Einfach nur einkaufen können, das genügt den meisten Konsumenten heutzutage nicht mehr. Um den bloßen Bedarf zu decken, genügt inzwischen ein Klick. Der Weg in die Innenstadt ist dafür vielen schon zu aufwendig. Es sein denn, sie finden dort absolut überzeugende Sortimente und Konzepte. Erlebnis, Community und auch eine herausragende Gestaltung gehören dazu. Der Rückblick auf die Neueröffnungen und Umbauten des Jahres zeigt, dass diese Themen die Händler und Store Designer 2018 ganz besonders umgetrieben haben. Fünf Konzepte, die unter unterschiedlichsten Gesichtspunkten in diesem Jahr besonders überzeugt haben.

L&T in Osnabrück

Neue Maßstäbe für Erlebnis-Shopping hat im vergangenen Jahr mit Sicherheit L&T in Osnabrück gesetzt. Mehr als 5000m² auf fünf Etagen, auf denen es um weit mehr geht, als die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt bereitzustellen. Herzstück des neuen L&T Sport-Hauses, das direkt an das Modehaus anschließt, ist das 7,5 mal 16 Meter große Wellenbecken, in dem eine so genannte stehende Welle zum Indoor-Surfen einlädt. „Wir müsen den Sport ins Sporthaus bringen“, sagt L&T-Chef Mark Rauschen.

Das Interesse ist riesig, unzählige Posts und Videos in den sozialen Medien zeugen davon. Um dieses Becken herum ist das ganze Haus konzipiert. Ein zweites Highlight ist das integrierte Fitness-Studio. 800m² im 1. OG, wo man auf höchstem Niveau trainieren kann – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn im Cardio- und Kursbereich treibt man Sport unter Bedingungen wie auf 2500 Höhenmetern.

Gentle Monster in London

Um die  einzigartige Kreativität der südkoreanischen Optiker-Kette Gentle Monster auf der Retail-Fläche zu erleben, musste man bislang weit reisen. In die Heimatstadt Seoul, nach Guangzhou, Schanghai, Hongkong, Singapur, Los Angeles oder New York. Mit der Eröffnung in London, in der Argyll Street nahe Oxford Circus, hat das Unternehmen in diesem Sommer den ersten europäischen Flagship Store eröffnet. Es gibt wohl nicht viele Retailer, die auf die Idee kommen, auf ihrer Verkaufsfläche statt dem eigenen Sortiment einer Geschichte konsequent so viel Platz einzuräumen wie Gentle Monster. Die durchaus ebenfalls stylischen Brillen werden fast zur Nebensache.

Denn in London wird auf zwei Etagen und insgesamt 385m² Kung Fu inszeniert. Regelrecht zelebriert.  Fast ist es, als würde man im Museum durch eine Sonderausstellung zur Geschichte dieser Kampfsportart laufen. Und um die Story noch abgedrehter zu machen und für ein einzigartiges Shopping-Erlebnis zu sorgen, sind es nicht Sportler, die trainieren, sondern Aliens. Kunden betreten den Laden und stehen sofort mitten auf dem Trainingsfeld. Auch das ist ein Paradebeispiel für Erlebnis-Retail.

Nike in New York

House of Innovation. Der Name ist mehr als nur ein Versprechen. Nach dem Debüt in Shanghai hat Nike im Herbst den ersten Store neuen Formats in New York eröffnet. Sechs Stockwerke und über 6000m² Fläche – der neue Vorzeigestore von Nike an der Ecke 5th Avenue und 52nd Street beeindruckt allein schon durch die schiere Größe. Vor allem aber geht es der Sportmarke darum, damit eine neue Erlebniswelt zu schaffen. Jede Fläche soll besondere Features und interaktive Elemente bereithalten. Unterschiedliche Services und Personalisierungs-Angebote sollen die Kunden auf allen Stockwerken mit der Marke in Interaktion bringen.

Nike sieht die Zukunft des stationären Handels klar in der direkten Einbeziehung der Konsumenten vor Ort wie etwa durch Personal Shopping-Services, die in Geschwindigkeit und in persönlichem Touch digitalem Shopping in nichts nachstehen dürften, heißt es aus dem Unternehmen. Ganz neu ist in der New Yorker Dependance der sogenannte Speed Shop. Hier werden die Regale auf Basis lokaler Daten bestückt. Es handelt sich dabei um das selbe Prinzip wie beim Melrose-Store in Los Angeles, nur in einer deutlich erweiterten Größenordnung. Mitglieder der Nike-Plus-Community können hier auch Produkte per Telefon reservieren und in eigenen Packstationen bis zur Abholung lagern lassen.

LS29 Urban Market in Rodigo

Bitte einsteigen. Ein etwas sperriger Name, noch dazu in der italienischen Provinz, aber ein Konzept, das absolut sehenswert ist, das ist der im Herbst im renommierten Geschäft Lidia Shopping eröffnete LS29 Urban Market. Ein Laden im Laden, der durch das besondere Store Design aus dem Rahmen fällt.

Auf einer Fläche von 250m² werden rund 50 Luxus Streetwear Labels und zahlreiche Sportswear-Kollektionen, darunter Off-White, Heron Preston, Palm Angels, Marcelo Burlon, GCDS, Nike und Adidas, in einer an einen U-Bahn Waggon erinnernden Atmosphäre angeboten. Fünf Linien gibt es: Street Fashion, Streetwear, Sportswear, High Fahion und Klassiker, nennen sie die Macher um Federico Scalogna, der außer Eigentümer von Lidia Shopping auch Miteigentümer von Wise mit vier Läden ist. Das Store Design wurde von Roberto Baciocchi konzipiert, der auch für zahlreiche andere Luxusunternehmen wie Prada und Mytheresa arbeitet. 

Stella McCartney in London

Luxus, grün. Dafür steht Stella McCartney wie keine andere. In ihren Kollektionen findet man kein echtes Leder und keinen Pelz. Und in ihrem im Sommer eröffneten Laden an der Old Bond Street, zwischen namhaften Luxuslabels, keinen auf Hochglanz polierten, Reichtum atmenden Ladenbau. Edle Metalle und feine Steine wie Marmor? Fehlanzeige. Stattdessen steht der 700m² große, viergeschossige Laden der Beatle-Tochter voll und ganz unter der Überschrift Nachhaltigkeit. Und das mit sehenswertem Store Design.

Der grüne Appeal ist schon direkt im Erdgeschoss unübersehbar. Stella Rock's ist eine speziell für den Laden angefertigte Steingarteninstallation, bepflanzt mit Moos und Thymian. Natürliches Licht fällt durch den Indoorgarten im Lichthof. Für saubere Luft sorgt eine von der Firma Airlabs entwickelte Technologie, die durch einen energie- und wartungsarmen Prozess 95% der Schadstoffe und Stickoxide entfernen soll. Selbst die Schaufensterfiguren sind nachhaltig. Stella McCartney hat dafür die B Plast Mannequins von Bonaveri ausgesucht, die aus einem aus Zuckerrohrderivaten hergestellten Plastik bestehen und komplett biologisch abbaubar sind. Dass Nachhaltigkeit nicht nach Öko aussehen muss, zeigen die dekorativen Wandpaneele aus handgefertigtem Pappmaschee, hergestellt aus Büroabfällen, Schaumstoffmöbel aus Recyclingmaterialien und massive, alte Holzblöcke.

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