Sechs Fragen an CBR-CEO Jim Nowak

"Frühjahrskollektionen einlagern? Das würde zu einem Desaster führen"

CBR
CBR-Chef Jim Nowak: "Wir planen ausdrücklich keinen Stellenabbau"
CBR-Chef Jim Nowak: "Wir planen ausdrücklich keinen Stellenabbau"

Im Handel findet eine Idee gerade großen Zuspruch: Frühjahrskollektionen, die nun nicht verkauft werden können, ein Jahr einlagern. Warum CBR-Chef Jim Nowak dagegen ist − und warum er keine Stellen abbauen will.

TextilWirtschaft: Herr Nowak, Esprit flüchtet gerade unter den Schutzschirm, Tom Tailor hat Geldsorgen, S.Oliver streicht 170 Stellen. Wie sieht es bei CBR aus?
Jim Nowak: Wir haben in den letzten drei Jahren unsere Hausaufgaben gemacht und unsere Organisation extrem verschlankt und sind heute sehr effizient aufgestellt. Wir planen ausdrücklich keinen Stellenabbau. In den Bereichen, die direkt von der Schließung betroffen sind, haben wir ebenfalls Kurzarbeit angemeldet.




Was haben Sie getan, als klar war, dass die Läden schließen?
Wir haben sehr früh Entscheidungen getroffen. Schnell ist immer gut. Wir haben entschieden, die Kollektion 04 nicht auszuliefern. Das hat den Handelspartnern Luft verschafft – und uns natürlich viel Geld gekostet.


Wie planen Sie gerade?
Zunächst mal wissen wir ja noch nicht genau, wann wir und unsere Handelspartner die Läden wieder öffnen können. Wir bereiten uns natürlich auf mehrere Szenarien vor. Ebenso gehen wir davon aus, dass es nach der Ladenöffnung vermutlich noch bei einigen Einschränkungen im öffentlichen Leben bleiben wird und wir im weiteren Verlauf des Jahres Frequenz- und Umsatzrückgänge akzeptieren müssen. Hierauf sind wir vorbereitet. Glücklicherweise haben wir in unserem Unternehmen zwei starke Jahre hinter uns und werden auch die Krise meistern. Durch unseren schnellen Order- und Lieferzyklus können wir den Warenbedarf gut steuern und unsere Partner bedarfsgerecht mit frischer Herbst-/Winter-Ware versorgen. Wir bauen darauf, dass der Handel gerade jetzt Partner braucht, die eine hohe LUG garantieren. Hier ist die CBR Gruppe mit beiden Marken führend.




Lassen Sie Kollektionen aus?
Ja, wir haben die Juli-Kollektion ausgelassen, um dem Handel entsprechend weiter Luft zu verschaffen. Die August-Kollektion werden wir erst in Kürze verkaufen. Für die September-Kollektion sind wir erst in der Konzeptionsphase. Durch unser Tempo sind wir hier zum Glück sehr flexibel.


Manche Händler wünschen sich, Frühjahrskollektionen aufs Lager zu legen und nächstes Jahr zu verkaufen.
Das geht im mittelmodischen Bereich auf keinen Fall. Vielleicht mit ein paar Teilen wie der Standard-Jeans. Bei uns sind auch Basics jedes Jahr stark und sichtbar abgewandelt. Nur dadurch bleibt eine Fläche frisch und für die Kundin relevant. Davon abgesehen werden auch Zara und H&M ja nicht die Zeit anhalten. Wir leben in einem offenen Markt. Das würde zu einem Desaster führen.


Worauf kommt es in Zukunft an?
Der Handel braucht Kollektionen mit einer hohen LUG. Liquidität hat Priorität. Wir fokussieren uns weiterhin auf unser erfolgreiches Geschäftsmodell: „Für unsere Zielgruppe relevante, moderne und schnelldrehende Produkte mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Alles andere ist unwichtig.
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