„Das Entscheidende für den Unternehmenserfolg läuft heute hinter den Kulissen, in der Digitalisierung der gesamten Supply Chain.” Mit diesen Worten eröffnete TW-Chefredakteur Michael Werner an diesem Freitag den ersten „Fashion Supply Chain Summit” der TextilWirtschaft und der Schwestergesellschaft dfv Conference Group. Einen Tag lang diskutierten Logistikexperten, Forscher und Unternehmensberater vor über 200 Teilnehmern aus Handel, Industrie und dem Dienstleistungssektor über die Herausforderungen, die sich durch die digitale Transformation in der gesamten textilen Wertschöpfungskette ergeben.

Wie stark die Kunden diese Veränderungen fordern, belegen die Umfrage-Ergebnisse, die Axel Nitschke von der Unternehmensberatung PwC Strategy& präsentierte. So beeinflusse zwar der Markenname noch immer mit einem Anteil von 38% die Kaufentscheidung am stärksten. Gleich danach folgt jedoch die Verfügbarkeit der Produkte, die für 31% wichtigstes Kriterium darstellt. Die Meldung „Die Ware ist woanders nicht verfügbar”, animiere 27% zur Bestellung. Eine verlässliche Lieferung überzeuge 26% der fast 30.000 befragten Konsumenten.



„Damit wachsen die Anforderungen an die Supply Chain bis zur letzten Meile natürlich rapide”, resümiert Nitschke. Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehöre, dass die Supply Chain keine Kette mehr sei, sondern ein „Kreislauf, der komplett vernetzt ist”.

Eine der Grundvoraussetzungen dafür ist laut Andreas Stockert die Einführung von RFID bis hin zur Blockchain. Damit lasse sich der Umsatz - je nach Segment - um 3 bis 12% steigern, die Umschlagsgeschwindigkeit um zwei bis drei Drehungen erhöhen und die Abschriften um 2 bis 4% reduzieren. „Damit steigt die EBITA-Rate um bis zu fünf Prozentpunkte. Und die Leadtimes können um bis zu 50% sinken”, rechnet der Senior-Partner der Beratungsfirma Horn & Company vor.

Wie die Digitalisierung in der Praxis läuft, berichtet Carina Tyralla, Vice President Global Chain Management bei Tom Tailor. „Das Monster der Digitalisierung ist für uns nur ein Tool, ein Werkzeug auf dem Weg zu mehr Transparenz, Kontrolle und Flexibilität. Im Fokus steht, was der Kunde wirklich will - und das sind für uns der Wholesaler, der Retailer und der Endkunde. Das macht diese Prozesse besonders komplex”, berichtet Tyralla.

„Letztlich muss das Produkt den Kunden ansprechen, sonst ist die beste Supply Chain nichts wert”, bestätigt Jan Hilger, Global Head of Supply Chain bei Triumph. Für ihn fängt die Wertschöpfungskette deshalb beim Designer an. „Das ist ein roter Faden, der sich durch das gesamte Unternehmen zieht. Vom Markenkonzept bis zur Lieferfähigkeit."

Bei Orsay wird dieser rote Faden derzeit komplett analysiert und mit einem starken Fokus auf Omnichannel umstrukturiert. Der Modefilialist verfolgt das ehrgeizige Ziel, spätestens 2022 ein Drittel des anvisierten Umsatzes von 1 Mrd. Euro im Online-Shop zu erwirtschaften. Schon jetzt trage der E-Commerce 18% zum Umsatz bei, berichtet COO Daniel Gehring. Eigens für dieses Wachstum wird derzeit ein neues E-Commerce-Lager am Firmensitz Willstätt als Ergänzung zum bestehenden Zentrallager in Polen gebaut. „Wir stellen die gesamte Supply Chain neu auf, arbeiten mit virtuellen Beständen, diskutieren das Thema Ship from Store. Die Komplexität steigt enorm”, erklärt Gehring.

Weitere Best Practice-Beispiele für die Umsetzung dieser komplexen neuen Herausforderungen lieferten während der Konferenz unter anderem Pure Player wie Zalando und MyTheresa, aber auch Dienstleister wie Arvato, BLG und Dematic.
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