#75JahreTW: Luxus-Caterer Ulrich Dahlmann

Bryan Ferry und die Lust an Opulenz

Dahlmann Catering
Ulrich Dahlmann hat sein Catering-Unternehmen 2007 gegründet. Modeunternehmen machen die Hälfte seiner Klientel aus.
Ulrich Dahlmann hat sein Catering-Unternehmen 2007 gegründet. Modeunternehmen machen die Hälfte seiner Klientel aus.

Wie feiert die Modebranche? Was zeichnet die perfekte Party, einen exzellenten Gastgeber aus? Ein ganz seriöser Party-Talk mit einem Mann, der es wissen muss: Luxus-Caterer Ulrich Dahlmann, der nicht nur bei vielen Boss-Partys den Gästen die Wünsche von den Augen abliest.

TextilWirtschaft: Was war das schönste Event, bei dem Sie das Catering ausgerichtet haben?
Ulrich Dahlmann:
Für uns als Manufaktur ist jedes Event besonders. Aber die dritte Veranstaltung kurz nach dem Start unseres Unternehmens 2007 – eine große Fashion-Party in Berlin mit Laufsteg unter dem Brandenburger Tor und anschließender Party in der Russischen Botschaft – ist mir schon besonders in Erinnerung geblieben. Da ging es los für uns mit den großen Events. Die riesigen Fashion Week-Partys in Berlin haben mich einfach fasziniert. Allein schon durch die einzigartigen Locations, die es nur dort gibt. Aber auch durch die ganze Stimmung und eine Lust an Opulenz.


Was macht denn überhaupt eine richtig gute Party aus?
Natürlich, dass man den richtigen Caterer gebucht hat (lacht). Nein, im Ernst, natürlich macht der Gastgeber eine gute Party aus. Dass der entspannt bleibt, souverän ist, mit seinen Gästen kommuniziert und selbst mitfeiert, ist ganz wichtig. Aber auch das Surrounding. Gibt es genügend Bar- und Gourmet-Stationen? Bekommen die Gäste sofort und jederzeit einen charmanten unauffälligen Service und immer wieder ein frisches Glas in die Hand? Am besten liest man den Gästen die Wünsche von den Augen ab. Also gar nicht groß ansprechen, sondern einfach aufmerksam und charmant dabei sein. Wichtig sind auch der richtige DJ oder die richtige Band. Wir hatten mal ein Event mit Bryan Ferry als Stargast, der aus dem Nichts plötzlich mit Konfetti-Kanonen im Rampenlicht stand. Das war sensationell.

Bryan Ferry und Opulenz – feiert die Modebranche denn anders oder ausgelassener als andere Branchen?
Natürlich ist die Modebranche sehr auf die Ästhetik, das Look and Feel bedacht. Man achtet besonders stark auf die Inszenierung, den Gesamtrahmen und will sich abheben, seine eigene Marken-Philosophie transportieren. Das ist nach meinem Empfinden in der Fashion-Branche bis heute sehr ausgeprägt. Folglich geht es vor Ort um jedes noch so kleine Detail. Die Marke soll eben durchgängig zu spüren sein – vom perfekten Teppich über die optimale Platzierung der Logos bis zum Outfit unserer Servicekräfte. Und ja, im Gegensatz zu vielen anderen Corporate Events darf es auch Champagner sein. Bisweilen wird zudem ein Signature Drink gereicht, der einen entsprechenden Bezug zur Inszenierung und Marke hat. Sei es ein Negroni oder ein Whisky Sour.

Apropos Champagner, ist die Modebranche denn besonders trinkfest?
(Dahlmann lächelt): Es wird gerne gefeiert und auch getrunken. Aber neben Champagner ist gerade bei den Modeleuten auch Wasser sehr gefragt.

Kleine, feine, luxuriöse Häppchen sind der Klassiker bei Fashion-Events. Inzwischen gerne auch mal vegan und vegetarisch. Eben Low Carb und figurfreundlich.
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Kleine, feine, luxuriöse Häppchen sind der Klassiker bei Fashion-Events. Inzwischen gerne auch mal vegan und vegetarisch. Eben Low Carb und figurfreundlich.
Zwischen Champagner und Negroni passiert ja sicher viel Unvorhersehbares. Erzählen Sie uns doch ein paar Anekdoten. Was war das Witzigste, Überraschendste oder Peinlichste, was Sie je bei einem Fashion Event erlebt haben?
Sorry, für uns gilt absolute Diskretion. Aber von einem auch für uns überraschenden Moment kann ich erzählen: Bei einem Event einer Luxusmarke in Düsseldorf hat das Unternehmen eigens zwei Mitarbeiter am Service-Ausgang platziert, die bei jedem Tablett nochmal die Abstände zwischen den Häppchen abgemessen haben. Nur wenn die mit einem Abstand von exakt 2,5 Zentimetern angerichtet waren, durften wir sie den Gästen servieren.

Wie kommt das? Sind die Modeleute denn so akurat?
Höchste Perfektion und Qualität sind bei den Luxusmarken einfach Teil der Identität. Es gibt da sehr strenge Guidelines, an die wir uns als Caterer zu halten haben. Das beginnt damit, welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ich im Service im Einsatz habe. Welche Personality sie transportieren. Wie sie gekleidet sind. Welche Schuhe sie tragen und vieles, vieles mehr. Wir gehen ja so ins Detail mit unserer Idee, Luxus perfekt zu inszenieren, dass wir unser eigenes Styling-Team mitbringen. Das heißt, alle Mitarbeiter erhalten das gleiche Haar-Styling, tragen das gleiche Make-up. Und seit ein paar Jahren haben wir sogar eine Art Corporate Scent. Das heißt, jeder Mitarbeiter, der mit Gästen zu tun hat, trägt das gleiche Eau de Toilette. So wird er von den Gästen durch den Duft erkannt, auch wenn sie ihn noch gar nicht sehen. Für den perfekten Moment geht es wirklich um jedes noch so kleine Detail.

Perfektion auf allen Ebenen. Vom Styling der Mitarbeiter bis zum Duft.
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Perfektion auf allen Ebenen. Vom Styling der Mitarbeiter bis zum Duft.
Wie gelingt Ihnen diese Feinarbeit?
Wir schulen unsere Service-Kräfte in unserer eigenen Academy und arbeiten da an den Details, die den Unterschied machen. Wir kennen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut und haben sogar Sedcards, sodass sich Kunden die passenden Persönlichkeiten aussuchen können.

Das klingt ja fast wie ein Model-Casting. Was war denn bei all diesen Anforderungen die kurioseste Guideline, die Sie je bekommen haben?
Wir hatten mal einen Auftrag, bei dem wirklich alles rot sein musste – das Essen, die Getränke, Gläser, Teller sowie Tabletts – da alles auf den Launch einer Luxushandtasche abgestimmt war.

Was war die größte Herausforderung oder das schwierigste Projekt?
Wir gehen jedes einzelne Projekt mit höchster Akribie an. Aber wahrscheinlich war eine Fashion Week-Party in Berlin mit 1500 Gästen in einem Zelt am Gleisdreieck eine der größten organisatorischen Herausforderungen. Denn nach der Fashion Show hatten wir für diese 1500 Gäste ein à la Carte-Restaurant aufgebaut. Die Gäste gingen aus der Show in das Zelt, wo eine italienische Trattoria inszeniert wurde, in der sie dann alle zeitgleich gegessen haben. Das war schon eine große logistische Meisterleistung. Und es hat hervorragend funktioniert.

Wenn wir schon beim Essen sind: Gibt es denn auch bestimmte Gerichte, die bei der Fashion Crowd besonders gut ankommen? Oder achten alle eher auf ihre Figur?
Der Klassiker sind kleine, feine, luxuriöse Häppchen oder Walking Dinner. Es gibt mittlerweile einen hohen Anteil an veganen Gerichten. Der liegt fast bei 20 %, dann kommen nochmal 10 % vegetarische Häppchen dazu. Wir achten sehr darauf, dass es bei Abendveranstaltungen Low Carb ist, weil die Gäste bei Mode-Events schon sehr figur- und gesundheitsbewusst sind.

Gibt es denn Gemeinsamkeiten zwischen einem guten Gastgeber und einem guten Modehändler oder Modedesigner?
Alle drei achten auf die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Gäste. Sie wollen ihre Kunden glücklich machen und ihnen alle Wünsche von den Augen ablesen. Da gibt es schon große Parallelen zum Catering. Wir stellen uns vollkommen auf den Kunden ein, achten auf höchstes Service-Level und schauen, dass alles reibungslos abläuft. Ich bin selbst auf fast jeder Veranstaltung persönlich vor Ort und dirigiere mein Team durch den Abend. Ich denke, vieles davon gilt auch für einen guten Modehändler.

Sie haben gerade das hohe Service-Level erwähnt. Wie entscheidend ist das?
Absolut entscheidend. Wenn der Kunde bereit ist, in einer Boutique viel Geld für High Fashion auszugeben, dann erwartet er besondere Aufmerksamkeit, gute Beratung und perfekten Service. Das ist ja der Grund, im Store zu shoppen und nicht online zu bestellen. Dass man persönlich umsorgt wird, einen Espresso oder Champagner angeboten bekommt. Dieses besondere Gefühl sollte im Luxus-Segment selbstverständlich sein. Das gilt für die Mode wie fürs Catering.
„Ich bin sicher, dass wir wieder richtig feiern werden. Die Menschen wollen einfach raus.“
Ulrich Dahlmann

Sie haben bereits Ihre Mitarbeiter-Academy angesprochen. Worauf achten Sie da besonders? Was macht guten Service aus?
Das hängt zunächst einmal vom Menschen selbst ab. Man muss einfach Lust auf Dienstleistung haben. Man muss das persönliche Auftreten haben, mit Freude dabei sein. Wir kreieren und inszenieren ja Lebensfreude bei solch einem Event. Wir brauchen also Menschen, die charmant und lustig an unserer Seite sind, zu unserer Marke passen und die Häppchen am Gast genau richtig tanzen lassen. Und damit das gelingt, dafür haben wir unsere Academy.

Hat sich die Art, wie wir feiern, durch Corona verändert? Werden wir wieder zu großen Partys zurückkehren?
Ich bin sicher, dass wir wieder richtig feiern werden. Der Startschuss für uns war auf jeden Fall sehr positiv. Ich spüre wieder eine große Wertschätzung der Gäste, wenn sie eingeladen werden. Früher war es oft gang und gäbe, auf zwei, drei Events gleichzeitig zuzusagen und dann Party-Hopping zu betreiben. Das ist jetzt anders. Wenn man eineinhalb Jahre nur zu Hause war, bekommt eine Einladung wieder einen ganz anderen Stellenwert. Da sind alle glückselig, bleiben länger, schätzen das Zusammensein wieder viel mehr.

Geht die Partysaison denn schon wieder so richtig los? Wie sieht überhaupt die Party der Zukunft aus?
Seit dem Spätsommer nehmen die Anfragen zu. Viele Boutiquen und große Modehäuser planen Einladungen. Im Moment herrscht Nachholbedarf. Jeder möchte seine Kunden endlich wieder beglücken und einladen. Die Menschen wollen einfach raus, wollen sich austauschen und persönlich treffen. Darum geht es doch.

Zum Jubiläum der TextilWirtschaft haben wir ganz bewusst den Austausch mit denen gesucht, die sich nicht inmitten der Mode bewegen – aber der Mode viel zu sagen haben. Mehr Porträts und Interviews finden Sie hier. Die gesamte Ausgabe: Jetzt im E-Paper lesen

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