7 Perplex-Inhaber Philipp Kassel

Resale als Investment: "Sneaker statt Bitcoins"

Philipp Kassel
7 Perplex-Inhaber Philipp Kassel würde limitierte Botcoins jederzeit als Investment vorziehen
7 Perplex-Inhaber Philipp Kassel würde limitierte Botcoins jederzeit als Investment vorziehen

Das Produkt Turnschuh, insbesondere limitierte Sneaker, hat auch während der Krise gut performt. Ein wichtiger Treiber, der für eine hohe Aufmerksamkeit sorgt und auf die Begehrlichkeit des Segments einzahlt, ist dabei der Resale. Entsprechende Konzepte spielen dabei nicht nur im Netz, sondern zunehmend auch auf der stationären Fläche eine Rolle.

Von der Bedeutung der stationären Flächen für sein Geschäft ist auch Philipp Kassel, Inhaber der Resale-Plattform für Sneaker und Bekleidung 7 Perplex, überzeugt. Im TW-Interview spricht er über Marktlücken im deutschen Einzelhandel, Sneaker als hochspekulative Anlageform und die aktuell wichtigsten Turnschuh-Trends.


TextilWirtschaft: Herr Kassel, sind Sneaker als Investitionsgut gerade in Krisenzeiten besonders interessant für Verbraucher?
Philipp Kassel: Selbstverständlich gibt es viele Sammler, die in limitierten Hype-Sneakers eine langfristige, spekulative Investition sehen. Wir machen selbst nichts anderes, da wir bei neuen Releases oft größere Mengen einkaufen und einen Teil der Schuhe einlagern. Beispielsweise lag der Nike Air Jordan 1 Rookie Of The Year zum Release vor zwei Jahren bei rund 200 Euro im Einkauf. Heute wird das Modell für 500 Euro gehandelt. Eine hochspekulative Anlageform, allerdings ist der Verlust auf den Einzelhandelspreis begrenzt und die Entwicklung der Trends oft vorhersehbar, wenn man täglich das Marktgeschehen verfolgt. Würde mich ein Privatanleger heute fragen, ob er sein Kapital voraussehbarer mit Bitcoins oder 250 Paar Nike Air Jordan 1 Mid Banned in kurzer Zeit verdoppeln könnte, würde ich ihm ohne zu überlegen zu den Sneakers raten. Und das sage ich als großer Fan von Kryptowährungen.

Wie ist 7 Perplex bislang durch die Krise gekommen?
Wir sind im vergangenen Jahr gewachsen. Durch die verhängten Shutdowns mussten wir jedoch im ersten und letzten Quartal leider mehrere Pop-up-Termine absagen. Da wir viel Ware für diese Events einkaufen, kam es durch die kurzfristigen Absagen zu leichten Liquiditätsengpässen. Viele unserer langjährigen Kunden haben jedoch zu dieser Zeit online bestellt, so dass wir diese Positionen schnell wieder abbauen konnten. Grundsätzlich ist die Nachfrage zu Beginn der Pandemie weitestgehend stabil geblieben und hat sich über den Sommer stetig erhöht. Zum Winter hin gab es einen leichten Rückgang, während wir aktuell zum Auftakt des chinesischen Neujahrs wieder eine erhöhte Nachfrage feststellen.


Sie sprachen Pop-ups an. Unter anderem sind Sie Ende Novemer 2020 im KaDeWe mit einer entsprechenden Fläche gestartet. Resale ist ein ungewöhnliches Konzept für den klassischen Einzelhandel.
In den vergangenen zwölf Monaten haben wir gelernt, dass wir viele ungewohnte Wege gehen müssen, um unsere Ziele zu erreichen. Dies trifft selbstverständlich auch auf den Einzelhandel zu. Sowohl Breuninger als auch die KaDeWe Group, zu der das KaDeWe, das Alsterhaus und Oberpollinger gehören, treffen mit den Resale-Pop-ups den aktuellen Zeitgeist, denn Kaufhäuser müssen zu luxuriösen Erlebnistempeln werden. Dazu gehören neben hochwertiger Gastronomie und Fashion-Events auch das Angebot von limitierten Produkten wie Hype-Sneakern. Im Rahmen unserer Partnerschaft profitieren wir dabei von zahlreichen Synergie-Effekten, da sich unsere Zielgruppen sehr ähneln. Wer bei uns einen Nike Air Jordan 1 kauft, holt sich zwei Meter weiter dazu ein passendes Palm Angels Shirt.

Ist der stationäre Einzelhandel ein Weg zum Kunden, den Sie langfristig gehen wollen? Welche Chancen sehen Sie hier?
Da bisher jeder Pop-up-Store in den vergangenen Jahren hochfrequentiert war und für alle Beteiligten ein voller Erfolg gewesen ist, werden wir unsere Kooperationen 2021 nach Öffnung der Läden weiter intensivieren. Gerade in der zweiten Jahreshälfte sehen wir Potenzial durch die in 2020 ausgebliebenen Touristen. Für uns als ursprünglich reiner E-Store bleibt der stationäre Einzelhandel trotz Online-Boom von elementarer Bedeutung. Was den stationären Vertrieb von limitierten Sneakers angeht, sehen wir in Deutschland noch eine große Marktlücke. Zudem haben unsere Kunden auf der Fläche Möglichkeiten, die wir online nicht realisieren können, beispielsweise die Anprobe und Rückgabe.

Was sind die aktuell wichtigsten Sneaker-Trends?
Zu den stärksten Treibern in der Branche rund um limitierte Sneaker zählen weiterhin die exklusiven Kooperationen der beiden relevantesten Marken Nike und Adidas mit verschiedenen Künstlern. Virgil Abloh, Kanye West oder Travis Scott etwa sind zu Helden der jungen Generation geworden und geben auf den sozialen Medien den Trend vor. Im Mittelpunkt der Kooperationen steht die Identifikation der Fans mit ihren Idolen.

Haben auch Nischen-Labels neben den Big Brands eine Chance, Hypes auszulösen?
Gerade in dieser Branche ist es für kleinere Brands sehr schwer, den Mainstream zu erreichen. Ihnen fehlen häufig die Mittel, die börsennotierte Konzerne ausreichend zur Verfügung haben. Will ein Label im Trend liegen, muss es über einen längeren Zeitraum von den Meinungsführern gepusht werden. Viele von ihnen haben jedoch bereits lukrative Verträge mit großen Unternehmen. Neu kreierte Designs lösen zudem deutlich seltener einen Hype aus als neu interpretierte, bereits bekannte Silhouetten.

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