Markt

Mode für Menschen mit Behinderung

Die speziellen Anforderungen von Kleidung für Menschen mit Behinderungen stärker in das Blickfeld von Designern, Modelabels und Bekleidungsindustrie zu rücken hat sich die Organisation „Bezgraniz Couture“ vorgenommen. In Moskau fand am vergangenen Freitag im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week Russia eine Präsentation der Kollektion „WearABLE Future“ statt, die von Studenten des ersten Studienjahres der British Higher School of Art and Design in Kooperation mit Bezgraniz Couture für Menschen mit verschiedenen Arten von Behinderungen entwickelt wurde. Gezeigt wurde die Kleidung von Models in Rollstühlen, Models mit Bewegungsstörungen wie zerebraler Kinderlähmung, von Paralympic-Teilnehmern sowie von Schauspielern mit Down-Syndrom eines Moskauer Theaters.

Die Models selbst arbeiteten an der Kollektionsentwicklung beratend mit. Sie gaben den jungen Nachwuchsdesignern Hinweise, auf was es ihnen besonders ankommt, bzw. was ihnen beim An- und Auskleiden und beim Tragen besondere Probleme bereitet. Das Schließen von Hemden oder Jacken mit einer Hand zum Beispiel oder das Anziehen eines Kleides im Rollstuhl. Hilfreich können auch korsettartige Verstärkungen sein, die unsichtbar nach außen, in der Kleidung Schwächen des Bewegungsapparates ausgleichen. Für Menschen mit Behinderungen ist es oft problematisch, passende Kleidungsstücke und Accessoires zu finden. Oft sind aufwändige Veränderungen nötig, um die richtige Passform zu erhalten. Eine Fertigung in größeren Stückzahlen ist nahezu unmöglich, da die Kleidungsgrößen in diesen Fällen bisher nicht standardisiert sind. Das Interesse der Bekleidungsindustrie an diesem Thema ist deshalb bisher gering.
 
Die Initiatoren von Bezgraniz Couture wiesen indes bei einer anschließenden Pressekonferenz darauf hin, dass es sich allein schon zahlenmäßig um eine große Gruppe von Menschen handelt, deren Kaufkraft nicht zu vernachlässigen sei. Weltweit gebe es 1,3 Milliarden Menschen mit Behinderungen und 2,2 Milliarden Verwandte von Menschen mit verschiedenen Invaliditätsgraden, geht aus einer Studie der School of Art und Design an der Nottingham Trent University im Auftrag von Bezgraniz Couture hervor. Die Präsentation wurde von Mercedes-Benz Russland und der russischen Tochter des Burda-Verlags unterstützt.
 
Das Thema gewinnt allmählich international mehr Aufmerksamkeit. Im September hatte das italienische Modelabel „FTL Moda“ bei der New York Fashion Week Aufsehen erregt, als es die Australierin Madeline Stuart auf den Laufsteg schickte. Das 18-jährige Model mit Down-Syndrom eröffnete Ende September die Haute Couture-Schau der Italiener. Zuvor hatte FTL Moda im Februar Models mit Rollstuhl und Beinprothesen auf den Catwalk gebracht. Als einer der ersten Top-Designer hatte 1998 Alexander McQueen gemeinsam mit Rei Kawakubo und anderen Designern Mode für Behinderte entworfen und behinderte Models über den Laufsteg gehen lassen.

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