Gentle Monster, liebenswürdiges Ungeheuer – so heißt ein südkoreanisches Label aus Seoul, das neben seinen hochmodischen Brillen vor allem mit aufsehenerregendem Store-Design von sich reden macht. Medienberichten zufolge sollen sich im Unternehmen sechs Leute mit dem Design der Brillen und 60 mit dem der Läden beschäftigen. Das mag nur ein Gerücht sein, fest steht aber, die Gentle Monster-Läden sind für jeden an Retail Design Interessierten einen Besuch wert. Jetzt muss man dafür nicht mehr nach Asien oder in die Vereinigten Staaten reisen, denn das 2011 gegründete Unternehmen hat sich aufgemacht, Europa zu erobern.

Standort des ersten Ladens ist London. An der Argyll Street, nahe Oxford Circus, wurde ein gut 400m² großer Flagship-Store auf zwei Ebenen eröffnet. Er zeigt, wie stationärer Retail in Zeiten stetig sinkender Kundenfrequenzen spannend, unterhaltsam und attraktiv gestaltet werden kann und so zu einem echten Einkaufserlebnis wird.

Wer Gentle Monster nicht kennt, wird sich beim flüchtigen Vorbeibummeln an den Schaufenstern vermutlich eher vor einer Kunstgalerie vermuten als vor einem Laden. Das ist Konzept. Denn alle 15 Flagship-Stores des Brillen-Labels sind irgendwie künstlerisch inspiriert, teilweise von Künstlern gestaltet und erzählen eine eigene Geschichte. In London sind es gleich zwei Themen, die von den Store-Designern umgesetzt wurden: Aliens meet Kung Fu. Der Plot ist schnell erzählt: Aliens haben einen Funkspruch von der Erde mit Informationen über die Kampfsportart erhalten, Kung Fu wird daraufhin die populärste Kultur auf dem außerirdischen Planeten.

Umgesetzt wird die Geschichte über sich bewegende Installationen und audiovisuelle Displays. Der Kunde betritt zunächst eine Art Trainingsgelände, auf dem Aliens, die Kleidung aus Strohmatten tragen und mit metallenen Armen versehen sind, verschiedene Kung Fu-Techniken zeigen. Alle acht Minuten ertönt ein Gong. Rund um das Trainingsgelände sind große Displays mit Video-Installationen eines Wasserfalls platziert – eine Neuauflage des Video-Kunstwerks „Octfalls“ von Ryoichi Kurokawa. Der Wasserfall soll für die Ruhe und Meditation stehen, die auf eine Kampfsport-Trainingseinheit folgt. Das Erdgeschoss sei ein Erlebnis für die Sinne, sagt Gary Bott, Head of UK & Europe. Sehen, hören, fühlen, sogar ein spezieller Duft werde für jeden Store entwickelt.

Die Customer Journey geht im Basement weiter, dort wird ein Großteil der Produkte gezeigt, und dort befinden sich auch die Kassen. Selbstverständlich wird auch die Alien-Story hier fortgesetzt. Inmitten eines Bambuswaldes findet ein Kung Fu-Kampf statt. Inspirationsquelle: der vielfach preisgekrönte Martial Arts-Film „Tiger and Dragon“ von Ang Lee.

Gentle Monster wurde 2011 in Seoul von Hankook Kim gegründet. Im vergangenen Jahr ist der Luxuskonzern LVMH über seine Investmentsparte L Catterton Asia mit einer Minderheitsbeteiligung ins Unternehmen eingestiegen. Gentle Monster betreibt außer dem neuen Store in London sechs Läden in Korea (Seoul, Busan und Daegu), fünf in China (Hongkong, Peking, Schanghai und Chengdu), einen in Singapur sowie zwei in den USA (New York und Los Angeles). 25 Flächen befinden sich in Department Stores − bei Selfridges war Gentle Monster acht Wochen lang bis zur Eröffnung des eigenen Ladens in London mit einem Pop-up vertreten — und Duty-Free-Stores. Bekannt geworden ist das Label auch über seine Kooperationen, z.B. mit Tilda Swinton, Hood by Air, Moooi, Henrik Vibskov und Alexander Wang.



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