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E-Fashion: Es geht ums Wie

Wir sind drin. Und nun? Eine Frage, die sich viele Modehändler stellen, wenn es um ihre Aktivitäten im E-Commerce geht. Es geht kaum noch ums Warum, sondern vielmehr ums Wie. Jede Menge handfester Tipps und Ideen gab es dazu bei der TW Konferenz E-Fashion, die an diesem Mittwoch in Frankfurt stattfand.

Knapp 200 Teilnehmer sind der Einladung der TextilWirtschaft ins Steigenberger Airport Hotel gefolgt. Und wurden zu Beginn der Veranstaltung vor zu viel Euphorie gewarnt. „Ein Online-Shop muss bei wohlwollender Berechnung mindestens 3,6 Mill. Euro umsetzen, um profitabel arbeiten zu können. Diese Grenze kann aber auch leicht bei 10 Mill. Euro liegen“, sagt Marcus Diekmann, Geschäftsführer des Dienstleistungsunternehmens Shopmacher. Die Durststrecke sei lang, wichtig und langwierig seien vor allem die Investitionen in Kundenbindung.

Hallhuber hat diese Strecke überwunden und agiert mittlerweile nach Angaben von Director Marketing & Online Sales Astrid Jagenberg erfolgreich. Im laufenden Jahr soll der Anteil der Online-Erlöse am Gesamtumsatz auf 8% steigen. Das Münchner Unternehmen will den Vertriebskanal weiter ausbauen und setzt dabei seit kurzem auch auf Fremdplattformen wie Otto und Zalando. Jagenbergs Resümee nach wenigen Monaten ist zwiegespalten: „Es ist ein interessantes Tool, um die Marke bekannter zu machen und neue Auslandsmärkte zu testen.“ Schwierig hinsichtlich des Markenimages sei allerdings z.B. bei Otto die Präsentation der Ware im Shop oder die nicht besonders sorgsame Auslieferung in einfachen Plastiktüten.

Ganz und gar auf die eigenen Vertriebskanäle Läden und Internet setzt Ernsting’s family. Schon seit 2003 ist der Coesfelder Textildiscounter im Internet aktiv und verzeichnet inzwischen 600.000 Bestellungen pro Monat. Sämtliche Prozesse werden inhouse gesteuert, besonders auffällig ist die starke Rolle der stationären Läden: 80% der Bestellungen werden laut E-Commerce-Leiterin Stefanie Wölfel in den Filialen abgeholt: „Bei uns profitieren tatsächlich beide Vertriebskanäle voneinander.“

Einem ganz anderen Genre als Ernsting’s family widmet sich FashionHub, ein Portal für kleine und mittelständische Einzelhändler aus dem Luxus- und Premium-Segment. „Wir wollen den Unternehmen, die sich die hohen Investitionen in einen eigenen Shop nicht leisten können oder wollen, die Möglichkeit geben, trotzdem vom Online-Shopping zu profitieren“, sagt Geschäftsführer Theo Poursanidis.

Fest etabliert im E-Commerce ist Schneider Versand, im Modebereich vor allem durch die Vertriebsformate Conleys und Impressionen bekannt. Jetzt geht es für den Wedeler Versender vor allem um die Optimierung, wie die beiden Manager Jan Hildebrand und Jörn Philipp Daudert bei ihrem Vortrag in Frankfurt beteuerten. Alle Prozesse würden ständig überprüft und hinterfragt, Fehlerquellen wie Mängel bei der Bonitätsprüfung schnellstmöglich behoben. Eine große Herausforderung sei die Aufteilung des Marketing-Budgets auf die verschiedenen Kanäle wie Suchmaschinen, E-Mail und Social Media.

Besonders einfach scheint in Zeiten des Internet die internationale Expansion. Eine besonders große Tücke dabei ist allerdings der Zahlungsverkehr. Das machte das Praxisbeispiel des Online-Shops Tennis-Point.de deutlich. „Es ist ganz wichtig, die Länder-Shops lokal anzupassen. Das gilt auch für die Zahlungsmethoden“, sagt Vertriebsleiter Markus Fröhleke. Schließlich sei die Bezahlung die letzte Hürde für die Kunden und ein wichtiger Schlüssel für die Erhöhung der Conversion Rate.

International expandiert hat in den vergangenen Jahren auch der Shopping-Club Vente-Privee. Geschäftsführer Alain Moreaux belegt das in seinem Vortrag mit beeindruckenden Zahlen. 18 Millionen Mitglieder in Europa, 120.000 Pakete pro Tag und allein in Deutschland ein Umsatzplus von 40% im vergangenen Jahr. Moreaux will mehr und setzt auf eine Ausweitung des Sortiments sowie ganz stark auf Mobile Commerce: „Weil es unserem aktionsgetriebenen Geschäftsmodell entgegenkommt.“

Weil der Boom im E-Commerce ungebrochen scheint und weiteres Wachstum quasi vorprogrammiert ist, war Prof. Holger Schneider von der Fachhochschule Wedel zum Schluss der Veranstaltung ein Schlaglicht auf das Thema Mitarbeiter. Sieht es im Einzelhandel sowieso schon schlecht aus für viele Unternehmen, so spitzt sich der Fachkräftemangel im E-Commerce zu: „70% der Unternehmen klagen derzeit über unbesetzte Stellen.“

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