Kommentar

Verkehrte Welt

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Jelena Faber
Jelena Faber

Jetzt braucht es Digitalformate. Was aber, wenn Digitalformate das Geschäftsmodell erodieren?

Online verkaufen, das wäre jetzt gut. Nicht wenigen ist während der Lockdowns die zuweilen zu zaghafte Transformation des eigenen Geschäftsmodells schmerzlich vor Augen geführt worden. Jetzt schnell einen Online-Shop starten? Rauf auf die Plattform? Beides ist komplex – und ernüchternd. Mehr Investitionen, mehr Prozesse – ohne dass sich das unbedingt in den betriebswirtschaftlichen Ergebnissen positiv niederschlägt. Oder gar das Kerngeschäft infrage stellt. Wer nicht gerade vertikal aufgestellt ist, muss sich schon überlegen, woher die Marge kommt, wenn man sie auf zwei, drei Kanäle aufteilen muss.
Die Diskussion wird vielerorts falsch geführt. Sie unterstellt, dass es nur die große, allgemeingültige Lösung gibt. Aber die Realität ist eine andere. Was für den einen funktioniert, gilt für den anderen schon nicht mehr. Aus dem Stegreif kommt man auf die verschiedensten Business-Modelle. Omnichannel, bundesweit vernetzt, neben Local Hero mit kleinem Digitalgeschäft. Jeder mit unterschiedlichem Digitalisierungsgrad, jeder mit eigener Agenda.



Und so geht es nicht zwingend um den großen E-Commerce-Wurf, sondern um eine intelligente Antwort auf die Digitalisierung. Es geht darum, kleine, überschaubare Projekte auf den Weg zu bringen, schnell zu lernen und immer wieder neu zu priorisieren. On-Demand-Service? Warum nicht. Doch bei Amazon und Zalando andocken? Klar, mit einer passgenauen Strategie. Nur meine Kernkompetenz in den Shop packen? Geht. Dieser Spirit, der wäre jetzt gut.
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