Digitalisierung ist immer. Und Digitalisierung ist überall. Diese Thesen würden wohl die meisten Teilnehmer des Digital Fashion Summit unterschreiben, den die TextilWirtschaft heute in Frankfurt veranstaltet hat. Rund 300  Teilnehmer aus allen Bereichen der Branche sind ins Marriott Hotel gekommen. Die Nachfrage und das Informationsbedürfnis waren so groß, dass der Kongress in eine größere Location als eigentlich geplant umziehen musste.

Es ging um die Chancen und Herausforderungen, die die Digitalisierung der Modebranche mitbringt. Und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Angefangen beim Kunden, über den unter anderem Thomas Ebenfeld referierte. „Eine große Herausforderung ist die zurückgehende Bindung der Käufer an Marken und Geschäfte”, sagt der Managing Partner der Unternehmensberatung Concept M. Die Vielfalt der Möglichkeiten überfordere viele Kunden. „Ein entscheidender Wettbewerbsfaktor ist deshalb, den Kunden Orientierung zu geben und sie so an sich zu binden.” Consumer first - diese Einstellung hat sich quasi durch alle Vorträge gezogen. „Das ist der grundlegende Ansatz, um Modeunternehmen zukunftsorientiert auszurichten“, sagt Hans Peter Hiemer, Managing Partner von Business4Brands, in seinem früheren Berufsleben unter anderem Topmanager bei der CBR-Gruppe (Street One, Cecil). „Voraussetzung dabei ist, dass die digitalen Lösungen für den Konsumenten barrierefrei integriert sind.”
TW-Chefredakteur Michael Werner auf dem Digital Fashion Summit im Gespräch mit Digitalisierungs-Experte Hans Peter Hiemer.
Thomas Fedra
TW-Chefredakteur Michael Werner auf dem Digital Fashion Summit im Gespräch mit Digitalisierungs-Experte Hans Peter Hiemer.
Der Mehrwert für den Kunden steht auch für Henning von Einsiedel im Mittelpunkt aller Initiativen rund um die Digitalisierung. Dazu gehört für den COO der Holy Fashion Group (Strellson, Windsor, Joop!) auch eine schnellere Produktentwicklung. Dort setzt von Einsiedel vor allem auf die digitale Produktentwicklung und Lieferantennetzwerke. „Das wird die Prozesse massiv verändern”, ist er sich sicher. Ein entscheidender Faktor bei der Umsetzung der Digitalisierung - auch da waren sich alle einig - sind die Mitarbeiter.
Günther Althaus von ANWR auf dem Digital Fashion Summit: "Wie kann es sein, dass ein Algorithmus Kundenwünsche besser voraussagen kann, als das Personal?"
Thomas Fedra
Günther Althaus von ANWR auf dem Digital Fashion Summit: "Wie kann es sein, dass ein Algorithmus Kundenwünsche besser voraussagen kann, als das Personal?"
Bei der Holy Fashion Group treibt man das Thema ausschließlich mit eigenen Mitarbeitern und bestehenden Teams an. Von Einsiedel: „Wir müssen die Digitalisierung als eine faszinierende Chance sehen und den Mitarbeitern auch so vermitteln.”
Google-Manager Christian Bärwind erklärte auf dem Digital Fashion Summit, wie agile Führung gelingt.
Thomas Fedra
Google-Manager Christian Bärwind erklärte auf dem Digital Fashion Summit, wie agile Führung gelingt.
Dass die Digitalisierung Chefsache ist, findet auch Christian Bärwind, Industry Leader Retail, Strategic Partnerships, Google. Weil im digitalen Zeitalter das Tempo anzieht, plädiert der Google-Manager für einen agilen Führungsstil mit flachen Hierarchien, viel Empathie und einem Leadership-Cycle, „bei dem die Mitarbeiter dazu befähigt werden, Entscheidungen selbst zu treffen”.

Mehr zu den zentralen Punkten, die auf dem Digital Fashion Summit diskutiert wurden, lesen Sie ab Mittwoch, 6. Juni, 18 Uhr, in der TextilWirtschaft auf dem Smartphone oder Tablet für Android sowie iOS und ab Donnerstag, 7. Juni, in der gedruckten Ausgabe.