Prinzipalmarkt 34. In Münster gibt es wohl keinen Postboten, keinen Kurier und erst recht keinen Schuhliebhaber, der diese Adresse nicht kennt. Immerhin seit 1911 hat hier das Stammhaus der Schuhhandelsdynastie Zumnorde seinen Sitz. Jetzt wird das Flaggschiff − auch wenn die Zumnordes dieses Wort so wohl niemals verwenden würden − nach aufwändiger, achtmonatiger Umbauphase bei laufendem Betrieb neu eröffnet.

Es ist ein Store für die Zukunft, der stationäres und digitales Business wegweisend miteinander verknüpft, ungewöhnlich vorwärtsgerichtet für einen eigentlich traditionellen Schuhhändler. Rund 3,5 Mio. Euro hat sich die Familie, die mittlerweile in fünfter Generation agiert, das kosten lassen. Gut zwei Jahre hat sie im Vorfeld recherchiert, war sie zu Inspiration und Recherchezwecken weltweit in Metropolen unterwegs.

„Das Stammhaus am Prinzipalmarkt in Münster ist für uns 'heiliger Gral' und europaweite Visitenkarte. Daher die Frage im Vorfeld: Wie muss ein stationäres Geschäft heute aussehen, damit es auch in 20 Jahren noch am Puls der Zeit ist? Wir haben uns dazu Locations in London, Tokio, Bangkok und New York angesehen. Das gerade fertiggestellte Geschäft steht für 'tradition meets digitalization' par excellence: kosmopolitische Eleganz, gepaart mit interaktiven Touch Screens, digitalen Gadgets und einem perfekten Zusammenspiel von Off- und Online“, legt Thomas Zumnorde dar. Im Alter von 30 Jahren tritt der international studierte Betriebswirt 2011 in die Geschäftsführung ein, steht seither gemeinsam mit seinem Vater Franz-Josef und seinem Onkel Heinrich an der Spitze des Unternehmens. Unter seiner Federführung geht 2013 denn auch der eigene Webshop ans Netz, für den heute rund 25 Mitarbeiter tätig sind.

Digitalisierung − sie ist Thomas Zumnordes Steckenpferd. Und nimmt auch in Münster eine Schlüsselrolle ein. Gemeinsam mit Shopmacher, dem Spezialisten für Enterprise E-Commerce-Plattformen, Videro und digitale Markenerlebnisse, wurden für das Haus am Prinzipalmarkt sprechende Schaufenster mit interaktiven Displays entwickelt und sowohl außen als auch innen integriert. „Kunden im stationären Handel digital anzusprechen als auch Off- und Online-Welten mit den jeweiligen Services und Vorteilen perfekt miteinander zu verbinden, gehört neben einem international gültigen Auftritt zu den Erfolgskritieren eines Geschäfts für die Zukunft“, ist Thomas Zumnorde überzeugt. Das im Schaufenster installierte 55 Zoll Touch-Display spricht über verbaute Lautsprecher auch außerhalb der Öffnungszeiten automatisch Passanten an, die via Bewegungsmelder erfasst werden.

Auch innerhalb des Schuh-Stores − im Damen- wie im Herrenbereich − sollen interaktive Screens das Verkaufspersonal unterstützen. Eingespeiste Produktinfos sowie Videos helfen dabei. Die mit RFID-Chip versehenen Schuhe müssen die Kunden lediglich in die Nähe der Bildschirme halten, um die zusätzlichen Infos abzurufen. Zumnorde: „Die Beratung wird wesentlich umfassender, emotionaler und ziegerichteter. Verkäufer können nicht nur Informationen zu bestimmten Produkten in die Vorauswahl nehmen und im Kundengespräch abrufen. Erklärungen zum handgefertigen Schuh via Display beispielsweise verschaffen zudem das Gefühl eines direkten Einblicks in den Entstehungsprozess.“

Doch Zumnorde wäre nicht Zumnorde, wenn nicht auch physisch einiges geboten würde im neuen Stammhaus, das unter der Leitung des Architekturbüros Roters+Hölscher, Münster, umgestaltet wurde. Da trifft im Eingangsbereich schwarzer Granit mit elfenbeinfarbenen, goldenen und weißen Quarzeinschüssen auf viel Gold und helles Holz. Das wohl prägnanteste Element in der Damenabteilung im EG: ein opulenter Kettenvorhang, 87m² groß, bestehend aus 10.000 Bronzeringen pro Quadratmeter, gefertigt von Alphamesh in Pforzheim. Noch so ein Higlight: ein zwölfbeiniger Bibliothektstisch aus dem 19. Jahrhundert, erstanden bei Sotheby's.

„Kunden im stationären Handel digital anzusprechen, Off- und Online-Welten mit den jeweiligen Services und Vorteilen perfekt miteinander zu verbinden, gehört neben einem international gültigen Auftritt zu den Erfolgskritieren eines Geschäfts für die Zukunft“

Thomas Zumnorde
Die Wände schmücken luxuriöse Fliesen der italienischen Manufaktur Mutina genauso wie aufwändige Tapeten, etwa in Schlangenhautoptik, von Arte und Elitis. Die pinkfarbenen Sessel und schlichten Stühle stammen von Minotti, Sonderanfertigungen von Backmann aus Senden und von dem lokalen Polsterer Frönd ergänzen die Riege an Sitzmöglichkeiten. Räume im Raum werden durch andersfarbige Möbel, wechselnde Böden und Rückwände geschaffen. Rundungen und sanfte Farben machen Zumnordes Damenwelt feminin, warm und modern zugleich.

Die Männerwelt im Obergeschoss steht dem in nichts nach. Selbstredend maskuliner und in dunkleren Tönen gehalten, wurde hier etwa Eichenholzparkett verlegt, im Handmade-Bereich sogar Sohlenleder. Darüber hinaus: Ledersessel, ein Kaminzimmer − in das im Übrigen ebenfalls ein Touch Display einlädt − sowie eine Sportwelt mit Wintergarten und Dachterrrasse. Zeitlose Stühle von Zanotta ergänzen das Interior, ebenso − wie bei den Damen − Sonderanfertigungen.

Und schließlich die Kinderwelt im Untergeschoss − seit 1954 ein Highlight, nicht nur der langen Holzrutsche wegen, die die jüngsten Zumnorde-Kunden so lieben und die jetzt komplett überarbeitet wurde. „Von ihr konnten und wollten wir uns nicht trennen“, sagt Thomas Zumnorde. „Die Rutsche aus Eschenholz gehört seit Generationen zu uns.“ Daneben machen das UG große Produktinseln aus, indirekt bunt beleuchtete Deckenabhängungen, Designer-Glasleuchten in Form von Luftballons. Während sich alle Etagen deutlich in Look und Feel unterscheiden, ist ihnen eines jedoch gemein: die neueste Generation von LED-Licht.

Die insgesamt 2500m² verteilen sich auf drei Etagen, die Verkaufsfläche misst 1080m². Saisonal sind hier rund 70.000 Paar Schuhe am Lager. Das Stammhaus gehöre zu den drei umsatzstärksten Häusern des Unternehmens, verrät Thomas Zumnorde. Die Immobilie liegt im Besitz der Familie. Es ist nicht die einzige. „Eigene Immobilien machen uns unabhängig und unterscheiden uns wesentlich von schnell wechselnden Filialisten unserer Zeit“, so Zumnorde. „Wir lassen uns an Standorten in ausgesuchten 1a-Lagen nieder, prägen das Gesicht einer Stadt mit und bleiben. Wir bieten Stabilität und Kontinuität, sowohl als Händler für unsere Kunden, als Partner für unsere Lieferanten und natürlich vor allem auch als stabiler Arbeitgeber.“

Neben Münster zählen 27 weitere Geschäfte zum Zumnorde-Portfolio, zu finden etwa in Bielefeld, Dortmund, Dresden, Köln, Leipzig, Oldenburg, Osnabrück und Erfurt, wo die Familie seit den 90ern zudem ein eigenes Hotel betreibt. Verwaltung, zentraler Wareneingang sowie Zentrallager sitzen am Rand der Münsteraner Innenstadt. 750 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, darunter 60 Azubis.

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