170 Mitarbeiter betroffen

Roberto Cavalli will die Toskana verlassen

Martin Veit

Die Luxusmarke Roberto Cavalli kommt nicht zur Ruhe. Der neue Eigentümer aus Dubai plant, den Sitz bei Florenz zu schließen und alle Mitarbeiter nach Mailand zu holen. Die Gewerkschaften sind entsetzt und gehen auf die Barrikaden.

Die neuen Eigentümer von Roberto Cavalli kappen die historischen Wurzeln. Demnach plant der Mehrheitsgesellschafter Hussain Sajwani aus Dubai, der im vergangenen Jahr die Kontrolle über die Luxusmarke übernommen hat, den Firmensitz in der Toskana zu schließen.


Laut dem Betriebsrat hat Roberto Cavalli angekündigt, 170 Mitarbeiter von Sesto Fiorentino bei Florenz nach Mailand zu verlegen. Das solle in den „kommenden Monaten“ geschehen, heißt es bei den Gewerkschaften Filctem und Femca. Das Unternehmen bestätigt die Idee und spricht davon, die „administrativen und kommerziellen“ Funktionen in Mailand zusammenziehen zu wollen.

Die Gewerkschaften gehen hart mit der neuen Führung ins Gericht. Sie werfen den neuen Eigentümern vor, sich über Monate komplett über die „industriellen Perspektiven“ ausgeschwiegen zu haben. Während andere Firmen sich auf den Neustart nach Covid-19 vorbereiten würden, scheine Roberto Cavalli sich für die Konsequenzen einer solchen Verlegung nicht zu interessieren. Sie fordern, dass ein Krisenstab mit der Regionalregierung der Toskana einberufen wird.

Mailand Fashion Week: Roberto Cavalli H/W 2019/20

Die Luxusmarke ist zu solch einem Treffen bereit. „Wir wünschen uns, dass solch ein Treffen in den kommenden Wochen stattfindet. Wir hoffen, dass gemeinsam Lösungen gefunden werden, die alle Beteiligten mittragen.“ Die neuen Eigentümer bekräftigen dabei ihre Absicht, die Marke Roberto Cavalli wieder nach vorne zu bringen und sprechen von „Weiterentwicklung“.

Roberto Cavalli kommt einfach nicht zur Ruhe. Im vergangenen Jahr hing die Zukunft des Unternehmens über Monate in der Schwebe, nachdem der damalige Eigentümer, die Private Equity-Gesellschaft Clessidra, nicht mehr bereit war, frisches Geld einzuschießen, und die Luxusmarke zum Verkauf stellte. Zu den Interessenten zählte zwischenzeitlich Philipp Plein. Am Ende machte Hussain Sajwani das Rennen, dessen Damac-Gruppe mit Cavalli ein Fünf-Sterne-Hotel in Dubai hochzieht.

Mailand Fashion Week: Roberto Cavalli F/S 2019

Die vorherigen Eigentümer bewiesen wenig Fortüne. Sie beauftragten den früheren Versace-CEO Gian Giacomo Ferraris mit der Comeback-Mission. Ferraris verpflichtete mit Paul Surridge einen neuen Kreativdirektor, holte Lizenzen zurück ins Unternehmen, senkte die Kosten und forcierte die Menswear. Auf dem Berliner Kudamm eröffnete er den ersten deutschen Flagship-Store der Marke. Allerdings fanden die Kollektionen von Surridge im Handel wenig Anklang, was Roberto Cavalli in finanzielle Nöte brachte.

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