtschaftet haben, wieder an den Handel zurückgeben“. Es bringe nichts, der Ware hinterherzulaufen. Valuta? Zahlungsziele? Keine Lösung. „Es hilft nicht, auf Lieferzeiträume zu bestehen. Hier auf dem Gelände steht viel, was wir nicht ausliefern werden. Uns geht es gut. Wir werden dieses Jahr super viel Geld verlieren. Was hätten wir davon, im nächsten Jahr bestens dazustehen, wenn viele unserer Partner nicht überlebt hätten?“

Es sind nicht viele, die wie Leewe handeln können. Auch das bringt die aktuelle Krise hart ans Licht: Wie extrem die Kluft ist zwischen höchst potenten Unternehmen und denen, die um jeden Euro ringen müssen.

Das ausführliche Interview mit Stefan Leewe sowie mehr zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf Modehandel und -industrie lesen Sie in der nächsten Ausgabe der TextilWirtschaft ab Mittwoch 18 Uhr im E-Paper und ab Donnerstag in der Printausgabe.

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