Unternehmen

„Big Data bringt Ihnen gar nichts!“

Die Fragen sind nicht neu und dennoch so brandaktuell wie nie zuvor: Werden sich in den nächsten Jahren Multilabel-Händler neben internationalen vertikalen Konzepten noch halten können? Wie viele Marktanteile wird der Online-Handel noch vom stationären Handel abgreifen? Und wie schafft es der stationäre Handel, Kunden in die Stores zu ziehen?

An knackigen Statements dazu mangelte es auf dem Deutschen Modehandels-Kongress (DMHK) nicht, der an diesem Donnerstag am Düsseldorfer Airport stattfand. Eine der Aussagen, die wohl den 350 Vertretern aus Handel, Industrie und Dienstleistung noch länger in Erinnerung bleiben wird: „Big Data bringt Ihnen gar nichts!“ Und das sagt ausgerechnet ein Manager, der mit seinem Geschäftsmodell leicht kostbare Daten in Breite und Tiefe generieren und sie für die Kundenbindung effektiv nutzen kann: Michael Kliger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Mytheresa.com. „Wir beschäftigen uns nicht mit Daten, sondern lieber mit Fragen“, sagte der Chef des Luxus-Webshops für DOB und Accessoires.
 
Wichtiger für ihn sind etwa die Feedback-Bögen, und noch lieber die freien Textfelder mit Anmerkungen darauf, in denen Kundinnen ihre Verbesserungsvorschläge eintragen können. Rücklaufquote der Kundinnen-Tipps: 30%. Die intensive Beschäftigung mit Fragen wie einer besseren Verpackung, die wöchentliche intensive Beschäftigung und Auswertung der Kundenzufriedenheit bezeichnet Kliger als „Customer Paranoia“. Diese sei eine der drei Säulen für das Erfolgsrezept von Mytheresa.com.
 
Die beiden weiteren: die „operative Exzellenz“, mit u.a. einem einfachen Webseiten-Aufbau und Services wie dem Versenden der Ware noch am gleichen Tag bei einer Bestellung vor 16 Uhr. Und die spitze Nischen-Positionierung auf hochwertige Luxus-DOB und einer sehr starken Editierung innerhalb der Designer-Kollektionen. Im Online-Shop liegt der Fokus auf dem Produkt statt auf Editorial Content. Das spiegelt sich auch in der handgesteuerten Darstellung wider: Statt eines Algorithmus bestimmt ein Team, welche Artikel wo und neben welchen präsentiert werden. „Die händische Darstellung spürt die Kundin“, ist sich Kliger sicher.

Nicht nur der Markt für Luxusgüter wird in den nächsten drei Jahren weiter zulegen, auch generell ist der Sättigungspunkt des E-Commerce noch nicht erreicht, auch wenn die Wachstumsraten sich verlangsamt haben. Laut einer Studie von KPMG und dem Institut für Handelsforschung in Köln, die am Donnerstag auf dem DMHK vorgestellt wurde, könnte der Anteil der Online-Umsätze am gesamten Fashion-Markt bei 36% liegen. Zusammen mit den steigenden Aktivitäten vertikaler Player bedeuten diese Entwicklungen jedoch nicht das Aus für den mittelständischen Multilabel-Handel: Während laut der Studie kleine Betriebe verlieren, hält sich die Zahl der Modehändler mit 5 bis 50 Mill. Euro Umsatz laut Prognose stabil. Bemerkenswert: Pure Player werden in den kommenden zehn Jahren nicht gewinnen, wer beim Kunden punkten will, schon allein aus Image-Gründen, muss die Kanäle vernetzen, also sowohl on- als auch offline aktiv sein.
 
Einen ausführlichen Bericht vom Deutschen Modehandels-Kongress lesen Sie in der kommenden Ausgabe der TextilWirtschaft, die am 11. November erscheint.

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