Messen

Begeisterung in Berlin

Soviel Euphorie herrschte lange nicht mehr. Einhellige Begeisterung bei allen Messeveranstaltern, bei Händlern und Ausstellern über die drei Messetage in Berlin. Dabei ging es nicht nur wegen der ausgefallenen Bread & Butter weniger um Party denn ums Business. „Endlich gibt es wieder einen Messestandort, der frequentiert ist. Die Stimmung der Einkäufer ist trotz der schwierigen Saison gut. Es wird nicht gejammert, sondern nach vorne geschaut“, sagt Atelier Gardeur-CEO Gerhard Kränzle. Mac-Chefin Eveline Schönleber glaubt, dass bei dieser Entwicklung Berlin zum wichtigsten Messestandort in Europa werden könnte. Sogar am sonst schwachen dritten Tag waren noch viele namhafte Einzelhändler unterwegs. Die Themen: Saisontiming, Übergangsteile, engere Kooperationen zwischen Industrie und Handel sowie Marge und kalkulationsstarke Kollektionen.
 
Der Wegfall der B&B wurde von vielen bedauert. „Wir brauchen die B&B für die Internationalität“, so Alexander Gedat, CEO von Marc O'Polo. Es gebe weniger Inspirationen und Highlights, war von Händlern zu hören. Aber viele meinten auch, den Ausfall nicht zu bemerken und sich nun auf die anderen Messen konzentrieren zu können.
 
Als Leitplattformen werden die Premium, die Panorama und auch die Seek gesehen. Die Messe für progressive und Contemporary Fashion erlebte einen großen Zulauf in der neuen Location und wurde sehr gelobt. Die von Seek und Premium veranstaltete Fashiontech-Konferenz war sehr gut besucht und lieferte viele inspirierende Ideen für die Zukunft von Mode und Technik. Anita Tillmann, Premium-Geschäftsführerin: „Die Premium war über die drei Messetage sehr gut besucht. Besonders die ersten beiden Messetage haben unsere Erwartungen weit übertroffen. Die Veränderung im Hallenlauf und der Wegeleitsystem sind sehr gut angekommen. Unser Konzept, etablierte Marken und junge Designer nebeneinander zu präsentieren sowie die stetige Integration neuer Marken ist unser Markenzeichen. Der neue Regierende Bürgermeister, Michael Müller, der heute zu Besuch auf die Premium kam, war beeindruckt, sehr informiert und wird auch in Zukunft der Mode- und Kreativ-Branche unterstützend zur Seite stehen.“
 
Die Panorama meldet an den ersten beiden Messetagen ein Plus von 20% auf über 50.000 Fachbesucher aus 96 Nationen. Neben Einkäufern aus dem deutschsprachigen Raum habe es einen deutlichen Zuwachs aus Benelux, Skandinavien, England und Irland sowie aus Polen und der Tschechischen Republik gegeben. Messechef Jörg Wichmann wertet die Messe aufgrund des deutlich erweiterten Aussteller-Portfolios, der gesteigerten Besucherfrequenz sowie des positiven Feedbacks von Besuchern und Ausstellern als vollen Erfolg und sieht beste Voraussetzung für eine weitere Expansion in der kommenden Saison.

Verena Malta, Chefin der Show & Order, bezeichnet die Ausgabe als die erfolgreichste mit einem neuen Besucherrekord. Auch sie spricht von einer Steigerung der Internationalität, eine „Bestätigung für den Messestandort Berlin. Wir haben die Messlatte wieder ein gutes Stück höher gelegt.“

Auch die Macher der Bright sind zufrieden. „Die drei Tage haben gezeigt, dass der Messestandort für den europäischen Streetwear-, Sneaker- und Boardsport-Handel weiterhin die wichtigste Plattform bleibt. Die gestiegene Besucherzahl zur letzten Sommersaison und der bei über 50% liegende Anteil von Besuchern aus dem Ausland bestätigen den Trend. Der späte Termin hat sich nicht negativ auf den Zuspruch ausgewirkt“, so ein Sprecher.

Superlative auch bei den Grünen: Der Green Showroom und die Ethical Fashion Show melden die erfolgreichsten Veranstaltungen seit Bestehen der beiden Plattformen für Grüne Mode. In der neuen Location am Postbahnhof am Ostbahnhof präsentierten sich 163 Aussteller. „Wir haben eine äußerst beeindruckende Veranstaltung erlebt und konnten erneut als Zentrum für zeitgeistige Grüne Mode in Europa überzeugen“, sagt Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, die beide Plattformen veranstaltet. Die Aussteller lobten die große Verweildauer an den Ständen und die qualitativ hochwertigen Gespräche.
 
Die Big Size- Messe Curvy is sexy bekam viel Zuspruch für die neue Location an sich auf dem Event Island in Spandau, die allerdings als zu abgelegen empfunden wurde. Viele Aussteller und Händler wünschen sich für das Segment eine Anbindung an die Panorama. Insgesamt war die Besucherfrequenz wie erwartet etwas schwächer als im Sommer, mit 3900 Besuchern wurde „jedoch die Erwartungen erfüllt“, so Messechef Stephan Sonn. „Wichtiger als die reine Besucherzahl war jedoch wieder die Qualität der Besucher. Viele nationale und internationale Einkäufer großer Häuser fanden den Weg zur Curvy“, so Sonn. Er will künftig u.a. in Sachen Shuttleservice die Zusammenarbeit mit den anderen Messen verbessern. Ebenfalls gut besprochen wurde die neue Präsentationsplattform Berliner Mode Salon im Kronprinzenpalais, wo 18 deutsche Designer zeigten.
 
B&B-Chef Karl-Heinz Müller kündigte am Mittwoch an, in zwei Wochen ein neues Konzept vorstellen zu wollen. Mit seinem improvisieren Get-together mit rund 40 Labels wollte er „ein Lebenszeichen“ von sich geben.

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