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Primark: „Ein richtiger Berlin-Store“

Am Donnerstag hat Primark seine 13. deutsche Filiale eröffnet. Der Store am Berliner Alexanderplatz ist 5230m² groß und erstreckt sich über drei Etagen. Die Eröffnung verzögerte sich immer wieder, Ursache dafür waren u.a. diverse Auflagen für die Baugenehmigung und technische Herausforderungen. Nach achtmonatiger Bauzeit ist der zweite Store des Discounters in der Hauptstadt nun fertig. „Es ist ein richtiger Berlin-Store“, sagte Vorstandsmitglied Breege O’Donoghue bei der Eröffnung. Als besonders prominenten Gast begrüßte sie den irischen Premierminister Enda Kenny, der in Berlin noch Angela Merkel treffen will, aber zuvor gemeinsam mit Primark-CEO Paul Marchant das Band durchschnitt.
  
Wie überall wurden auch in Berlin regionale Bezüge der Gestaltung hergestellt. So haben Berliner Künstler Graffiti auf Betonsäulen gesprüht, erklärt Peter Franks, Director of Store Development. Weltweit einzigartig ist jedoch die 3D-Installation an der Wand, vom Erdgeschoss ins erste Stockwerk. Auf grauem Beton sieht man skizzenartig Umrisse von Berlin. Darauf werden dann Bilder projiziert, Straßennamen, Sehenswürdigkeiten, das typische Ampelmännchen sowie Primark-Kampagnen. 35 Minuten dauert der Film.
 
Im Erdgeschoss befindet sich die Damenwelt, am Eingang ist eine Trend Corner installiert, wo modische Kapsel-Kollektionen gezeigt werden. Das Konzept wurde für Concessions entwickelt, die Primark bei Selfridges hat. Auch der Düsseldorfer Store soll so eine Trend-Ecke bekommen. Im Untergeschoss befindet sich Männer- und Kindermode, Denims und Home-Accessoires, im ersten OG Wäsche, Schuhe, Accessoires und Kosmetik. Dieser Bereich wurde mit dem Deutschland-Start ins Sortiment aufgenommen und seitdem stetig erweitert. Der Store am Alex hat 67 Umkleidekabinen, eine Gruppen-Umkleide für bis zu zehn Leute, wie sie in Köln derzeit getestet wird, gibt es aber noch nicht. Im Store am Alex arbeiten 839 Personen aus 28 verschiedenen Ländern an sechs Tagen rund um die Uhr.
 
Die Eröffnung ist die erste nach dem Wirbel um die vermeintlichen Hilferufe auf Zetteln in Primark-Kleidung. Sie wurde begleitet von Kundgebungen und Protesten der Organisationen Inkota, Kampagne für Saubere Kleidung, BUNDjugend und Germanwatch. „Unternehmen wie Primark müssen für Transparenz sorgen und die Verbraucher aufklären“, sagt Berndt Hinzmann vom Inkota-Netzwerk. „Und wenn sie das wegen ihrer zahlreichen Zwischenhändler nicht können, müssen sie ihr Business-Konzept ändern.“ Hinzmann betont, Primark nicht boykottieren zu wollen, sondern den Dialog zu suchen. „Die Arbeitsbedingungen und Löhne müssen sich verbessern. Es ist gut, dass sich Primark offenbar der Probleme bewusst ist.“
 
Auch die Manager des Discounters müssen an diesem Tag zahlreiche Fragen zu Produktionsbedingungen und den eingenähten Zetteln beantworten. Primark-Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann erklärt: „Wir können die Echtheit der Etiketten ausschließen. Mit diesen Zetteln wollte jemand Aufmerksamkeit erregen, und das ist gelungen.“ Nach seinen Angaben habe sich diese Anti-PR bislang nicht negativ auf die Umsätze ausgewirkt. Er und auch Breege O’Donoghue werden nicht müde zu betonen, dass nur auditierte Zulieferer für Primark arbeiten dürfen, dass es pro Jahr 2000 Inspektionen gibt und dass die Kontroll-Teams in Bangladesch noch einmal vergrößert wurden.
 
Auf den Vorwurf, Wegwerfkleidung zu produzieren und bei den niedrigen Preisen gar keine fairen Löhne zahlen zu können, reagiert Krogmann gelassen. „Wir teilen uns zu 98% die Fabriken mit namhaften Mitbewerbern, die die gleiche Qualität anbieten. Außerdem gönnen wir uns einen viel niedrigeren Aufschlag in der Kalkulation, als es üblich ist“, erklärt er. Zur Debatte, die hierzulande zum Thema Überwachungskameras geführt wird, sagt er nur so viel: „Wir sind dabei, mit den Betriebsräten der Läden eine grundlegende Regelung zu finden.“ 
  
In den kommenden zwölf Monaten will Primark in Deutschland acht Läden eröffnen, der nächste wird in Stuttgart sein. Es folgen u.a. Krefeld, Dresden und Weiterstadt. 2015 will das Unternehmen, das bislang in neun europäischen Ländern mit 276 Stores vertreten ist, in den USA starten. Primark hat sich rund 7300m² im Burnham Building in Boston gesichert und eröffnet Ende des nächsten Jahres.

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